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vom 11.06.2020, aktuelle Version,

Lukas von Graben zum Stein

Wappen Lukas von Graben zum Stein

Lukas von Graben zum Stein (bis 1500 Lukas von Graben) († 1550 auf Schloss Stein) war ein kärntnerisch-görzischer Edelmann und hoher Militär der Görzer Grafen und der Habsburger. Er entstammte der Sommeregger Linie der Von Graben, deren Mitglieder zur Zeit der letzten Grafen von Görz wichtige Ämter innehatten, und durch deren Wirken auch die Renaissancekultur in Osttirol Einzug hielt.[1]

Leben

Familie

Lukas von Graben wurde als Sohn von des bedeutenden Edelmannes Virgil von Graben, Reichsverweser der Grafschaft Görz auf dem Familiensitz Burg Sommeregg geboren. Einer seiner Cousins war Ladislaus Prager, Erbmarschall von Kärnten und Kämmerer von Kaiser Friedrich III. Lukas von Graben war laut Bucelin mit einer Tochter des Georg Hellssen verehelicht,[2] mit der er drei Töchter und zwei Söhne hatte, welche die Herrschaft Stein erbten:[3]

  • Margaretha von Graben zum Stein, verehelicht mit Leopold Göstels von Mülbach (1542)
  • N von Graben zum Stein, heiratete N von Mauren
  • Catharina von Graben zum Stein, ehelichte 1540 Christoph Mühlsteuers in Flaschberg
  • Hans von Graben zum Stein d. Ä. († 1587/91), Herr von Stein
  • Georg von Graben zum Stein (genannt 1570; † 1595), Herr von Stein; verehelicht mit Kunigunde (geb. Von Gendorf, verwitwete Von Vasold) keine Nachkommen; Herr von Stein

Lukas von Graben könnte 1500 als Bauherr der Benefiziatkirche St. Michael in Lienz aufgetreten sein, was durch diverse Rechnungsbelege, auch an Bartlmä Firtaler, belegt ist. Die Kirche diente in weiterer folge als Begräbnisstätte der Herren von Graben in Lienz und auf Sommeregg.[4]

Erbe

Lukas von Graben erbte von seinem Vater die Heinfels (Burggrafen und Ritter), das Schloss Schwarzenegk am Karst (Črni Vrh in Slowenien), sowie die Herrschaft und das Schloss Stein im Drautal, welche ihm im Jahre 1500 durch den späteren Kaiser Maximilian I. mitsamt dem Namenszusatz Zum Stein zugesprochen wurde,[5] Stein ist bis in das Jahr 1668 in Familienbesitz geblieben.

Die bedeutende Herrschaft Sommeregg (Burggrafen und Herren von Sommeregg) ging der Familie Von Graben mittels Erbfall verloren. Sie ging an Lukas von Grabens Cousine Rosina von Graben von Rain und an die Freiherren von Rain zu Sommeregg über.

Karriere

Kampf um das Görzische Erbe

Als sich zum Ende des 15. Jahrhunderts der Tod des letzten Grafen von Görz, Leonhard, abzeichnete, kam es zwischen beiden Nachbarstaaten, der österreichischen Habsburgermonarchie und der Republik Venedig, zum Kampf um das Erbe.

Lukas von Graben wurde 1498 von seinem Vater Virgil mit der Befehlsgewalt über die Görzer Burghut, der Verteidigung der Haupt- und Residenzstadt Görz und deren Umland, ausgestattet. Die Venezianer versuchten Lukas von Graben für sich zu gewinnen, was dieser aber, auch aufgrund der strikten Richtlinien seines Vaters, ablehnte.[6] Das Angebot des Zehnerrates von Venedig war es Lukas von Graben zu ihrem Oberkommandierenden im Friaul zu ernennen. Da jedoch Virgil von Graben den Vertrag mit Venedig über die Nachfolge in der Grafschaft Görz beendigte, und mit Kaiser Maximilian verhandelte, kam diese Ernennung nicht mehr zustande.[7] Mit genauen Instruktionen des Vaters ausgestattet griff Lukas von Graben als Befehlshaber der görzischen Truppen in das Kriegsgeschehen mit der Republik Venedig ein. Da aber auch seine Versuche scheiterten, wurde 1500 das Friaul und die Stadt Görz den venezianischen Truppen übergeben.[8] Kurze Zeit später wurde Görz mit kaiserlichen Truppen für Maximilian von Österreich zurückgewonnen.

