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vom 15.02.2016, aktuelle Version,

Marianne Eggersberg

Marianne Naaf-Eggersberg (* 30. Januar 1852 in Kaaden in Böhmen als Maria Anna Peinl; † Mai 1938 in Wien) war eine böhmisch-österreichische Dichterin, Schriftstellerin und Herausgeberin.

Leben

Marianne Naaf-Eggersberg wurde 1852 als Maria Anna Peinl in Kaaden, heute Kadaň, geboren. Ihre Eltern waren der bürgerliche Metzgermeister Aloys Karl Peinl (1822–1872) und Johanna Theresia geb. Tobisch (1820–?). Die Mutter wurde in Sporitz bei Komotau geboren und entstammt der böhmischen Bauern- und Gelehrtenfamilie Tobisch. Der Erzdechant Franz Wenzl Tobisch in Teplitz und der königlich preußische Professor Johann Karl Tobisch in Breslau waren Brüder ihres Vaters. Der Vizepräsident des Oberlandesgerichtes Eduard Tobisch in Brüx war ihr Vetter.

Noch während ihrer Schulzeit auf der Bürgerschule in Kaaden schrieb sie die ersten Gedichte und Kurzgeschichten. Im Alter von 17 Jahren heiratete Maria Anna Peinl am 18. September 1869 den wohlhabenden Kaufmann Franz Xaver Rippaus (1835–1909). Er war Gründer und langjähriger Inhaber des renommierten Großhandelhauses F. Rippaus & Neffe mit Sitz in Kaaden. 1876 ließ er für sich und seine Frau am Ringplatz in Kaaden ein Stadtpalais in direkter Nähe zum Rathaus errichten. Ihr Ehemann war lange Jahre Stadtrat und Präsident der Aktien-Zuckerfabrik. Die Ehe der Eheleute Rippaus blieb kinderlos.

Palais der Eheleute Rippaus in Kaaden, erbaut 1876

In den Folgejahren gab sie die ersten Gedichte und Erzählungen heraus. Seit 1881 schrieb sie unter dem Pseudonym Marianne Eggersberg (auch Marianne von Eggersberg) für die Kultur- und Musikzeitung Die Lyra. Ihre lyrischen Werke erschienen in mehreren Sammelbänden und wurden vertont. Mit dem Herausgeber und Redakteur Anton August Naaf (1850–1918) verband sie eine sehr enge Freundschaft. 1894 veröffentlichte sie im Teplitz-Schönauer Anzeiger einen elfteiligen Bericht über ihren Großonkel, Erzdechant Franz Wenzl Tobisch.

Um 1908 übersiedelte sie, von ihrem Ehemann entfremdet, von Kaaden nach Wien und wohnte mit Naaf in dessen Anwesen in der Herbeckstraße. Zu ihren Gästen zählten Marie von Ebner-Eschenbach, Carola Bruch-Sinn und Guido von List. Nach dem Tod ihres Ehemannes Franz Rippaus im Jahre 1909 heirateten Naaf und Eggersberg in Wien. Fortan führte sie den Namen Marianne Naaf-Eggersberg. Als Anhänger der deutschnationalen Los-von-Rom-Bewegung traten beide vom katholischen zum evangelischen Glauben über. 1918 wurde durch den überraschenden Tod von Anton August Naaf zur Besitzerin, Herausgeberin und Redakteurin der Zeitung Die Lyra.

Sie starb im Mai 1938 und wurde am 2. Juni auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Ihr Nachlass wird gemeinsam mit dem ihres Ehemannes in der Wienbibliothek im Rathaus aufbewahrt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • 1880: Meraner Briefe (Feuilleton)[1]
  • 1881: Irene (Novelle)[2]
  • 1882: Bellini und die Malibran (übersetzt aus dem Italienischen)[3]
  • 1884: Der Klavierkönig Thalberg als Taschenspieler bei Sir Eduard Bulwer (übersetzt aus dem Französischen)[4]
  • 1887: Die Harfnerin[5]
  • 1889: Ein gestörtes Stiftungsfest (Feuilleton)[6]
  • 1889: Ein Citaten-Kampf (Feuilleton)
  • 1893: J. Karl Tobisch, ein Erinnerungsblatt zum 100. Geburtsgedenktage eines verschollen gewesenen deutschböhm. Gelehrten und Schriftstellers[7]
  • 1896: Die erste Schwalbe[8]
  • 1896: Schwalben-Abschied[9]
  • 1897: Meine Lieblinge (vertont)[10]
  • 1897: Deutscher Sängerbundsschwur (vertont)[11]
  • 1902: Trost im Leide (vertont)[12]
  • 1902: S’Engerl und S’Teuferl (vertont)[13]
  • 1910: Gedankenaufstand

Literatur

  • Elisabeth Friedrichs: Die Deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. Und 19. Jahrhunderts. 1981, S. 69
  • Eggersberg, Frau Marianne. In: Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 1. Verlag Carl Pataky, Berlin 1898, S. 180 f. (Digitalisat).
  • Wenzel Rott: Der politische Bezirk Podersam, Gerichtsbezirke Podersam und Jechnitz, Podersam 1902. S. 173

Einzelnachweise

  1. Meraner Briefe
  2. Irene
  3. Bellini und die Malibran
  4. Der Klavierkönig Thalberg als Taschenspieler bei Sir Eduard Bulwer
  5. Die Harfnerin
  6. Ein gestörtes Stiftungsfest
  7. J. Karl Tobisch, ein Erinnerungsblatt
  8. Die erste Schwalbe
  9. Schwalben-Abschied
  10. Meine Lieblinge
  11. Deutscher Sängerbundschwur
  12. Trost im Leide
  13. S’Engerl und S’Teuferl