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vom 11.10.2017, aktuelle Version,

Kräutelstein

Kräutelstein
(Kräutlstein)
Der Kräutelstein in Blickrichtung flussabwärts (nach Norden), mit Grenzstein Nr. 1 der Republik Österreich (hinter dem Grenzstein liegt österreichisches Gebiet)
Der Kräutelstein in Blickrichtung flussabwärts (nach Norden), mit Grenzstein Nr. 1 der Republik Österreich (hinter dem Grenzstein liegt österreichisches Gebiet)
Gewässer Donau (Oberlauf)
Geographische Lage 48° 34′ 50,8″ N, 13° 30′ 9,5″ O
Kräutelstein
(Kräutlstein) (Oberösterreich)
Kräutelstein(Kräutlstein)
Länge 30 m
Breite 20 m
Fläche 0,045 ha
Urpositionsblatt 569 Passau mit dem Kreutelstein
Urpositionsblatt 569 Passau mit dem Kreutelstein

Der Kräutelstein, andere Schreibweisen Kräutlstein und Kreutlstein, selten Kreutelstein, in englischen Texten auch ohne Umlaut Krautelstein, ist eine kleine mit Bäumen bewachsene Felseninsel im Oberlauf der Donau unterhalb von Passau bei Flusskilometer 2223,196, über die mit einem etwa 45°-Knick am Grenzstein die deutsch-österreichische Grenze verläuft. Ein kleiner im Südwesten liegender 135°-Sektor gehört zu Deutschland, etwa 85 % der Fläche von etwa 450 m2 gehören zu Österreich. Auf dem Urpositionsblatt von 1861 ist er als Kreutelstein verzeichnet.[1][2]

Geographie

Die hier etwa 250 m breite Donau strömt nach Nordnordosten, die leicht elliptische, etwa 30 × 20 m messende Insel Kräutelstein liegt normalerweise nur von etwa 10 Meter Wasser vom rechten (östlichen) Donauufer entfernt. Der Kräutelstein bildet die abgetrennte Fortsetzung einer nach Norden orientierten Landzunge, die oberhalb vom rechten Ufer ausgeht. Bei niedrigem Wasserstand ist der Kräutelstein über eine Steinaufschüttung trockenen Fußes zu erreichen.[3] Die Distanz zum gegenüberliegenden Ufer beträgt über 200 Meter. Er gab der so genannten Kräutlsteinbrücke, einer stillgelegten Eisenbahnbrücke knapp 90 Meter flussaufwärts, den Namen. Die Straßen-Staatsgrenze beim Grenzübergang Passau–Achleiten liegt gut 70 Meter südöstlich, die früheren Grenzanlagen, jetzt Tankstelle, nur 30 Meter östlich an der Nibelungen Straße und damit auf österreichischem Staatsgebiet.

Die 2,34 km unterhalb der Innmündung liegende Felseninsel ist noch vom unvermischten Innwasser umspült, das zumindest das oberflächennahe Wasser der tieferen Donau bei jahreszeitlich hohem Wasserfluss deutlich nach links abdrängt.

Der Kräutelstein liegt in den FFH-Gebieten Donau von Kachlet bis Jochenstein mit Inn- und Ilzmündung (Bayern)[4] bzw. Oberes Donau- und Aschachtal (Oberösterreich).[5]

Der bayerische Teil des Felsens ist Teil des Naturdenkmals Felsen bei der Kräutlsteinbrücke.[6]

Am Kräutelstein beginnt die so genannte nasse Grenze zwischen Bayern und (Ober-)Österreich, die zunächst auf kürzestem Weg knapp 70 Meter Richtung Flussmitte verläuft und von dort für gut 20 Kilometer dem Talweg der Donau bis unterhalb des Jochensteins folgt.

Geteilte Insel mit Grenzstein

Wie die Parzellarkarte auf Luftbildbasis zeigt, verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland (Bayern) und Österreich (Oberösterreich) über den kleinen Felsen, wobei der größere Nordteil zu Österreich gehört.[7] Auf dem Kräutelstein befindet sich der Grenzstein Nr. 1 der Republik Österreich.[8][9] Er trennt die Grenzabschnitte Donau und Innwinkel.[10] Dieser Grenzverlauf lässt sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen, damals die Grenze zwischen dem Gebiet der Fürstbischöfe von Passau (im Norden, heute Österreich) und dem der Herzöge von Niederbayern (im Süden).[11]

Die Vermarkung des Grenzpunktes wurde erstmals im Jahr 1549 erwähnt. Im Jahr 1591 wurde eine gemauerte Grenzsäule errichtet, in welcher die Nummer 10 und der Passauer Wolf, das Wappentier der Fürstbischöfe von Passau, eingraviert waren. Diese Säule wurde 1596 durch einen Grenzstein ersetzt, der bei einer Grenzrevision im Jahr 1691 als Grenzstein Nr. 1 bezeichnet wurde. Der Grenzstein von 1596 wurde, nachdem er fast 200 Jahre den Hochwassern getrotzt hatte, 1792 durch den heute noch stehenden Grenzstein ersetzt. Auf diesem Stein befindet sich auf deutscher Seite der Passauer Wolf, auf österreichischer Seite der Doppeladler mit dem darauf gesetzten Bindenschild der Babenberger. Das Monogramm „F II“ steht für Kaiser Franz II.

