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vom 16.11.2017, aktuelle Version,

Louis Gabriel Marquis de Conflans

Gabriel Marquis de Conflans (* 1735; † 1789) war ein französischer Truppenführer und Lieutenant-général zur Zeit des Siebenjährigen Krieges.

Leben

Nach der verlorenen Schlacht bei Vellinghausen herrschte in Frankreich Uneinigkeit darüber, wie der Krieg gegen Preußen weitergeführt werden sollte. Während König Friedrich II. in Sachsen, Böhmen und Schlesien militärische Operationen durchführte, waren die westlichen Provinzen Preußens militärisch ungeschützt. Conflans, der seine Stellung erst im Frühjahr gekauft hatte,[1] fiel daraufhin mit einem von ihm geführten, etwa 1000 Mann starken Freikorps deutscher Hilfstruppen der französischen Armee vom 22. September brandschatzend in Ostfriesland ein, das erst seit 1744 ein Teil Preußens war. Noch am selben Tag wurde Leer besetzt, am 23. September Aurich und am 24. September Emden. Unmittelbar darauf forderte Conflans nach damaligem Kriegsbrauch Kontributionen. So sollte Leer sollte 150.000 (Silber-)Taler, Aurich binnen 24 Stunden 200.000 Taler sowie 30 Paar Stiefel und 400 Paar Schuhe, und Emden 30.000 (Gold-)Dukaten abliefern.[2] In Verhandlungen gelang es dem ersten preußischen Regierungspräsidenten von Ostfriesland in Aurich, Christoph Friedrich von Derschau, die Kontributionen für Aurich auf die Hälfte zu senken. Im Gegenzug sollte die andere Hälfte vom Amt Wittmund aufgebracht werden.

Conflans ließ anschließend seine Truppen ausschwärmen, um das Geld und Naturalleistungen für die Unterhaltung der Besatzungstruppen einzutreiben. Dabei stießen sie jedoch auf erbitterten Widerstand der Bauern, denen es gelang, die Truppen in die Flucht zu schlagen. Conflans wollte sich nach Emden zurückziehen. Auf dem Weg dorthin nahm er Derschau und den Amtmann Diedrich Stürenburg als Geiseln. Die Stadtwälle von Emden waren jedoch schon durch aufständische Bauern besetzt, so dass Conflans sich wieder nach Leer zurückziehen musste. Hier kam es bei Loga zu einer offenen Schlacht mit tödlichen Verlusten auf beiden Seiten. Weitere Erfolge der Aufständischen wie auch Veränderungen in der allgemeinen Kriegslage zwangen Conflans am 30. September zum Rückzug über die Ems. Insgesamt wird der von der Söldnertruppe angerichtete Schaden für Ostfriesland auf 358.557 Reichsthaler beziffert. Fast zwei Drittel dieser Summe, 226.096 Reichsthaler, entfielen auf die Evenburg und den Flecken Leer.

Literatur

  • Carl Renouard: Die Feldzüge von 1761 und 1762 (Geschichte des Krieges in Hannover, Hessen und Westfalen von 1757 bis 1763; Bd. 3). LTR-Verlag, Buchholz-Sprütze 1995, S. 428–434, ISBN 3-88706-367-8 (Nachdr. d. Ausg. Kassel 1864).
  • Dictionnaire de Biographie Francaise, Bd. 3, Paris 1939, Sp. 741–742.
  • Horst Carl: Okkupation und Regionalismus. Die preußischen Westprovinzen im Siebenjährigen Krieg (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abt. Universalgeschichte, 150): Verlag von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1344-6, S. 235–237.

Einzelnachweise

  1. Walter Deeters, Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Conflans, Louis Gabriel Marquis de, abgerufen am 14. August 2017 (PDF).
  2. Tjark Siefke Kunstreich, Biographisches Lexikon für Ostfriesland: DERSCHAU, Christoph Friedrich von, eingesehen am 25. Januar 2009.