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vom 12.10.2017, aktuelle Version,

Maria Reinhard

Maria Reinhard etwa 1895

Maria Theresia Reinhard (* 13. März 1871 in Wien; † 18. März 1899 ebenda) (auch Marie Reinhard, Rufname ,Mizi') war eine österreichische Gesangslehrerin und Schauspielerin. Von 1894 bis zu ihrem Tod war sie in einer Beziehung mit Arthur Schnitzler, der Elemente dieser Beziehung in seinen literarischen Werken verarbeitete.

Leben

Maria Reinhard wurde als drittes von vier Kindern des Beamten Karl Reinhard und seiner Frau Therese Riss, Tochter des Neulerchenfelder Viehhändlers Johann Riss, geboren. Der Vater wechselte 1874 aus dem Staatsdienst in die private Wirtschaft und stieg über die Position des Prokuristen der Neuberg-Mariazeller Gewerkschaft[1] zum Stellvertretenden Generalsekretär der Österreichischen Alpinen Montangesellschaft[2] auf. Die Familie übersiedelte aus der Wiener Vorstadt in die Innere Stadt um und schließlich in die Nachbarschaft von Hofburg und Oper. Aus Maria Reinhards Kindheit und Jugend und insbesondere über die Schulbildung ist wenig bekannt. Sie war in der Lage, englische und französische Bücher zu lesen, und erwähnt unter ihrer Lektüre feministische Literatur.[3] Eine Verlobung mit siebzehn oder achtzehn Jahren wird nach drei Jahren gelöst. In Folge verfiel sie in Depressionen und für längere Zeit in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht.[4] 1896 dürfte sie eine Schauspielausbildung begonnen haben, um sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen zu können[5]. Am 18. März 1899 starb sie in Wien, offiziell an einem Blinddarmdurchbruch. Am 20. März wurde sie auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Am 25. Juli 2014 erklärt die Stadt Wien das Grab (Gruppe 71 B Reihe 20, Nr. 68) zum Historischen Grab und zur Stätte der Erinnerung und übernimmt seine Pflege auf Friedhofsdauer.[6]

Maria Reinhard um 1898

Beziehung zu Arthur Schnitzler

Im Juli 1894 konsultierte sie Schnitzlers Praxis[7] in Folge entwickelte sich daraus eine Liebesbeziehung. Während sie von einer Heirat ausgegangen sein dürfte[8], lässt sich bei Schnitzler keine diesbezügliche Absicht nachweisen [9], auch eine Schwangerschaft im Frühjahr 1897 änderte daran nichts. Das Kind kam am 24. September als Totgeburt in Mauer bei Wien auf die Welt.[10] Im Februar 1899 kam es zu einer neuerlichen Schwangerschaft.[11] Im März 1899 starb sie, wie Schnitzler am 25. Mai 1903 gegenüber Marias Reinhards Schwester, Karoline Burger, „an einer durch kein Anzeichen vorhervermutheten App.“[12] (Blinddarmentzündung). Die behandelnden Ärzte waren Julius Schnitzler und Ludwig Mandl[13], Arthur Schnitzlers Bruder und Vetter. Schnitzler übernahm die Beerdigungskosten. Dass Schnitzler ihr Tod nahe ging, kann in dem mehrwöchigen Aussetzen der Tagebucheinträge, aber auch aus Briefen und dem bleibenden Umgang mit der Familie Reinhard geschlossen werden.

Theorien

2014 veröffentlichte der Privatgelehrte Dr. Rolf-Peter Lacher[14] in seiner ersten Veröffentlichung zu Schnitzler eine Studie über dessen Liebesbeziehungen. Darin wertete er Archivdokumente im Nachlass Schnitzlers im Deutschen Literaturarchiv Marbach und historische Dokumente aus. Er kam zu der Schlussfolgerung, Reinhard wäre an einer illegal durchgeführten Abtreibung gestorben, trauriger Höhepunkt mehrjähriger Grausamkeit und Quälereien des Autors.[15] Seine Argumentation ist dabei trotz Quellenstudiums nicht stichhaltig; häufig verunklären Schlussfolgerungen, die zwar möglich sind, aber nicht zwingend, seine Beweisführung. Von der akademischen Schnitzlerforschung blieb das Buch bislang unberücksichtigt oder wurde abschlägig beurteilt.[16][17] Von „fachfremden“ Rezensenten erhielt er hingegen wertschätzende Rezensionen.[18]

In diesem Wikipedia-Artikel über Maria Reinhard selbst wurde die Theorie vertreten, das totgeborene Kind könnte überlebt haben.[19]

