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vom 26.11.2017, aktuelle Version,

Maier-Messner-Caldonazzi

Die Gruppe Maier-Messner-Caldonazzi (auch Gruppe Maier-Messner) war eine Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime.

Überblick

Der Wiener Kaplan Heinrich Maier engagierte sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Aus seiner Überzeugung heraus, dem katholischen Glauben und dem österreichischen Patriotismus, war er ein Widerstandskämpfer, der letztlich auch militante Mittel zur Niederschlagung des NS-Regimes nicht ausschloss. Zusammen mit dem Tiroler Widerstandskämpfer Walter Caldonazzi und Franz Josef Messner, dem Generaldirektor der Semperit-Werke, gründete er die Widerstandsgruppe „Maier-Messner-Caldonazzi“. Teil dieser Gruppe war auch die Pianistin Barbara Issakides.[1]

Ziel der Gruppe war es, schnellstmöglich das Ende des Schreckensregimes durch eine militärische Niederlage herbeizuführen und die Wiedererrichtung eines freien und demokratischen Österreichs zu realisieren. Die Gruppe kümmerte sich u.a. um die Sammlung und Weitergabe von Informationen über Standorte, Beschäftigte und Produktionen von NS-Rüstungsbetrieben an die Alliierten. Diese Informationen für gezielte Bombenangriffe der Alliierten wurde teils über Mittelsmänner in der Schweiz an Briten und Amerikaner weitergeleitet.[2] Zur Strategie der Gruppe gab Heinrich Maier im Verhör vom 27. April 1944 an, durch Informationen über die "Rüstungsbetriebe in der Ostmark" habe er gehofft, weitere Luftangriffe auf österreichische Städte zu verhindern und "dass dadurch die anderen Industrien, die wir nach dem Kriege unbedingt brauchten, sowie die Zivilbevölkerung verschont blieben. (...) Kurz darauf habe ich den Dr. Messner mit meinem Plan vertraut gemacht und mich mit ihm darüber unterhalten, welche Rüstungszentren wir den Feindmächten preisgeben wollten. Wir fassten dabei die Rüstungsbetriebe in Steyr sowie glaublich auch Wiener Neudorf und Wiener Neustadt ins Auge."[2]

Über die Beziehungen Maiers zum Wiener Stadtkommandanten, dem Österreicher Heinrich Stümpfl, konnten die exakten Zeichnungen der V-2-Rakete, die Produktion des Tigerpanzers und Anderes weitergegeben werden.[3] So gelangten bald genaue Lageskizzen und Produktionsziffern von Stahlwerken, Waffen-, Kugellager- und Flugzeugfabriken an alliierte Generalstäbe. Amerikanische und britische Bomber konnten so der geheimen V-Raketenfabrik in Peenemünde und den Messerschmidt-Werken bei Wien Schläge versetzten. Messner lieferte aus seinem Semperit-Werk bei Auschwitz erste Informationen über den Massenmord an Juden - eine Nachricht, deren Ungeheuerlichkeit bei den Amerikanern in Zürich ungläubiges Staunen erregte.[4] Das Vorhaben der Widerstandsgruppe Maier-Messner-Caldonazzi, eine amerikanische Sendeanlage des „Office of Strategic Services“ (OSS) von Liechtenstein nach Österreich zu bringen, scheiterte jedoch.

Die Gruppe wurde nach und nach zerschlagen, es wurden in den Volksgerichtsverhandlungen am 27. und 28. Oktober 1944 insgesamt acht Todesurteile gegen Heinrich Maier, Walter Caldonazzi, Franz Josef Messner, Andreas Hofer, Josef Wyhnal, Hermann Klepell, Wilhelm Ritsch und Clemens Pausinger verhängt mit dem Urteil

  • Vorbereitung zum Hochverrat durch Beteiligung an einem separatistischen Zusammenschluss,
  • Begünstigung der Feinde des Reiches,
  • Flugblätter hergestellt und verbreitet zu haben,
  • Kontaktaufnahme mit dem Ausland und Preisgabe von lohnenden Bombenzielen (Rüstungswerke),
  • Wehrdienstpflichtige durch Besorgung und Verabreichung fiebererzeugender Mittel untauglich gemacht zu haben.

Caldonazzi wurde im Jänner 1945 im Landesgericht Wien enthauptet und Messner im April 1945 im KZ Mauthausen in der Gaskammer ermordet. Heinrich Maier wurde am 28. März 1944 von der Gestapo in seiner Pfarre in der Sakristei der Pfarrkirche Gersthof nach der heiligen Messe verhaftet und in das Gefängnis am Morzinplatz verbracht, anschließend in das KZ Mauthausen. Unter Folter wurden weitere Geständnisse erpresst. Kaplan Heinrich Maier wurde im Wiener Landgericht am 22. März 1945, dem letzten Hinrichtungstag vor dem Einmarsch der Roten Armee in Wien, enthauptet.

Literatur

  • Farben tragen - Farbe bekennen, 1938 - 1945, Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Österreichischer Verein für Studentengeschichte, Wien 1988, S. 106/07 und S. 133.

Einzelnachweise

  1. Ein mutiges Trio: Barbara Issakides, Franz Josef Messner, Kaplan Heinrich Maier. ORF, 29. Oktober 2015, abgerufen am 5. August 2017.
  2. 1 2 Andrea Hurton, Hans Schafranek: Im Netz der Verräter. In: derStandard.at. 4. Juni 2010, abgerufen am 3. August 2017.
  3. Peter Broucek: Militärischer Widerstand: Studien zur österreichischen Staatsgesinnung und NS-Abwehr. Böhlau Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-205-77728-1, S. 163 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Hansjakob Stehle: Die Spione aus dem Pfarrhaus. Die Zeit, 5. Januar 1996, abgerufen am 5. August 2017.