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vom 10.05.2018, aktuelle Version,

Liste der Adelsgeschlechter namens Kielmansegg

Kielmannsegg ist der Name dreier Adelsgeschlechter, die nicht miteinander stammverwandt sind. Während die ältere Familie aus Württemberg frühzeitig erloschen ist, vereinbarten die beiden jüngeren, welche aus Holstein und Westfalen stammen, bereits im 17. Jahrhundert einen Familienzusammenschluss und nehmen auch heraldisch aufeinander Bezug. Aufgrund eines Familienbeschlusses aus dem Jahre 1909 gilt Kielmansegg als alleinige Namensschreibweise. Zweige des holsteinischen Geschlechts bestehen gegenwärtig fort.

Geschichte

Württemberg

Wappen der württembergischen Kielmann von Kielmannsegg

Die älteste der drei Familien Kielmann stammt aus Göppingen, wo sie mit Ulrich Küelmann im Jahre 1461 zuerst urkundlich genannt wurde. Hans Kielmann, mutmaßlicher Sohn des Erstgenannten, wurde 1502 urkundlich genannt. Er soll den Adelsstand mit Prädikat von Kielmannseck erworben haben. Seinen drei Söhnen Andreas († 1589),[1] Johannes († 1591) und Bartholomaeus bestätigte Kaiser Rudolf II. am 2. Dezember 1604 einen Privilegbrief seines Vorgängers Maximilian II. vom 13. Februar 1568. Zuvor hatte er bereits am 27. November 1604 den Adel der Brüder vom 16. September 1578 bestätigt. Insbesondere obiger Andreas von Kielmannseck tat sich als kaiserlicher Hofquartiermeister, später als Oberst, Kommandant und Feldherr hervor. Er erwarb für die Familie 1578 auch Gut und Schloss Oberhöflein und 1585 Grundbesitz bei Langau. Johannes von Kielmannseck wurde herzoglich Württembergischer Leibarzt. Beide Brüder setzten den Stamm fort. 1594 kam Testorf, später auch Winnerstorf im Erzherzogtum Österreich an die Familie. Mit des Letztgenannten Enkelkindern ist diese Familie um 1700 erloschen.[2]

Holstein/Hannover

Wappen der Grafen von Kielmannsegg (1723)

Die holsteinische Familie Kielmansegg erscheint urkundlich zuerst mit Reymarus Kylemann aus Itzehoe, immatrikuliert 1492 an der Universität Rostock[3] Danach wurde Hinrick Kylemann, Erbherr auf Ottenbüttel, am 3. Mai 1528 in der Steuerliste im Reichsarchiv Kopenhagen genannt. Mit dem Ratsverwandten in Itzehoe Peter Kielmann beginnt schließlich um 1550 die durchgängige gesicherte Stammreihe des Geschlechts.

Der herzoglich Holstein-Gottorfsche Rat und Kanzler, Dr. jur. utr. Johann Adolf Kielmann (* 1612; † 1676), wurde vom Kaiser aufgrund seiner Verdienste um die Gründung der Universität Kiel am 10. Mai 1641 in Regensburg in den erblichen Adelsstand erhoben. Mit dem kaiserlichen Hofkammerrat Heinrich von Kielmansegg (* 1586; † 1659) aus Westfalen, inzwischen ansässig in Niederösterreich, vereinbarte er wohl im Anschluss an den Reichstag von Regensburg von 1640/41 den "Familienzusammenschluss". Am 6. März 1652 erfolgte die kaiserliche Verleihung des Prädikats von Kilemanseckh und eine Wappenmehrung, welche Elemente der nachstehenden westfälischen Familie aufnimmt. 1641 erhob Kaiser Ferdinand III. Johann Adolph Kielmann in den erblichen Freiherrenstand und erteilte den beiden Familien ein gemeinsames Wappen, 1652 wurde Kielmann in den persönlichen (nicht erblichen) Grafenstand erhoben. Er erwarb die vier adligen Güter Satrupholm, Oppendorf, Kronshagen und Bundesbüll und wurde deshalb 1662 zusammen mit seinen Söhnen in die schleswig-holsteinische Ritterschaft aufgenommen.

Am 8. Mai 1679 wurde seinen Söhnen in Laxenburg Hans Heinrich von Kielmansegg (* 1636; † 1686), Erbherr auf Quarnbek, Kronshagen und Marutendorf, Friedrich Christian von Kielmansegg (* 1639; † 1714) und Johann Adolf von Kielmansegg (* 1642; † 1711), verbunden mit der Anrede "Wohlgeboren" als auch einer neuerlichen Wappenmehrung der alte Reichsfreiherrnstand verliehen. Der älteste der Brüder erhielt zudem als königlich dänischer Landrat am 11. September 1680 das dänische Indigenat.

