Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast
vom 04.06.2020, aktuelle Version,

Marianne Eggersberg

Marianne Naaff-Eggersberg auch Marianne Edle von Tobschan[1] (* 30. Januar 1852 in Kaaden in Böhmen als Maria Anna Peinl; † Mai 1938 in Wien) war eine böhmisch-österreichische Dichterin, Schriftstellerin und Herausgeberin.

Leben

Marianne Naaff-Eggersberg wurde 1852 als Maria Anna Peinl in Kaaden, heute Kadaň, geboren. Ihre Eltern waren der bürgerliche Metzgermeister Aloys Karl Peinl (1822–1872) und Johanna Theresia geb. Tobisch (1820–1913). Die Mutter wurde in Sporitz bei Komotau geboren und entstammt der böhmischen Bauern- und Gelehrtenfamilie Tobisch. Der Erzdechant Franz Wenzl Tobisch in Teplitz und die königlich preußischen Professoren Johann Karl Tobisch und Vinzenz Eugen Tobisch in Breslau waren Brüder ihres Vaters. Der Vizepräsident des Oberlandesgerichtes Eduard Tobisch in Brüx war ihr Vetter.

Noch während ihrer Schulzeit an der Bürgerschule in Kaaden schrieb sie die ersten Gedichte und Kurzgeschichten. Im Alter von 17 Jahren heiratete Maria Anna Peinl am 18. September 1869 den wohlhabenden Kaufmann Franz Xaver Rippaus (1835–1909). Er war Gründer und Inhaber des renommierten Großhandelshauses F. Rippaus & Neffe mit Sitz in Kaaden. 1876 ließ er für sich und seine junge Frau am Ringplatz in Kaaden ein großzügiges Stadtpalais in direkter Nähe zum Rathaus errichten. Rippaus war lange Jahre Stadtrat und Präsident der Kaadener Aktien-Zuckerfabrik (gegr. 1871). Die Ehe der Eheleute Rippaus blieb kinderlos.

Palais der Eheleute Rippaus in Kaaden, erbaut 1876

In den Folgejahren gab Marianne Rippaus die ersten Gedichte und Erzählungen heraus. Seit 1881 schrieb sie unter dem Pseudonym Marianne Eggersberg (auch Marianne von Eggersberg und Marianne Edle von Tobschan) für die Kultur- und Musikzeitung Die Lyra. Ihren Künstlernamen wählte sie wohl in Anlehnung an die im Duppauer Gebirge gelegene Burg Egerberk. Im Teplitz-Schönauer Anzeiger veröffentlichte sie regelmäßig heimatliche Kurzgeschichten, Erzählungen, Volkssagen und Gedichte, aber auch mehrfach Beiträge über die Dichterfamilie Tobisch, von der sie abstammte. So veröffentlichte sie 1894 einen achtteiligen Auszug aus dem Reisetagebuch ihres Großonkels, Franz Wenzl Tobisch, der von 1818 bis 1819 mit der Fürstenfamilie Clary-Aldringen Italien bereiste.

Ihre lyrischen Werke erschienen in mehreren Sammelbänden und wurden vertont. Seit Ende der 1880er Jahre lebte sie als freie Schriftstellerin und Lyrikerin in Wien. Mit dem Herausgeber und Redakteur Anton August Naaff (1850–1918) verband sie eine sehr enge Freundschaft. Beide bewohnte das Lyra-Heim in der Herbeckstraße 54 in Wien-Gersthof. 1885 widmete er ihr das vertonte Gedicht Das todte Herz[2]. Später wurde sie seine Lebensgefährtin. Zu ihren Gästen in der Herbeckstraße zählten unter anderem Marie von Ebner-Eschenbach, Carola Bruch-Sinn und Guido von List. Durch den überraschenden Tod von Anton August Naaff im Jahre 1918 wurde Marianne Eggersberg zu dessen Erbin. Seither führte sie den ebenfalls in der Herbeckstraße 54 beheimateten, 1881 gegründeten, Lyra-Chorverlag fort[3].

Bin ins hohe Alter wirkte Marianne Eggersberg als Dichterin und Schriftstellerin. Noch zu ihrem 80. Geburtstag erschien eine umfassende Würdigung ihres Lebenswerks. Sie starb im Mai 1938 und wurde am 2. Juni auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Ihr Nachlass wird gemeinsam mit dem ihres Lebensgefährten Anton August Naaff in der Wienbibliothek im Rathaus aufbewahrt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • 1880: Meraner Briefe (Feuilleton)[4]
  • 1881: Irene (Novelle)[5]
  • 1882: Bellini und die Malibran (übersetzt aus dem Italienischen)[6]
  • 1884: Der Klavierkönig Thalberg als Taschenspieler bei Sir Eduard Bulwer (übersetzt aus dem Französischen)[7]
  • 1887: Die Harfnerin[8]
  • 1889: Ein gestörtes Stiftungsfest (Feuilleton)[9]
  • 1889: Ein Citaten-Kampf (Feuilleton)
  • 1893: J. Karl Tobisch, ein Erinnerungsblatt zum 100. Geburtsgedenktage eines verschollen gewesenen deutschböhm. Gelehrten und Schriftstellers[10]
  • 1896: Die erste Schwalbe[11]
  • 1896: Schwalben-Abschied[12]
  • 1897: Meine Lieblinge (vertont)[13]
  • 1897: Deutscher Sängerbundsschwur (vertont)[14]
  • 1902: Trost im Leide (vertont)[15]
  • 1902: S’Engerl und S’Teuferl (vertont)[16]
  • 1910: Gedankenaufstand

Literatur

  • Elisabeth Friedrichs: Die Deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. Und 19. Jahrhunderts. 1981, S. 69
  • Eggersberg, Frau Marianne. In: Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 1. Verlag Carl Pataky, Berlin 1898, S. 180 f. (Digitalisat).
  • Wenzel Rott: Der politische Bezirk Podersam, Gerichtsbezirke Podersam und Jechnitz, Podersam 1902. S. 173

Einzelnachweise

  1. Elisabeth Friedrichs: Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts, S. 69
  2. Das todte Herz
  3. Adressbuch des deutschen Buchhandels (1931), S. 395
  4. Meraner Briefe
  5. Irene
  6. Bellini und die Malibran
  7. Der Klavierkönig Thalberg als Taschenspieler bei Sir Eduard Bulwer
  8. Die Harfnerin
  9. Ein gestörtes Stiftungsfest
  10. J. Karl Tobisch, ein Erinnerungsblatt
  11. Die erste Schwalbe
  12. Schwalben-Abschied
  13. Meine Lieblinge
  14. Deutscher Sängerbundschwur
  15. Trost im Leide
  16. S’Engerl und S’Teuferl