Maria Reinhards Grab

Literatur

Von Arthur Schnitzler

  • Arthur Schnitzler: Arthur Schnitzler an Marie Reinhard (1896), Modern Austrian Literature, Bd. 10, Nr. 3/4, S. 23–68, 1977.
  • Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. hg. v. Nickl, Therese u. Schnitzler, Heinrich, Frankfurt a. M., 1981.
  • Arthur Schnitzler' Tagebuch 1879–1931. unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik, Konstanze Fliedl und Reinhard Urbach hg. v. Werner Welzig, Wien 1987–2000.
  • Arthur Schnitzler: Jugend in Wien. Hg. v. Therese Nickl und Heinrich Schnitzler. Vorwort von Friedrich Torberg. Wien, München, Zürich: Molden 1968.
  • Arthur Schnitzler: Das Traumtagebuch 1875–1931. hg. v. Peter Michael Braunwarth und Leo A. Lensing, Göttingen 2012.

Über Maria Reinhard

  • Rolf-Peter Lacher: Der Mensch ist eine Bestie: Anna Heeger, Maria Chlum, Maria Reinhard und Arthur Schnitzler. Königshausen & Neumann, Würzburg 2014.
  • Neuberg-Mariazeller Gewerkschaft:
  • Österreichischen Alpinen Montan-Gesellschaft:
  • Anzeige in der Neuen Freien Presse:

Einzelnachweise

  1. Titel: Hedwig Dohm: Sibilla Dalmar, 1896. George Moore: Esther Waters, 1894. George Egerton: Discords, 1894. Bracco, Roberto, Untreu, übersetzt v. Otto Eisenschütz, Berlin o. J.
  2. Schnitzler, Tagebuch 1893–1902, 18. Oktober 1894 und 29. Januar 1896
  3. Schnitzler, Tagebuch 1893-1902, 13. Oktober 1896
  4. Eintrag v. 11. 8. 2014 https://www.facebook.com/eMUVS/
  5. Arthur Schnitzler, Tagebuch 1893–1902, 13. März 1895. Er verspottet sie als Märzgefallene, weil es im März 1895 zum ersten Geschlechtsverkehr kam.
  6. Im Geburts- und Taufbuch der Pfarre St. Erhard in Mauer wird eingetragen: "24. September 1897 Hauptstr. 68 totgeb. Kind Mutter Maria Reinhard, ledig, kath. (angeblich) Geburtsarzt Dr. Kühne" Auf dem Totenbeschauzettel vermerkt Dr. Kühne als Todesursache: "Steißgeburt, Atelectase."
  7. Schnitzler, Tagebuch 1893-1902, 2. Februar 1899
  8. Arthur Schnitzler, Tagebuch 1903–1908, 25. Mai 1903
  9. Fritz, Heidrun, Personalbibliographie von Professoren und Dozenten der I. und II. Universitätsfrauenklinik und der III. geburtshilflichen Klinik in Wien im ungefähren Zeitraum 1875-1905, Diss. Erlangen-Nürnberg 1971
  10. Bislang war nur seine Dissertation publiziert: Rolf-Peter Lacher: Die integumentale Methode in mittelhochdeutscher Epik. Frankfurt am Main u.a. 1988. Vgl. Peil, Dietmar (1994): Rezension von: Rolf-Peter Lacher: Die integumentale Methode in mittelhochdeutscher Epik, Frankfurt am Main u.a. 1988. In: Germanisch-romanische Monatsschrift : GRM, Vol. 44: S. 471–475
  11. (Quelle)
  12. Reinhard Urbach: Die Dichter lügen. 26. Juni 2015, abgerufen am 13. Oktober 2016.
  13. Müller, Martin Anton: Neuerscheinungen zu Arthur Schnitzler. In: Studia Austriaca. Band 24, 2016, S. 95108 (unimi.it).
  14. http://www.krejsa-macmanus.eu/index.php?id=145/
  15. Neben der finanziellen Unterstützung, die Schnitzler der Familie Reinhard auch später zukommen ließ, dient diese nicht überprüfbare Aussage als „Beleg“: „Einen weiteren Hinweis liefert die heutige Bewohnerin des Hauses in Mauer. Ihre Vorfahren hatten das Haus kurz nach Maria Reinhards Niederkunft gekauft. Im Mai des Jahres 1950 oder 1951 sei eine alte Dame zusammen mit einem etwa fünfzig Jahre alten Herrn zu ihrer Familie gekommen und habe darum gebeten, das Haus und den Garten noch einmal sehen zu dürfen. Sie wolle ihrem Begleiter zeigen, wo er geboren sei. Sein Vater sei Arzt gewesen.“