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vom 12.04.2018, aktuelle Version,

Lokalbahn Troppau–Grätz

Odbočka Moravice–Hradec nad Moravicí
Strecke der Lokalbahn Troppau–Grätz
Kursbuchstrecke (SŽDC): 315
Streckenlänge: 5,263 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 20 
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
von Opava východ (km 0)
2,697 Odbočka Moravice
nach Horní Benešov
6,519 Anschluss
6,632 Branka u Opavy früher Branka
6,694 Anschluss
7,950 Hradec nad Moravicí zastávka (1977–1996)[1]
Anschluss
7,950 Hradec nad Moravicí früher Grätz
8,211 (Streckenende)

Die Lokalbahn Troppau–Grätz (tschech.: Místní dráha Opava–Grätz) war eine staatlich garantierte Lokalbahn-Aktiengesellschaft im heutigen Tschechien. Die Strecke der Gesellschaft führte in Österreichisch-Schlesien von Opava (Troppau) nach Hradec nad Moravicí (Grätz). Die Gesellschaft hatte ihren Sitz in Troppau.

Geschichte

Am 13. August 1904 wurde „der Stadtgemeinde Troppau die erbetene Konzession zum Baue und Betriebe einer als normalspurige Lokalbahn auszuführenden Lokomotiveisenbahn von der Station Troppau der k.k. priv. Kaiser-Ferdinands-Nordbahn unter eventueller Mitbenützung einer Teilstrecke der Linie Troppau–Bennisch dieser Bahngesellschaft nach Grätz“ erteilt. Teil der Konzession war die Verpflichtung, den Bau der Strecke sofort zu beginnen und binnen zwei Jahren fertigzustellen.[2] Das überwiegend von der öffentlichen Hand gezeichnete Aktienkapital der Gesellschaft betrug insgesamt 585.000 Kronen. Die Aktien befanden sich im Besitz des österreichischen Staates, dem Herzogtum Schlesien, der Stadt Troppau sowie einiger lokaler Interessenten.[3] Am 28. Juni 1905 wurde die Strecke eröffnet.

Bahnhof Hradec nad Moravici (2012)

Den Betrieb führte die k.k. privilegierte Kaiser-Ferdinands-Nordbahn (KFNB) auf Rechnung der Lokalbahn Troppau–Grätz aus. Nach deren Verstaatlichung ging diese Aufgabe am 1. Januar 1907 an die k.k. Staatsbahnen (kkStB) über. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen die neugegründeten Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) die Betriebsführung von den kkStB.

Die Verstaatlichung und Auflösung des Unternehmens kam infolge der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Herbst 1938. Das Gesetz vom 2. August 1940 „betreffend die Übernahme von Eisenbahnen im Reichsgau Sudetenland und in den in die Reichsgaue Oberdonau und Niederdonau eingegliederten Teilen der sudendeutschen Gebiete auf das Reich“ regelte u. a. die Verstaatlichung von neun Lokalbahnen mit einer Gesamtlänge von 169,77 km, an denen der tschechoslowakische Staat bereits die Mehrheit der Aktienanteile besessen hatte.[4][5] Die Lokalbahn Troppau–Grätz gehörte fortan zum Netz der Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Oppeln. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam sie wieder zu den ČSD.

Die Strecke trägt heute die Nummer 315 und wird im Personenverkehr meist von Einzel-Triebwagen bedient.

Lokomotiven

Die betriebsführende KNFB beschaffte auf Rechnung der Lokalbahn Troppau–Grätz zwei dreifach gekuppelte Tenderlokomotiven mit den Nummern 956 und 957 von der Lokomotivfabrik Floridsdorf. Die kkStB ordnete sie 1907 mit den Betriebsnummern 197.42 und 197.43 in ihr Nummernschema ein. Die ČSD gab den Lokomotiven 1924 die neuen Nummern 310.139 und 310.140. Die 310.139 wurde 1936 ausgemustert, die 310.140 kam 1939 als 98 7731 noch zur Deutschen Reichsbahn. Ihr weiterer Verbleib ist unbekannt.[6][7] [8]

Literatur

  • Zdeněk Hudec u. a.: Atlas drah České republiky 2006–2007. 2. Auflage. Dopravní vydavatelství Malkus, Praha 2006, ISBN 80-87047-00-1.
  Commons: Railway line 315 (Czech Republic)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Koncepce dopravní infrastruktury Moravskoslezského kraje (PDF; 3,7 MB), Februar 2008, Seite 90
  2. Reichsgesetz für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder vom 24. August 1904
  3. http://www.geerkens.at/wpdetail.php?katalog=1&id=120
  4. Siegfried Bufe, Heribert Schröpfer: Eisenbahnen im Sudetenland. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1991, ISBN 3-922138-42-X, S. 54f
  5. Gesetz betreffend die Übernahme von Eisenbahnen im Reichsgau Sudetenland und in den in die Reichsgaue Oberdonau und Niederdonau eingegliederten Teilen der sudendeutschen Gebiete auf das Reich vom 2. August 1940
  6. Verzeichnis der Lokomotiven, Tender, Wasserwagen und Triebwagen der k.k. österreichischen Staatsbahnen und der vom Staate betriebenen Privatbahnen nach dem Stande vom 30. Juni 1917. Verlag der k.k. österreichischen Staatsbahnen, Wien 1918.
  7. Josef Motyčka: Encyklopedie železnice. Parní lokomotivy ČSD. Band 5. Nakladatelství Corona, Praha 2001, ISBN 80-86116-23-9, S. 23.
  8. Übersicht der KFNB IX auf www.pospichal.net