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vom 29.04.2019, aktuelle Version,

Martin Hell

Martin Hell (* 6. April 1885 in Liefering bei Salzburg; † 29. Jänner 1975 in Salzburg) war ein österreichischer Ingenieur und Prähistoriker.

Leben

Hell maturierte 1903 am der K.K. Staatsrealschule in Salzburg und studierte danach an der Technischen Hochschule in Wien das Bauingenieurfach, betrieb daneben aber auch Studien zur Geologie und Paläontologie. Von 1920 bis 1923 studierte er als außerordentlicher Hörer an der Universität Wien bei Oswald Menghin Ur- und Frühgeschichte. Sein Aufsatz „Neue Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte des Dürnbergs“ wurde 1931 als Dissertation angenommen, Hell hat allerdings die Rigorosen nicht abgelegt.

Petersfriedhof Salzburg, Grab von Martin Hell

Nach Abschluss des Ingenieurstudiums arbeitete er ab 1911 im Landesbauamt Salzburg, ab 1926 war er Amtstechniker der Bezirkshauptmannschaften Salzburg und Hallein, 1941 wurde er Beamter auf Lebenszeit im Reichsdienst und bis September 1945 war er in der Reichsbauverwaltung tätig.

Seine Freizeit widmete er – gemeinsam mit seiner Frau Lina – der Erforschung der ältesten Geschichte Salzburgs und Nordbayerns. Weitere Arbeitsgebiete waren Geologie- und Höhlenkunde sowie Volks- und Heimatkunde. 1911 war er Gründungsmitglied der Sektion Salzburg des Vereins für Höhlenkunde in Österreich, 1914 bis 1919 war er dessen Vereinsobmann. 1915 wurde er Mandatar und danach Verwaltungsrat des SCMA, bis 1924 war er Kustos der mineralogisch-paläontologischen Sammlung des Museums.

In der Zwischenkriegszeit wurde er Mitglied des Antisemitenbundes und ab 1933 Mitglied in der Vaterländischen Front. Nach dem Anschluss Österreichs suchte er um die Aufnahme in der NSDAP an, dieses Ansuchen wurde 1943 abgelehnt und bis dahin war er Parteianwärter. 1939 wurde er Leiter der „Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte“, die von dem Gauschulungsamt, das wiederum dem Amt Rosenberg unterstand, eingerichtet worden war. Am 1. April 1941 wurde Hell zum „nebenamtlichen Gaupfleger der Bodenalterstümer im Reichsgau Salzburg“ und am 4. Dezember wurde er durch Gauleiter Gustav Adolf Scheel zum „Beauftragten für Vor- und Frühgeschichte (Bodendenkmalpflege) im Reichsgau Salzburg“ ernannt. Im Oktober 1943 wurde er für Arbeiten zur Herstellung von Splittergräben eingezogen, 1944 erhielt er einen vorläufigen Musterungsausweis für den Landsturm. In dieser Zeit wirkte Hell bei verschiedenen Ausgrabungen (z. B. auf dem Rainberg, Sicherung von Funden beim Bau der Reichsautobahn, römische Grabungsfelder in Loig und Liefering) und Ausstellungen des SMCA mit. Dem Fund einer Hakenkreuz-Verzierung auf einer urzeitlichen Tonplatte widmete er einen enthusiastischen Zeitungsartikel.

Am 21. September 1945 wurde Hell aufgrund seiner Nähe zum Nationalsozialismus aus dem öffentlichen Dienst entlassen, bekam aber bis zu seiner Pensionierung am 24. November 1947 Bezugsvorschüsse. In den folgenden Jahren führte er mit seiner Frau die Bodendenkmalpflege ehrenamtlich aus, 1948 wurde er aber zum „ehrenamtlichen Konservator des Bundesdenkmalamtes für Höhlenkunde im Lande Salzburg und für das Fundwesen in den Bezirken Salzburg-Land, Hallein, St. Johann im Pongau und Zell am See“ ernannt. 1949 bestellte ihn Landeshauptmann Josef Rehrl zum „ehrenamtlichen Landespfleger für die Bodenaltertümer des Landes Salzburg“.

Rund 500 wissenschaftliche Veröffentlichungen liegen von ihm vor, daneben gibt es noch zahllose Berichte in den verschiedensten fachlichen, aber auch in populären Organen. Ihm ist die Entdeckung von etwa 100 prähistorischen Siedlungen und 40 Gräberfeldern zu verdanken. Martin Hell ist auf dem Petersfriedhof Salzburg beigesetzt.

Ehrungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Zwei spätrömische Gräber aus Gröding bei Salzburg. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes. 44, 1959, ISSN 0078-3579, Sp. 139–146.
  • Neufund eines Bronzeschwertes aus der Salzach. In: Archaeologia Austriaca. 27, 1960, ISSN 0003-8008, S. 76–79.
  • Eine Gebetschnur der Karolingerzeit aus Anger bei Reichenhall.' In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. 23, 1960, S. 210–212.
  • Antike Steinsärge in der Abteikirche St. Peter zu Salzburg. In: Jahresschrift des Salzburger Museums Carolino Augusteum. 11, 1965, ISSN 0558-3438, S. 23–32.
  • Zur Frage keltischer Münzprägung auf dem Halleiner Dürrnberg. In: Archaeologia Austriaca. 47, 1970, S. 44–48.
  • Eine bronzezeitliche Wohnstelle in Salzburg-Taxham. In: Archaeologia Austriaca. 53, 1973, S. 1–7.

Literatur

  • Fritz Moosleitner: Martin Heil. In: Gedenkschrift für Martin Hell (= Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Bd. 115, Nr. 2, ISSN 0435-8279). Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1975, S. 257–264.
  • Peter Danner: Martin Hell. In: Anschluss, Krieg & Trümmer. Salzburg und sein Museum im Nationalsozialismus. Salzburg Museum, Salzburg 2018 (= Jahresschrift des Salzburg Museum, Bd. 60), S. 179–190.