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vom 30.01.2018, aktuelle Version,

Kroisbach (Oichten)

Kroisbach

Der Kroisbach im mittleren Teil seines Laufs

Der Kroisbach im mittleren Teil seines Laufs

Daten
Gewässerkennzahl AT: A4106787
Lage Bezirk Salzburg-Umgebung, Land Salzburg
Flusssystem Donau
Abfluss über Oichten Salzach Inn Donau Schwarzes Meer
Quelle am Haunsberg, bei Hochberg
47° 56′ 3″ N, 13° 0′ 7″ O
Quellhöhe 608 m ü. A.[1]
Mündung bei Pointlau
47° 56′ 30″ N, 12° 59′ 12″ O
Mündungshöhe 405 m ü. A.[1]
Höhenunterschied 203 m
Sohlgefälle

12 %

Länge 1,8 km[1]

Gemeinden Nußdorf am Haunsberg
im Oberlauf nur periodisches Gewässer

Der Kroisbach ist ein kleiner, in weitesten Teilen seines Laufs regulierter Bach in der Gemeinde Nußdorf am Haunsberg im Flachgau im Norden des Bundeslandes Salzburg. Sein Oberlauf, der Kroisbachgraben, ist in geologischen Fachkreisen bekannt für bedeutende Gesteinsaufschlüsse sowie als Fossilienfundstätte, der als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Der Kroisbach ist namensgebend für eine hier aufgeschlossene Gesteinsformation.

Geografie

Der Kroisbach ist ein rund 1,75 km[1] langer Bach, der vom Nordabhang des Haunsberg in das Tal der Oichten hinabfließt. Er entspringt in der Nußdorfer Ortschaft Hochberg auf 608 m ü. A., fließt in westliche Richtung und kommt nach etwa 130 Metern ins Kroisbacher Ortschaftsgebiet, wo er nach Norden biegt. Nach etwa 450 Metern verläuft er für rund 270 Meter in einem Bogen über das Ortschaftsgebiet von Olching (Gehöft Klein-Olching) wieder nach Westen, bevor er bei der Ansiedlung Kroisbach ins Tal tritt, und von dort kurz darauf in nordwestlicher Richtung über die Kroisbacher Ortslage Pointlau der Oichten zufließt. Die Mündung in den Oichtenbach, der hier die Grenze zur Gemeinde Göming bildet, erfolgt auf 405 m ü. A.

Der Oberlauf im Kroisbachgraben führt nur zeitweise (periodisch) Wasser.

Namensgebung

Der Unterlauf des Kroisbaches vor der Ortslage Pointlau

Der Name Kroisbach wird zurückgeführt auf mittelhochdeutsch krebez(e), krebz(e)Krebs[2] oder auf eine der dazu existierenden Nebenformen kriuz oder kreuz(e)[3] mit gleicher Bedeutung. Der Bach ist demnach als ‚Krebsbach‘ aufzufassen und gehört damit zur Gruppe derjenigen Gewässer, die nach darin lebenden Tieren benannt sind. Die Bezeichnung des Baches hat sich auf die Ansiedlung übertragen.

Geologie und Bergbau

Der obere Kroisbach verläuft im Raum einer geologischen Störung, die sich von Triebenbach bei Laufen an der Salzach bis an das Südende des Obertrumer Sees zieht, und zum Störungssystem der Nordgrenze der Alpen gehört, innerhalb dessen sie hier deren zweitnördlichste Linie bildet (Innsbruck–Salzburg–Amstetten-Störung, ISAM, die nördlichste läuft direkt bei Nußdorf). Das ganze Gebiet der Oichten gehört vollständig zur mächtigen Endmoräne des Salzachgletschers, der im Salzburger Seengebiet die Vorlandmolasse überlagert. An der Störung taucht aber Helvetisches System der Alpen auf, hier speziell Südhelvetikum, südlich Schlößlberg auch Ultrahelvetikum. Diese Schichten sind teils erzhaltig, im oberen Kroisbachgraben wurde in historischer Zeit Eisen abgebaut.

Typusprofile

In geologischen Fachkreisen bekannt ist der Bach bzw. der Graben aufgrund der hier anzutreffenden unterschiedlichen helvetischen Gesteinsschichten aus dem älteren Tertiär, das in den Ostalpen nur nördlich Salzburg großräumiger aufgeschlossen ist.

