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vom 05.12.2017, aktuelle Version,

Ludwig Wüst

Ludwig Wüst

Ludwig Wüst (* 1965 in Bayern) ist ein österreichischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Leben und Wirken

Wüst studierte Schauspiel und Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien. Er arbeitete als Theaterregisseur in Frankfurt, Berlin, an der Oper Leipzig und in Wien (u.a. Wiener Festwochen und Arthur Schnitzlers Traumnovelle im Hotel Orient).

Während seiner Zeit am Theater schrieb er auch selbst Stücke, wie etwa Erika Mann – Ich war ein sehr gebranntes Kind für die Wiener Festwochen, Ägyptische Finsternis, nach einem Text von Ingeborg Bachmann, das Wüst später zu einem Film verarbeitete, oder Zu jener Zeit, die Geschichte einer Frau, die den Auftrag bekommt den Erlöser zu gebären und beschließt das Kind abzutreiben. Die geplante Uraufführung am 24. Dezember 1996 führte zu einem Skandal und vorübergehendem Aufführungsverbot. Am darauffolgenden Tag konnte das Stück, nach Verhandlungen mit Kirche, Politik und dem Veranstalter, zur Uraufführung gebracht werden.

1998 nahm Ludwig Wüst als Darsteller bei der Uraufführung des 6-Tages-Spiels von Hermann Nitsch im Schloss Prinzendorf, Niederösterreich, teil.

Später wandte sich Wüst dem Film zu. Sein Langfilmdebüt KOMA erfolgte 2009 und erregte große mediale und künstlerische Aufmerksamkeit. Die filmische Sprache Wüsts wurde aufgrund ihres Realismus und ihrer Kompromisslosigkeit mit Michael Haneke, Ulrich Seidl oder den Dardenne-Brüdern verglichen.[1] Den mittellangen Spielfilm TAPE END (2011) drehte Wüst in einer einzigen Einstellung, 60 Minuten ohne Schnitt, wobei er während des Drehs selbst nicht anwesend war und die Schauspieler mit seinen Anleitungen alleine ließ.[2]

Das Internet als filmisches Medium spielt in Wüsts Werk eine besondere Rolle. So erfolgte bei KOMA parallel zum offiziellen Kinostart in Österreich eine europaweite Veröffentlichung als Video-on-Demand im Internet.[3] Bei seinem Kurzfilm PASOLINICODE02112011 ging Wüst mit der Uraufführung im Internet einen Schritt weiter. Am 2. November 2011, an Pier Paolo Pasolinis Todestag, wurde der Film auf seiner eigenen Website veröffentlicht. Erst danach folgten der Start auf Filmfestivals und die Präsentation als Videoinstallation in der Kunsthalle Wien.[4]

Der Film Das Haus meines Vaters wurde 2013 im 21er Haus, dem Museum der Kunst des 21. Jahrhunderts in Wien, erstmals vorgestellt,[5] die internationale Premiere feierte er beim Filmfestival in Karlovy Vary. Der Film ist einerseits ein eigenständiges Werk, andererseits ist er der Pilotfilm zur Heimatfilm-Trilogie.[6] Der zweite Film der Trilogie, Abschied, wurde nach der Uraufführung in Karlovy Vary im Jahr 2014 gemeinsam mit Das Haus meines Vaters im Österreichischen Filmmuseum vorgestellt. Das Finale der Trilogie, Heimatfilm, wurde 2016 in Graz auf der Diagonale uraufgeführt und ebenfalls im Filmmuseum präsentiert. Heimatfilm ist ein Episodenfilm, der mithilfe unterschiedlicher filmischer Medien von unterschiedlichen Lebensentwürfen, Generationen und der Suche nach Identität erzählt.[7]

Filmografie

Langspielfilm (Buch, Regie und Produzent):

  • 2009: KOMA
  • 2013: Das Haus meines Vaters
  • 2014: Abschied
  • 2015: (ohne titel)
  • 2016: Heimatfilm

Kurzfilme und mittellange Filme (Buch, Regie und Produzent):

  • 2002: Ägyptische Finsternis
  • 2005: Nahaufnahme
  • 2006: Zwei Frauen
  • 2011: TAPE END
  • 2012: PASOLINICODE02112011

Dokumentation (Regie und Produzent):

  • 2007: Bon Voyage

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. Stefan Grissemann: Alltagsabgrund. Profil, 22. Juni 2009
  2. Interview mit der Austrian Film Commission (abgerufen am 10. September 2011)
  3. Interview mit der Tageszeitung Die Presse (abgerufen am 28. Mai 2012)
  4. Bericht über die Ausstellung Der Standard, 25. März 2012 (abgerufen am 28. Mai 2012)
  5. Ludwig Wüsts Spielfilm-Experimente Der Standard, 3. April 2013 (abgerufen am 29. Mai 2013)
  6. Zwei Interviews mit Ludwig Wüst Movienerd.de, März 2013 (abgerufen am 29. Mai 2013)
  7. Dominik Kamalzadeh, Michael Pekler: Verschwunden, aber nicht verloren Der Standard, 11. März 2016 (abgerufen am 02. Jänner 2017)