Die Brüder Georg Ludwig (* 1705; † 1785), Karl August und Ernst August, Söhne der Sophia Charlotte Freifrau von Kielmannsegg, geb. Gräfin von Platen Hallermund, einer unehelichen Tochter des Kurfürsten Ernst August von Hannover (1629–1698) und dessen jahrelanger Mätresse Gräfin Clara Elisabeth von Platen (1648–1700), wurden in Wien am 23. Februar 1723 mit der Anrede „Hoch- und Wohlgeboren“ und nochmaliger Wappenbesserung in den Reichsgrafenstand gehoben. Die kurfürstlich braunschweigisch-lüneburgische Anerkennung des Grafenstandes erhielten die Brüder am 14. Januar 1726 durch ihren „inoffiziellen“ Onkel Georg I. Georg Ludwig erwarb 1736 das lauenburgische Gut Gülzow, das bis 1930 im Besitz der Familie blieb und 1752 das Gut Seestermühe, das sich bis heute im Besitz der Familie befindet.

Auguste Charlotte von Kielmannsegge (* 1777; † 1863), Herrin auf Ober- und Niederpöring immatrikulierte sich am 20. April 1830 bei der Grafenklasse im Königreich Bayern.

Westfalen

Maria Candia in Wien

Die westfälische Familie Kielmannsegg beginnt ihre Stammreihe mit Johannes Kielmann († um 1540), Kaufmann in Hattingen. Sein Sohn, Conrad Khuelman, welcher ebenfalls in Hattingen sowie in Eisenberg Kaufmann war, erhielt am 14. Dezember 1567 in Wien einen kaiserlichen Wappenbrief. Die Enkel des Letztgenannten, die Brüder Heinrich, Arnold (Bürgermeister von Hattingen) und Georg Khielman wurden am 20. Januar 1610 in Wien zuzüglich einer Wappenbesserung in den Reichsadelsstand gehoben. Die beiden Zuletztgenannten erhielten am 2. Juni 1614 in Linz eine Wappenänderung. Dem kaiserlichen Rat Heinrich Khielman (* 1586; † 1659), Sohn des obigen Arnold, wurde am 10. Juni 1628 in Prag das Prädikat von Khielmanseckh verliehen. Am 9. März 1630 und am 14. Juli 1631 wurde er in den oberösterreichischen bzw. niederösterreichischen Ritterstand aufgenommen. Eine erneute Wappenmehrung kam 3. Oktober 1632 an ihn und seinen Bruder, den kaiserlichen Hofkriegsratsekretar Johann Baptist Kielman von Kielmansegg († 1641).[4] Heinrich von Kielmanseck, Frei- und Erbherr der Herrschaft Gföhl, wurde zudem in Prag am 12. Juli 1652 mit der Anrede Wohlgeboren in den Reichsfreiherrenstand gehoben.[5]

Hervorgetan haben sich auch der kaiserliche Oberst Heinrich Ulrich von Kielmansegg († 1682), welcher aus der Belagerung von Candia die noch heute in der Kirche St. Michael, Wien, befindliche Maria von Candia von dort mitbrachte,[6][7] oder dessen Sohn, der Vice-Hofjägermeister Heinrich Friedrich von Kielmansegge (* 1635; † 1708), welcher sich 1683 bei der Belagerung von Wien auszeichnete.[8]

Am 17. Oktober 1918 erhielt schließlich der k.u.k. Oberstleutnant Freiherr Maximilian von Kielmansegg den niederösterreichischen Herrenstand. Noch 1918 wurde selbiger in den k. u. k. Grafenstand gehoben. Von seinen Söhnen setzte der jüngere, Maximilian Elias Graf von Kielmansegg, Freiherr von Gföhl (1907–1984) den Mannesstamm fort. Die Familie besteht gegenwärtig fort.[9]

Angehörige

Holstein/Hannover

Graf Johann Adolph Kielmann von Kielmannsegg (1612–1676), Holstein-Gottorf'scher Kanzler

Literatur

  Commons: Kielmannsegg family  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Constantin von Wurzbach: Kielmansegge, Andreas von. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 11. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1864, S. 243 (Digitalisat).
  2. Familien-chronik der Herren, Freiherren und Grafen von Kielmansegg. 1872, S. 1–19
  3. Eintrag im Rostocker Matrikelportal
  4. Constantin von Wurzbach: Kielmansegge, Johann Baptist. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 11. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1864, S. 243 (Digitalisat).
  5. GHdA-Lex (1987) S. 218–220
  6. Constantin von Wurzbach: Kielmansegge, Heinrich Ulrich von. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 11. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1864, S. 243 (Digitalisat).
  7. Maria Candia im Wienwiki
  8. Constantin von Wurzbach: Kielmansegge, Heinrich Friedrich von. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 11. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1864, S. 243 (Digitalisat).
  9. Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser, Band XX, Band 153 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg/Lahn 2012, S. 266.
  10. SHBL 13, 262–265
  11. Constantin von Wurzbach: Kielmansegge, Alexander Georg August Graf. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 11. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1864, S. 242 (Digitalisat).