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vom 24.12.2017, aktuelle Version,

Kurt Possanner von Ehrenthal

Kurt Possanner von Ehrenthal (um 1928)

Kurt Siegfried Karl Possanner von Ehrenthal (* 5. Mai 1898 in Hall, Tirol; † 28. Februar 1933 an der deutsch-österreichischen Grenze, nach anderen Angaben am 15. März 1933 in Neu-Langerwisch bei Berlin[1]) war ein österreichischer Agent im Dienst des sowjetischen Geheimdienstes.

Leben und Tätigkeit

Possanner entstammte einem österreichischen Adelsgeschlecht. Sein Vater war der kaiserlich-königliche Bergrat Robert Possanner von Ehrenthal (* 3. September 1868 in Leoben; + 1. September 1933 in Innsbruck), seine Mutter die Maria Franziska Possanner von Ehrenthal, geb. Vogl (* 9. März 1871 in Liezen, Steiermark, 1910 in Ischlk).

In seiner Jugend trat Possanner von Ehrenthal in die K.-und-k.-Marine ein, aus der er 1919 als Seekadett ausschied. Am 16. Februar 1925 heiratete er Maria Magdalena Swoboda Edle von Fernow (* 27. Dezember 1895 in Innsbruck) eine Tochter des Viktor Edlen von Fernow und der der Maria Müller. Aus der Ehe ging eine Tochter, Marina, hervor.

1928 trat Possanner in Tirol der NSDAP bei. Später siedelte er nach München über. Seit 1931 war er als Selbstanbieter Agent der INO des NKWD in Deutschland. Als Abteilungsleiter in der Münchener Parteizentrale der NSDAP lieferte er vor allem Interna aus der Partei. Gleichzeitig versuchte er einen Geheimen Kanal zu Alfred Rosenberg aufzubauen.

Im April 1932 wurde er als angeblicher englischer Spion in Berlin verhaftet, musste jedoch aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen werden. Im Mai 1932 wurde er in München erneut festgenommen und aus Bayern ausgewiesen. Nachdem er für die INO-Spionage gegen die NSDAP unbrauchbar geworden war, soll er sich bemüht haben, für die Sowjets in Berlin Quellen aus Politik und Wirtschaft zu gewinnen, u.a. Adolf Hairowski.

Photo Possanners aus den Akten der GPU.

Einem sozialdemokratischen Zeitungsbericht von 1931 zufolge war Possanner bis in dieses Jahr im Braunen Haus als Vertrauensmann Heinrich Himmlers für nachrichtendienstliche Belange tätig wurde aber schließlich durch Josias von Waldeck-Pyrmont ersetzt, der ihn als einen Rivalen aus der Partei entfernen ließ. Anschließend habe er beim Arbeitsgericht München eine Klage gegen die NSDAP wegen unfristgemäßer Entlassung und Nichterhalt von ihm zustehender Bezahlung eingereicht.[2]

Im Februar 1933 wurde er laut dem Braunbuch über den Reichstagsbrand wegen unerwünschter politischer Tätigkeit verhaftet und beim Transport von Berlin an die österreichische Grenze erschossen. Nach anderen Angaben kam er außerhalb von Berlin zu Tode.

Über den Tod Possanners berichteten u.a. die Wiener Zeitung[3] und die New York Times.[4]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Genealogisches Handbuch des Adels, 2007, Bd. 140 der Gesamtreihe, S. 299.
  2. "Intimes aus dem Braunen Haus", Artikel aus: Münchener Post vom 29. November 1931, beim Institut für Zeitgeschichte: Sammlung Aronson, gesammelt als Bl. 13. Auch der Artikel "Die Tscheka im Braunen Haus. Geheimdienst und Mordlisten. Die Polizei hat gehaussucht", in: Vorwärts vom 28. November 1931 wusste dass die Leitung des "Geheimen Nachrichtendienst der SS" dem Prinzen Waldeck obliege, "neben dem noch ein Freiherr von Possana [sic!] beschäftigt wird."
  3. "Ein Österreicher erschossen", in: Wiener Zeitung vom 18. März 1933; "Die Erschießung eines Österreichers in Deutschland", in: Wiener Zeitung vom 19. März 1933
  4. "German Socialists Reported Tortured", in: New York Times vom 18. März 1933.