Nach dem Görzer Erbfall zugunsten Habsburgs sahen die Venezianer ihren Misserfolg einzig in der Handlungsweise der Herren Virgil und Lukas von Graben. Lukas von Graben sowie auch sein Vater wurden, gemessen an ihren immensen Verdiensten, bescheiden belohnt.[9]

In kaiserlichen Diensten

Im Jahr 1500 überreichte Kaiser Maximilian seinem „getreuen, lieben“ Lukas von Graben „aus sondern gnaden vnd vmb sein, auch seines vatters getrewen verdienen willen vnns lanng zeit heer vnd besonnder yecz in eroberung der Lanndtschafft, so vns von weylend Lienharten Grauen zu Görcz zuegestanden, bewysen“, das „Sloss Stain“ samt Zugehör, das der Herrscher „von newen dingen zu lehen gemacht“, zu Lehen.[10] Durch die Belehnung mit Stein erfolgte auch der neue Geschlechtername seiner Linie, der Von Graben zum Stein. Die Burg selbst konnte er in weiterer Folge geräumiger ausstatten. Auch wurde Von Graben zum Stein durch den Kaiser mit dem landesfürstlichen Lehen Burg Weidenburg belehnt, welches aber sein Sohn Hans von Graben zum Stein 1545 an Sigmund Khevenhüller zu Aichelberg veräußerte.[11]

Im Jahre 1507, nach dem Tod seines Vaters, erbte Lukas von Graben zum Stein die damals von Graf Leonhard von Görz an diesen verpfändete Herrschaft Heinfels. Aber schon am 24. Februar 1508 wurde er aufgefordert, Schloss, Gericht und Amt Heinfels mit allen Zugehörungen dem Brixner Fürstbischof Melchior von Meckau abzutreten; gleichzeitig wurden alle Untertanen zum Gehorsam gegenüber dem Fürstbischof aufgefordert.[12]

Im Venezianerkrieg von 1508 gehörte Von Graben zum Stein unter dem Obersten Kommissar Erich I. von Braunschweig-Lüneburg als Oberster Proviantmeister zur Lienzer Kriegskammer.[13][14]

Lukas von Graben zum Stein stand zeitlebens in der Gunst Kaiser Maximilians, so verlangte jener am 25. Oktober 1514 in seiner Instruktion an die Krainer Räte und die Kommissäre der Landstände Krains, dass unter anderem „Unser getreuer lieber Lucas von Grabn zum Stain bei Traberg mit 500 Knechten aus Unser Grafschaft Tirol“ zur Verstärkung der Abwehr gegen die Republik Venedig zu entsenden sei.

Trivia

Der mit „Innsbruck, 12. Januar 1507“ von Kaiser Maximilian I. ausgestellte Lehenbrief auf Pergament für Lukas von Graben, beinhaltet die Verleihung von vier Almen in den Kärntner Herrschaften Goldenstein und Weidenburg, beiderseits der Gail zwischen Kötschach und Hermagor gelegen. Der Lehensbrief befindet sich in gutem Zustand, seine Faltung ist teilweise geglättet, mit fachmännisch hinterlegten kleinen Faltbruchstellen. Die Plica ist beschnitten. Das kleine Handzeichen („per regem per se“) und Kontrasignaturen wurden durch Blasius Höltzl und Jakob Villinger geschaffen.[15]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Meinrad Pizzinini: Osttirol: Der Bezirk Lienz: seine Kunstwerke, hist. Lebens- u. Siedlungsformen (1974) S. 78
  2. Germania topo-chrono-stemmato-graphica sacra et prophan, S. 13; von Gabriel Bucelin. Ulm 1662
  3. Google books: Kärntner Burgenkunde: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. S. 142
  4. Stadt Lienz. Ein kulturhistorischer Stadtrundgang (Memento des Originals vom 24. Dezember 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lienz-hat-es.at
  5. Schloss Stein
  6. Hermann Wiesflecker: Die Grafschaft Görz und die Herrschaft Lienz, ihre Entwicklung und ihr Erbfall an Österreich (1500). S. 142
  7. Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 56
  8. Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Bände 78-79
  9. Hermann Wiesflecker: Die Grafschaft Görz und die Herrschaft Lienz, ihre Entwicklung und ihr Erbfall an Österreich (1500). S. 142, 144
  10. Carinthia I., Bände 163-165
  11. Google: Geschichtsverein für Kärnten. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie, Band 78 (1997)
  12. Geschichte der Burg Heinfels (Memento vom 23. November 2012 im Webarchiv archive.today)
  13. Instruktion Maximilians I. vom 3. oder 5. März 1508; Justin Göbler (Hrsg.): Chronica der Kriegßhändel des … Keyers und Fürsten weyland Herrn Maximiliani des Namens der Erst … Egenolf, Frankfurt am Main 1566, Bl. ii–iiii (Google-Books); Josef Chmel (Bearb.): Urkunden, Briefe und Actenstücke zur Geschichte Maximilians I. und seiner Zeit. (Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart 10). Literarischer Verein, Stuttgart 1845, Nr. CCXXI, S. 290–295 (Google-Books).
  14. Gerhard Kurzmann: Kaiser Maximilian I. und das Kriegswesen der österreichischen Länder und des Reiches. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1985, S. 58 Anm. 71.
  15. Lehensbrief. Lateinische Urkunde auf Pergament. Maximilian I., Römisch-deutscher Kaiser (1459-1519).