Ausgehend von den guten Aufschlüssen sind mehrere geologische Typusprofile aus dem Paläozän (Zeitraum vor 65 bis 55 Millionen Jahren) nach der örtlichen Geografie bezeichnet.[4] Die Profile wurden Sommer 1997 von Michael W. Rasser und Werner E. Piller neu aufgenommen, zugeordnet und teils neu benannt.[5]

  • Die Olching-Formation (auch Oichinger Schichten, Götzinger 1934),[6] (neu) benannt nach der Ortslage Kleinolching, zeigt eine Gesteinsschichtung aus Danium/Seelandium/oberes Thanetium (etwa vor 66–58 Mio. Jahren).[7][8]
  • Die Kroisbach-Subformation (Craniensandstein oder Gryphaeenbank, Gohrbrandt 1963), benannt nach dem Kroisbach, ist definiert durch eine Schichtung aus der Übergangszeit zwischen Paläozän und Eozän (Wende Thanetium/Ypresium, vor ca. 56 Mio. Jahre).[8][9]
  • Die Frauengrube-Subformation (Roterzschichten, Gübel 1861), benannt nach dem Geländeort oberhalb, oberstes Paläozon (Ypresium, 56–48 Mio. Jahre), die eine charakteristische Diskordanz (durch Erosion fehlende 3 Millionen Jahre) zur zwischen Frauengrube und Kroisbach datierten Fackelgraben-Subformation darstellt (Typlokalität östlich, bei Matzing am Obertrumer See).[10][11]

Die letzteren beiden gehören zur Kressenberg-Formation,[12] der der Olching-Formation folgenden Zeitstufe. Olching-/obere Kressenberg-Formation korrelieren mit Wangschichten/Fraxner Grünsand respektive Buntmergelserie (Ultrahelvetikum) im Bregenzerwald beziehungsweise Bruderndorfer Schichten resp. Waschbergformation der Waschbergzone des Weinviertels (alle nach Tollmann, 1985).[13]

Naturdenkmal Kroisbachgraben

Der Kroisbachgraben gilt als bedeutendes Geotop: „Man kann ohne Übertreibung behaupten, daß die Aufschlüsse im Kroisbach-Graben (jene der Olching-Formation) zu den fossilreichsten Vorkommen paleozäner Megafaunen nicht nur des alpin-mediterranen Raumes, sondern ganz Europas gehören.“ (H. Hagn)[14] An mehreren Stellen finden sich Ammoniten (Versteinerungen) aus dem Paläozän, die als die besterhaltenen in Mitteleuropa gelten.[8]

Ein Teil des Bachlaufs von einer oberen Sperre aufwärts sowie zwei kleine Geländestreifen am linken und rechten Ufer des Kroisbaches mit einer Gesamtfläche von knapp 0,19 ha[15] sind daher seit 12. Dezember 1973 als Naturdenkmal (NDM 00119 Kroisbach Graben)[8] ausgewiesen. Die Bedeutung der geschützten Stellen für die Wissenschaft wird mit „sehr hoch“ angegeben.[7][8][9]

Naturdenkmal Frauengrube

Noch einmal etwa 200 Meter taleinwärts, befindet sich rechterhand im Wald oberhalb, an der neuen Forststraße, ein weiteres Naturdenkmal, Frauengrube genannt (NDM 00257).[11] Die hier aufgeschlossende Diskordanz des obersten Eozän dürfte der letzte bekannte Aufschluss der Ostalpen sein.[10][11] Das Naturdenkmal wurde 2011 ausgewiesen.

Die Frauengrube ist eine Pinge des historischen Erzabbaugebietes,[16] gewonnen wurden hier neben Erz später auch Schleifsteine. Durch die Absenkung einer etwa 100 m langen und 15 m breiten Flyschscholle entstand eine Höhle. Ihr Ausmaß beträgt 52 × 40 m.[17] Sie beherbergt nun verschiedene feuchtigkeitsliebende Insekten, besonders Weberknechte, und wird von mehreren Fledermausarten bewohnt. Die mittlere Jahrestemperatur in der Höhle der Frauengrube beträgt 6,5 °C. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war geplant, sie für Besucher zugänglich zu machen, was jedoch aufgrund wiederholter Felsabbrüche scheiterte.

