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vom 12.05.2018, aktuelle Version,

Katzau

Katzau (1869–1873 Simon Katzau, danach Dr. Felix und Richard Katzau) war eine Baumwollspinnerei im ostböhmischen Babí bei Náchod. Sie firmierte als „Spinnerei S. Katzau Nachod“ (tschechisch S. Katzau, přadelna bavlny) und bestand von 1869 bis zur Verstaatlichung nach dem Zweiten Weltkrieg 1945.

Geschichte

1864 hatte der Nachoder Textilunternehmer Isaac (Izák) Daniel Pick (1824–1904)[1] auf den südöstlich unterhalb des Ortes liegenden Wiesen von Dolní Babí eine Leinenspinnerei mit 4000 Spindeln gegründet, in der mehr als 700 Arbeiter beschäftigt waren.

Nach ihrem Bankrott 1869 wurde sie vom Wiener Unternehmer Simon Katzau (1809–1873) erworben und zu einer Baumwollspinnerei umgebaut. Nach dessen Tod 1873 erbten die Söhne Dr. Felix Katzau (1848–1926)[2] und Richard Katzau (1849–1924)[3] das Unternehmen. In den 1890er Jahren beschäftigte die Firma Katzau mehr als 400 Arbeiter, deren Anzahl sich bis 1914 verdoppelte. Die Anzahl der Spindeln hatte sich bis 1909 verfünffacht. 1908 errichtete die Firma Katzau Arbeiterwohnungen nach einem Entwurf des Wiener Architekten Viktor Postelberg (1869–1920).[4]

Nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 kam es 1922 durch Einfluss der linksgerichteten Partei u. a. in der Firma Katzau zu Streiks. Von 1928 bis 1930 errichtete sie eine Reihenhauskolonie mit Arbeiterwohnungen nach dem Entwurf des Wiener Architekten Adolf Loos. In den 1930er Jahren wurde für die Mitarbeiter ein Sportklub gegründet.[5] Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Firma Katzau arisiert. Ab 1943 wurden in den Fabrikgebäuden für Kriegszwecke Flugzeugmotoren für die Deutsche Lufthansa AG hergestellt und repariert.

Nach Kriegsende 1945 wurde die Firma Katzau 1945 verstaatlicht und dem Nachoder Textilverband Tepna eingegliedert. Das Firmenarchiv der Firma Katzau für die Jahre 1898 bis 1950 befindet sich in der Sammlung „S. Katzau, přadelna bavlny, Babí u Náchoda“ im Staatlichen Archiv Zámrsk.[6]

Literatur

  • Lydia Baštecká, Ivana Ebelová: Náchod. Náchod 2004, ISBN 80-7106-674-5, S. 176, 180–183, 215 und 246.

Einzelnachweise

  1. Neue Freie Presse, 17.September 1904, Seite 20
  2. Neue Freie Presse, 10. August 1926, Seite 14
  3. Neue Freie Presse, 1. Februar 1926, Seite 19
  4. Neue Freie Presse, 17. Februar 1920, Seite 12
  5. Aus den angegebenen Quellen ist nicht ersichtlich, wer nach dem Tod von Felix Katzau 1926 die Firma leitete. Vermutlich gelangte sie an Richard Katzaus Witwe Olga Katzau, geborene Reich (1875–1942).
  6. Archiv Zámrsk