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vom 03.04.2018, aktuelle Version,

Klaus Mangold

Klaus Mangold 2014

Klaus Jürgen Mangold (* 6. Juni 1943 in Pforzheim) ist ein deutscher Manager.

Leben

Mangold studierte Jura und Volkswirtschaftslehre in Genf, London, Heidelberg und München. Während seines Studiums wurde er Mitglied des Corps Suevo-Guestphalia München im WSC. Nach seiner Promotion in Jura 1973 war er in verschiedenen Wirtschaftsverbänden und Unternehmen tätig, unter anderem bei der deutsch-mexikanischen Handelskammer, bei Thyssen und beim Bundesverband der Textilindustrie. 1985 wurde er Vorstandsvorsitzender der Rhodia AG, einer Firma des französischen Chemiekonzerns Rhône-Poulenc, und 1991 Vorstandsvorsitzender der Quelle Schickedanz AG & Co.

1995 wurde er Mitglied des Vorstandes der damaligen Daimler-Benz AG und Vorstandsvorsitzender der Tochterfirma Debis.

Mangold engagierte sich schon früh für die Einführung eines LKW-Mautsystems in Deutschland, das auch Telematik-Funktionen beinhalten würde – ein wichtiges Geschäftsfeld der debis. Bei der Gründung des Maut-Konsortiums Toll Collect 2002 wurde er dessen Aufsichtsratschef. Nachdem die technischen Probleme und Verzögerungen beim Aufbau des Mautsystems größer und größer geworden waren, geriet Mangold gemeinsam mit Michael Rummel, dem Geschäftsführer von Toll Collect, durch die öffentliche Kritik immer stärker unter Druck. Im Dezember 2003 wurde Klaus Mangold als Aufsichtsratschef von Toll Collect durch Peter Mihatsch abgelöst. Im gleichen Jahr liefen (mit Erreichen des 60. Lebensjahres) seine Verträge als Mitglied des Vorstands von DaimlerChrysler und als Vorstandsvorsitzender der DaimlerChrysler Services AG aus. Er schied aus dem Konzern aus, wurde jedoch Berater in Sachen Osteuropa für den Vorstandsvorsitzenden Jürgen E. Schrempp. Mangolds Nachfolger als Vorstandsvorsitzender der DaimlerChrysler Services wurde Bodo Uebber.

Seit 2011 ist Mangold Vorsitzender des Aufsichtsrates von TUI.

Klaus Mangold hat enge Beziehungen zu Russland.[1] Er war am Geschäftsabschluss Rosatoms für den Bau des 2. Blocks vom Kernkraftwerk Paks beteiligt[2] und gilt als der geheimnisvolle Deutsche hinter Viktor Orbans russischen Geschäften[3].

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) musste sich 2016 erklären, weil er den Privatjet von Klaus Mangold für eine Reise zu einem Treffen mit Victor Orban in Budapest nutzte. Mangold lud den EU-Kommissar dazu ein. Oettinger sagte, die Ungarische Regierung habe vorgeschlagen, dass er zu dem Treffen mit Mangold fliege, weil es für die Reise kein Budget gegeben habe.[4]

Im November 2017 wurde aus der Veröffentlichung der Panama Papers bekannt, dass Mangold eng wirtschaftlich verflochten mit dem russische Oligarchen Boris Abramowitsch Beresowski war. Mangold erhielt in den Jahren 2003 und 2010 Geld von einer Firma auf der Isle of Man, die laut tagesschau.de Berezovsky gehörte. Die Firma erwarb einen Privatjet und verkaufte diesen einige Jahre später wieder. Die Flugzeuggeschäfte über die Isle of Man wurden im Zuge der "Paradise Papers" genauer betrachtet. Mit einem Geschäftskniff wurde vielfach die Einfuhrumsatzsteuer in der EU umgangen. Die Daten geben jedoch keine Auskunft darüber, ob das bei Berezovskys Firma der Fall war. Ihm sei „nicht erinnerlich“, Begünstigter der Firma gewesen zu sein, erklärte Mangold.[5]

Sonstige Ämter, Ehrungen und Auszeichnungen

Von 2000 bis 2010 war Mangold Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, einer Organisation, die Exporte deutscher Firmen in osteuropäische Länder fördern soll. Außerdem ist er Mitglied im Lenkungsausschuss des deutsch-russischen Petersburger Dialogs.

Im Januar 2004 wurde Mangold Co-Chairman der deutschen Dependance der Investmentbank Rothschild in Frankfurt.

Zudem ist er derzeit im Ausschuss für Seltene Erden beim Bundesverband der Deutschen Industrie tätig.

Im Jahre 2000 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich.[6] Im Februar 2004 erhielt er vom französischen Staat den Orden eines Kommandeurs der Ehrenlegion. Am 8. Mai 2004 wurde ihm von Ministerpräsident Erwin Teufel die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen. Im Jahr 2005 wurde Mangold Honorarkonsul der Russischen Föderation in Baden-Württemberg. 2007 erhielt er das Bundesverdienstkreuz I. Klasse. 2012 wurde Mangold vom Förderkreis des Jüdischen Museums Berlin mit dem Preis für Verständigung und Toleranz ausgezeichnet.

Neben der Schenkenberger Kapelle «Maria Opferung» bei Emmingen-Liptingen im Landkreis Tuttlingen befindet sich der Landgasthof Schenkenberger Hof, den Klaus Mangold 2013 erwarb und ausbaute. Mangold hat in der Gegend eine Jagdhütte und seine Forstfirma besitzt einen Teil des umliegenden Walds, weshalb der Gasthof auch als Stützpunkt für die Forstarbeiter genutzt wird.[7]

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Einzelnachweise

  1. Georg Meck: Russenversteher Klaus Mangold: Mister Russland der deutschen Wirtschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. Februar 2016 (faz.net).
  2. Eva S. Balogh: The men behind Paks II: Günther Oettinger and Klaus Mangold. In: hungarianspectrum.org. 18. November 2016, abgerufen am 20. November 2016.
  3. András Szabó: The Mysterious German Behind Viktor Orban’s Russian Deals. Abgerufen am 20. Oktober 2017 (englisch).
  4. EU official under fire over private jet. In: BBC News. 16. November 2016 (bbc.com [abgerufen am 19. November 2017]).
  5. tagesschau.de: "Paradise Papers" - Die Deutschen in dem Leak. Abgerufen am 19. November 2017 (deutsch).
  6. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  7. „Beliebtes Ausflugsziel auf dem Schenkenberg wird saniert“, Südkurier, abgerufen am 18. Juni 2013