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vom 23.02.2017, aktuelle Version,

Maria Ley

Maria Ley (* 1. August 1898 in Wien als Friederike Flora Czada; † 14. Oktober 1999 in New York City) war Tänzerin, Choreografin, Regisseurin und Dozentin für Tanz.

Leben

Maria Ley war die Tochter des aus Ungarn stammenden Wiener Stadtbaumeisters Edmund von Czada (1861–1920)[1] und der böhmischen Pianistin Frederike Brunswick de Corrompa (geb. Schuldes, 1876–1916) aus Bodenbach. Maria Ley erhielt in Wien eine Ausbildung als Tänzerin im Stil der Fanny Elßler. In den 1920er Jahren trat sie in Wien, Paris, an der Côte d’Azur, in Berlin und in den Vereinigten Staaten auf. Zwischen 1924 und 1929 arbeitete sie mit Max Reinhardt zusammen. Sie promovierte 1934 an der Pariser Sorbonne und war Verfasserin von Gedichten, Romanen und Theaterstücken.

Ley war drei Mal verheiratet, in erster Ehe in den frühen 1920er Jahren mit dem aus Tschechien stammenden österreichischen Offizier Robert Emanuel Bauer, in zweiter Ehe ab April 1928 mit Frank Gerhard Deutsch (1899–1934), dem Sohn des Industriellen und Mitbegründers der AEG Felix Deutsch und der Lilly Kahn aus Berlin. Ihre dritte Ehe ging sie im April 1937 in Neuilly-sur-Seine mit dem deutschen Regisseur und Vertreter des politischen Theaters Erwin Piscator (1893–1966) ein.

Nach der Emigration in die Vereinigten Staaten zum Jahreswechsel 1938/39 war sie Professorin an der New Yorker New School for Social Research. Mit Erwin Piscator gründete sie 1940 an der New School den Dramatic Workshop; Schüler waren unter anderem Harry Belafonte, Tony Curtis, Marlon Brando, Tony Randall und Walter Matthau. Nach Piscators Fortgang aus den Vereinigten Staaten 1951 übernahm sie zeitweilig die Leitung des Workshops und war noch in hohem Alter als Gastdozentin an mehreren US-Hochschulen tätig.

Aus persönlichen und beruflichen Gründen folgte sie ihrem Mann in den 1950er Jahren nicht nach Deutschland, blieb aber zeit seines Lebens eng mit ihm verbunden und besuchte ihn regelmäßig. In Erinnerung an Erwin Piscator unterhielt sie in den 1970er und 1980er Jahren in New York eine „Piscator Foundation“ und stiftete 1986 den „Erwin Piscator Award“.

Veröffentlichungen

  • Maria Ley: Das tanzende Ich. C. Konegen, Wien 1924.
  • Maria Ley-Deutsch: Le Gueux chez Victor Hugo. Droz, Paris 1936 (Bibliothèque de la Fondation Victor Hugo; 4).
  • Maria Ley-Piscator: Lot’s Wife. Bobbs-Merrill, Indianapolis 1954 [in hebräischer Übersetzung 1956; in spanischer Übersetzung 1958].
  • Maria Ley-Piscator: The Piscator Experiment. The Political Theatre. James H. Heineman, New York 1967 (3. Auflage 1979).
  • Maria Piscator, Jean-Michel Palmier: Piscator et le Théâtre Politique. Avec 8 planches hors texte. Payot, Paris 1983.
  • Maria Ley-Piscator: Der Tanz im Spiegel. Mein Leben mit Erwin Piscator. Wunderlich, Reinbek bei Hamburg 1989.

Fernsehbeiträge

  • Gero von Boehm: Wortwechsel. Pas de deux der Künste. Gero von Boehm interviewt Maria Ley Piscator. Südwestfunk 1988 (Südwest 3-Premiere: 1. Juli 1988).
  • Helmar Harald Fischer: Tanzendes Ich – Maria Ley-Piscators Leben und Vermächtnis. Sender Freies Berlin 1997 (90 Min.).
  • Rosa von Praunheim: Dolly, Lotte und Maria – Rosa von Praunheim besucht drei deutsche Damen in New York. Norddeutscher Rundfunk 1986/87 (ARD-Premiere: 16. Februar 1987).

Literatur

  • Peter Diezel: Bleisoldaten und ein weithin unbekanntes Stück Maria Ley-Piscators: Der Riese von Flandern. In: Klaus Siebenhaar (Hrsg.): „Die Sprache der Bilder“. Hermann Haarmann zum 60. Geburtstag. B & S Siebenhaar, Berlin 2006, S. 87–100.
  • Helmar Harald Fischer: Gedemütigt, entmündigt und enterbt. Die skandalöse Geschichte von Maria Ley, der Witwe des großen deutschen Regisseurs Erwin Piscator. In: Frankfurter Rundschau, 27. November 1993.
  • Henry Marx (Hrsg.): Erwin Piscator. Briefe aus Deutschland. 1951–66. An Maria Ley-Piscator. Mitarbeit Richard Weber. Prometh, Köln 1983.
  • Detlef Friedrich: Ausdauernde Pirouette. Maria Ley Piscator wird in New York hundert Jahre alt. In: Berliner Zeitung, 1. August 1998

Einzelnachweise

  1. Czada war gemeinsam mit seinem Bruder, dem Architekten Franz Czada, Erbauer des Frauenbades (1894) im Central-Bad sowie mit seinem Partner Barak Bauleiter der Volksbühne 1912, des heutigen Renaissance-Theaters (Theater der Jugend) in der Neubaugasse.