Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast
vom 09.12.2019, aktuelle Version,

Ludwig Wüst

Ludwig Wüst, 2011

Ludwig Wüst (* 1965 in Bayern) ist ein österreichischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Leben und Wirken

Wüst studierte Schauspiel und Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien. Er arbeitete als Theaterregisseur in Frankfurt, Berlin, an der Oper Leipzig und in Wien (u. a. Wiener Festwochen und Arthur Schnitzlers Traumnovelle im Hotel Orient).

Während seiner Zeit am Theater schrieb er auch selbst Stücke, wie etwa Erika Mann – Ich war ein sehr gebranntes Kind für die Wiener Festwochen, Ägyptische Finsternis, nach einem Text von Ingeborg Bachmann, das Wüst später zu einem Film verarbeitete, oder Zu jener Zeit, die Geschichte einer Frau, die den Auftrag bekommt den Erlöser zu gebären und beschließt das Kind abzutreiben. Die geplante Uraufführung am 24. Dezember 1996 führte zu einem Skandal und vorübergehendem Aufführungsverbot. Am darauffolgenden Tag konnte das Stück, nach Verhandlungen mit Kirche, Politik und dem Veranstalter, zur Uraufführung gebracht werden.

1998 nahm Ludwig Wüst als Darsteller bei der Uraufführung des 6-Tages-Spiels von Hermann Nitsch im Schloss Prinzendorf, Niederösterreich, teil.

Später wandte sich Wüst dem Film zu. Sein Langfilmdebüt Koma erfolgte 2009 und erhielt zahlreiche gute Kritiken. Parallel zum offiziellen Kinostart in Österreich erfolgte eine europaweite Veröffentlichung als Video-on-Demand im Internet.[1] Die filmische Sprache Wüsts wurde aufgrund ihres Realismus und ihrer Kompromisslosigkeit mit Michael Haneke, Ulrich Seidl oder den Dardenne-Brüdern verglichen.[2]

Den mittellangen Spielfilm Tape End (2011) drehte Wüst in einer einzigen Einstellung, 60 Minuten ohne Schnitt, wobei er während des Drehs selbst nicht anwesend war und die Schauspieler mit seinen Anleitungen alleine ließ.[3]

Seinen Kurzfilm Pasolinnicode02112011 veröffentlichte Wüst am 2. November 2011, dem Todestag Pier Paolo Pasolinis Todestag, auf seiner eigenen Website. Danach folgten der Start auf Filmfestivals und die Präsentation als Videoinstallation in der Kunsthalle Wien.[4]

Der Film Das Haus meines Vaters wurde 2013 im 21er Haus, dem Museum der Kunst des 21. Jahrhunderts in Wien, erstmals vorgestellt,[5] die internationale Premiere feierte er beim Filmfestival in Karlovy Vary. Der Film ist einerseits ein eigenständiges Werk, andererseits ist er der Pilotfilm zur Heimatfilm-Trilogie.[6] Der zweite Film der Trilogie, Abschied, wurde nach der Uraufführung in Karlovy Vary im Jahr 2014 gemeinsam mit Das Haus meines Vaters im Österreichischen Filmmuseum vorgestellt. Das Finale der Trilogie, Heimatfilm, wurde 2016 in Graz auf der Diagonale uraufgeführt und ebenfalls im Filmmuseum präsentiert. Heimatfilm ist ein Episodenfilm, der mithilfe unterschiedlicher filmischer Medien von unterschiedlichen Lebensentwürfen, Generationen und der Suche nach Identität erzählt.[7]

Wüsts Aufbruch wurde 2018 bei der Berlinale im Forum uraufgeführt.[8]

Filmografie

Langspielfilm (Buch, Regie und Produzent):

  • 2009: Koma
  • 2013: Das Haus meines Vaters
  • 2014: Abschied
  • 2015: (ohne titel)
  • 2016: Heimatfilm
  • 2018: Aufbruch

Kurzfilme und mittellange Filme (Buch, Regie und Produzent):

  • 2002: Ägyptische Finsternis
  • 2005: Nahaufnahme
  • 2006: Zwei Frauen
  • 2011: Tape End
  • 2012: Pasolinicode02112011

Dokumentation (Regie und Produzent):

  • 2007: Bon Voyage

Auszeichnungen

  • 2009 Tamil Nadu International Filmfestival: „Bester Film“ für Koma

Werkschauen

Einzelnachweise

  1. Interview mit der Tageszeitung Die Presse (abgerufen am 28. Mai 2012)
  2. Stefan Grissemann: Alltagsabgrund. Profil, 22. Juni 2009
  3. Interview mit der Austrian Film Commission (Memento des Originals vom 11. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.afc.at (abgerufen am 10. September 2011)
  4. Bericht über die Ausstellung Der Standard, 25. März 2012 (abgerufen am 28. Mai 2012)
  5. Ludwig Wüsts Spielfilm-Experimente Der Standard, 3. April 2013 (abgerufen am 29. Mai 2013)
  6. Zwei Interviews mit Ludwig Wüst Movienerd.de, März 2013 (abgerufen am 29. Mai 2013)
  7. Dominik Kamalzadeh, Michael Pekler: Verschwunden, aber nicht verloren Der Standard, 11. März 2016 (abgerufen am 2. Jänner 2017)
  8. Presseabteilung Berlinale: Forum 2018: Im Reich der Perfektion – und anderswo, 18. Jänner 2018 (Memento des Originals vom 23. Januar 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlinale.de (abgerufen am 22. Jänner 2018)
  9. Die Teilchen im Gesamtkomplex. taz, 31. Jänner 2019. Abgerufen am 14. Februar 2019
  10. Diagonale 2019 eröffnet mit "Der Boden unter den Füßen". Die Presse, 31. Jänner 2019. Abgerufen am 14. Februar 2019