Literatur

  • W. Kuhn, K. F. Weidich: Neue mikropaläontologische Ergebnisse aus dem Paleozän des Haunsberg-Helvetikums (Salzburg, Österreich). In: Paläont. Z. Band 61, Heft 3/4. Stuttgart 1987, S. 181–201.
  • Michael W. Rasser, Werner E. Piller: Kroisbachgraben und Frauengrube: Lithostratigraphische Typuslokalitäten für das paläogene Helvetikum in Salzburg. In: Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt (Abh. Geol. B.-A.). Band 56/2. Wien 1999, ISBN 3-85316-007-7, S. 713–722 (landesmuseum.at [PDF; 2,9 MB]).
  • F. Traub: Zur Geologie und Stratigraphie der paläozänen Oichinger Schichten im Helvetikum des Haunsberges, nördlich von Salzburg, Österreich. In: Mitt. Bayer. Staatss. Paläont. hist. Geol. Nr. 30. München 1990, S. 137–147.
  • R. Vogeltanz: Sedimentologie und Paläogeographie eines eozänen Sublitorals im Helvetikum von Salzburg (Österreich). In: Verh. Geol. B.-A. Band 1970, Nr. 3. München 1970, S. 373–451.

Weiterführendes:

  • H. Hagn: Klassische und neue Aufschlüsse mit Faunen der Oberkreide und des Tertiärs in den östlichen Bayerischen Alpen und angrenzenden Gebieten. Unter Mitwirkung von D. Herm, O. Hölzl, H. Lühr, F. Traub, HL. Volk. In: Paläont. Z. Nr. 35. Stuttgart 1961, S. 146170.
  • H. Hagn (Hrsg.): Die Bayerischen Alpen und ihr Vorland in mikropaläontologischer Sicht (= Geol. Bavarica. Nr. 82). München 1981.
  • G. Moosleitner: Das Helvetikum bei Salzburg. In: W. K. Weidert (Hrsg.): Klassische Fundstellen der Paläontologie. Goldschneck Verlag, Korb 1988, S. 121–135.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Messung auf dem Geografischen Informationssystem des Landes Salzburg (SAGIS).
  2. Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch, bearbeitet von Ingo Reiffenstein und Leopold Ziller, hrsg. von der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1982 (ohne ISBN), S. 150.
  3. Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. 38. Aufl., mit Nachträgen von Ulrich Pretzel, Hirzel, Stuttgart 1992, ISBN 3-7776-0493-3, S. 115.
  4. Michael W. Rasser, Werner E. Piller: Lithostratigraphische Neugliederung im Paläogen des österreichisch-bayerischen Helvetikums. In: Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt. Band 56/2. Wien 1999, ISBN 3-85316-007-7, S. 699–712 (landesmuseum.at [PDF; 4,7 MB]).
  5. siehe Literatur, selber Band wie oben
  6. Österreichische Geologische Karte 1:200.000 (ÖGK200) Nr. 221, hellorange gepunktet
  7. 1 2 Rasser, Piller: Lithostratigraphische Neugliederung. 1999, 4.1. Olching-Formation, S. 703, Sp. 2 ff. (PDF, S. 5 ff.).
  8. 1 2 3 4 5 Kroisbach Graben im Naturschutzbuch des Landes Salzburg
  9. 1 2 Rasser, Piller: Lithostratigraphische Neugliederung. 1999, 4.2.1. Kroisbach-Subformation, S. 707, Sp. 2 ff.
  10. 1 2 Rasser, Piller: Lithostratigraphische Neugliederung. 1999, 4.2.3. Frauengrube-Subformation, S. 709, Sp. 1,2.
  11. 1 2 3 Frauengrube im Naturschutzbuch des Landes Salzburg
  12. ÖGK200 Nr. 220, dunkelorange
  13. vergl. Rasser, Piller: Lithostratigraphische Neugliederung. 1999, Tabelle 2 Lithostratigraphische Einheiten im Paläogen des österreichisch-bayerischen Helvetikums sowie der angrenzenden Gebiete im Westen (Bregenzer Wald) und Osten (Waschbergzone), S. 705 (PDF, S. 7).
  14. H. Hagn: Das Alttertiär der Bayerischen Alpen und ihres Vorlandes. In: Mitt. Bayer. Staatss. Paläont. hist. Geol. Nr. 7. München 1967, S. 270 (ganzer Artikel S. 245–320). Zitiert nach Rasser, Piller: Lithostratigraphische Neugliederung. 1999, 4.1. Olching-Formation, Punkt Fossilien, S. 706, Sp. 1 (PDF, S. 8).
  15. im Online-GIS SAGIS knapp 80 Meter abseits des Baches am Forstweg als Naturdenkmäler – Punkte verortet
  16. Lit. Rasser, Piller: Kroisbachgraben und Frauengrube. 1999, 3. Arbeitsgebiet und Lage der Profile, S. 715 (PDF, S. 3).
  17. Veronika Mayregg, Wolfgang Mayregg (Hrsgg.): Nußdorfer Geschichte und Geschichten. Eigenverlag Veronika Mayregg, [o. O.] 2002, S. 320, hier zit. n. Salzburger Höhlenbuch.
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