Erst das Donauhochwasser 2013 brachte den Grenzstein nach 221 Jahren – vermutlich durch einen angeschwemmten Baum – zu Fall. Während einer Suche des Wasser- und Schifffahrtsamtes Regensburg bei Niedrigwasser wurde der Grenzstein wiedergefunden und mit einem Schwimmkran geborgen. Im Oktober 2014 wurde der Grenzstein auf seinem Sockel befestigt, verstärkt mit einer Stahlarmierung.[12]

Der nächstgelegene Pegel ist der Pegel Achleiten bei Flusskilometer 2.223,10, knapp 100 Meter unterhalb des Kräutelsteins.[13] Der nächste Pegel flussaufwärts ist der Pegel Passau Ilzstadt / Donau bei Flusskilometer 2.225,25, also rund zwei Kilometer oberhalb des Kräutelsteins.[14]

Verwaltung

Auf österreichischer Seite wird der Kräutelstein zum Weiler Achleiten der Ortschaft und Katastralgemeinde Hinding, Gemeinde Freinberg im oberösterreichischen Bezirk Schärding im Innviertel gerechnet.

Der deutsche Teil der Felseninsel gehört zu Gemarkung und Stadtteil Grubweg, Ortsteil Schneckenberg in Passau. Die Grenze zum Stadtteil Innstadt (Gemarkung Beiderwies), dort Ortsteil Bayerisch Haibach, verläuft am rechten Donauufer.

Literatur

  • Joseph Mayenberg: Aufzählung der um Passau vorkommenden Gefässpflanzen: Beitrag zur Flora Niederbayerns. Separat-Abdr. aus: Jahresbericht des Naturhistorischen Vereins Passau; 10, 1875, 114 S.
  • Alois Zechmann: Kräutlstein und Apfelkoch – Restposten (prae)alpider Flora in Passau. In: Der Bayerische Wald. 9. Jahrgang (Neue Folge) Heft 1 / Juni 1995 (S. 25–26), zugleich Folge 16, Informationsblatt Bot. Arbeits- u. Schutzgemeinschaft Kreis Bayerischer Wald, Folge 33 Mitteilungsblatt Naturkundlicher Kreis Bayerischer Wald e. V., gegr. 1975, 32. Bericht (1) des Naturwissenschaftlichen Vereins e. V. Passau
  • Ulrich Teuber: Die Moosflora von Passau und Umgebung. Ein Blick auf gestern und heute. Teil 2. In: Der Bayerische Wald, 26. Jahrgang (Neue Folge) Heft 1+2 / Dezember 2013, S. 9–27.
  Commons: Kräutelstein  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Urpositionsblatt 569 Passau
  2. Urpositionsblatt im BayernAtlas
  3. Alois Zechmann: Kräutlstein und Apfelkoch – Restposten (prae)alpider Flora in Passau. In: Der Bayerische Wald. 9. Jahrgang (Neue Folge) Heft 1 / Juni 1995 (S. 25–26), zugleich Folge 16, Informationsblatt Bot. Arbeits- u. Schutzgemeinschaft Kreis Bayerischer Wald, Folge 33 Mitteilungsblatt Naturkundlicher Kreis Bayerischer Wald e. V., gegr. 1975, 32. Bericht (1) des Naturwissenschaftlichen Vereins e. V. Passau – hier S. 26.
  4. Donau von Kachlet bis Jochenstein mit Inn- und Ilzmündung, Datenbank EUNIS (European Nature Information System) der Europäischen Umweltagentur
  5. Oberes Donau- und Aschachtal, Datenbank EUNIS (European Nature Information System) der Europäischen Umweltagentur
  6. Verordnung der Stadt Passau über Naturdenkmäler - Flächenhafte Naturdenkmäler-: Fluss- und Uferfelsen von Inn und Donau
  7. BayernAtlas: Luftbild + Parzellarkarte
  8. Passau, Pressearchiv: Deutsch-Österreichische Grenzkommission tagt in Passau
  9. Freinberg: Wandern
  10. Regierungsvorlage: Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland über die gemeinsame Staatsgrenze vom 29. Februar 1972
  11. Vermessung und Dokumentation der Staatsgrenze in OÖ
  12. Bayerische Vermessungsverwaltung: Kalender 2015, Februar: Kräutelstein (Der Bischöfliche Wolfstein)
  13. Hochwassernachrichtendienst Bayern: Wasserstand Achleiten / Donau
  14. Hochwassernachrichtendienst Bayern: Wasserstand Achleiten / Donau