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vom 08.11.2017, aktuelle Version,

Max Glass

Max Glass (* 12. Juni 1882 in Wien[1], Österreich-Ungarn; † 18. Juli 1964 in Paris, Frankreich) war ein österreichischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Filmregisseur und Filmproduzent.

Leben

Glass soll laut einem Artikel im Aufbau bereits im Alter von 17 Jahren als Hauslehrer der Kinder der österreichischen Kaiserfamilie gearbeitet und nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium der Geschichte und Kunstgeschichte mit nur 22 Jahren als Universitätsprofessor gelehrt haben.[2] Seine ersten nachweisbaren Tätigkeiten sind die eines Romanautors. Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs stieß Glass, der bereits 1920 die Vorlage zu Joseph Delmonts Inszenierung Die entfesselte Menschheit geliefert hatte, zum deutschen Film, als die Produktionsfirma Terra Film einen Geschichtssachverständigen benötigte.

Seit 1921 wirkte Glass dort als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor und wurde außerdem in den Terra-Vorstand berufen. Seine erste filmische Arbeit von Bedeutung wurde 1922 die Inszenierung des populären Dumas-Stoffes Der Mann mit der eisernen Maske mit Albert Bassermann und Wladimir Gaidarow in den Hauptrollen. 1928 begann Glass in eigener Produktion (Max-Glass-Film G.m.b.H.) Filme herzustellen. 1933 musste er wegen seines jüdischen Glaubens Deutschland verlassen und ließ sich daraufhin in Paris nieder.

Dort setzte Glass seine Produzententätigkeit für die Flora-Film. Seine bekanntesten Vorkriegsarbeiten im Exil waren Komödien mit Fernandel. Im Mai 1939 reiste Glass in die Vereinigten Staaten aus, konnte dort jedoch nicht mehr als Produzent arbeiten und betätigte sich als Autor jenseits filmischer Themen. Im Exil versuchte er außerdem, mehr schlecht als recht, seine französischen Produktionen zu vermarkten. Zwischendurch soll er sich auch in Brasilien aufgehalten haben, währenddessen gingen im Paris der deutschen Besatzung die Glass-Produktionsfirmen Flora und Arcadia bankrott.[3] 1949 kehrte Glass nach Paris zurück und nahm seine Produzententätigkeit wieder auf. Seine letzte Arbeit, die er auch inszenierte, war der Film Der Weg nach Damaskus, in dem er die Bekehrung des Saulus zum Paulus nacherzählte.

Prof. Dr. Max Glass war mit der elf Jahre jüngeren, deutschen Stummfilmschauspielerin Helga Molander verheiratet.

Filmografie

als Produzent, Produktionsleiter oder Herstellungsleiter

  • 1922: Der Mann mit der eisernen Maske (auch Regie)
  • 1923: Bob und Mary (auch Regie)
  • 1925: Der Demütige und die Tänzerin (auch Drehbuchmitarbeit)
  • 1925: Der Mann, der sich verkauft (auch Drehbuchmitarbeit)
  • 1925: Wenn du eine Tante hast (auch Drehbuch)
  • 1925: Gräfin Mariza (auch Drehbuch)
  • 1925: Der Mann ohne Schlaf (auch Drehbuch)
  • 1926: Junges Blut (auch Drehbuch)
  • 1926: Wien-Berlin (auch Drehbuch)
  • 1926: Die drei Mannequins (auch Drehbuch)
  • 1926: Der Seekadett (auch Drehbuch)
  • 1926: Liebeshandel (auch Drehbuch)
  • 1927: Svengali (auch Drehbuch)
  • 1927: Die Tragödie eines Verlorenen (Drehbuch)
  • 1927: Bigamie (auch Drehbuch)
  • 1927: Heimweh (auch Drehbuch)
  • 1927: Königin Luise
  • 1928: Leontines Ehemänner (auch Drehbuch)
  • 1928: Unfug der Liebe (auch Drehbuch)
  • 1929: Das Schiff der verlorenen Menschen
  • 1930: Liebe im Ring (auch Drehbuchmitarbeit)
  • 1930: Zwei Krawatten
  • 1930: Der Andere
  • 1930: Die Firma heiratet (auch Drehbuch)
  • 1931: Die schwebende Jungfrau
  • 1931: Der unbekannte Gast
  • 1932: Drei von der Kavallerie
  • 1933: Moral und Liebe
  • 1934: L’auberge du petit dragon
  • 1935: La rosière des halles
  • 1936: La brigade en jupons
  • 1936: La reine des resquilleuses (auch Regie)
  • 1938: Rasputin (La tragédie impériale)
  • 1938: Entente Cordiale (auch Drehbuch)
  • 1949: Tête blonde
  • 1950: Coq en pâte
  • 1952: Der Weg nach Damaskus (Le chemin de Damas) (auch Regie Drehbuch)

Einzelnachweise

  1. andere Quellen nennen das damals österreichische Jaroslau im heutigen Polen
  2. Aufbau vom 12. Januar 1940
  3. Glass in Les indépendants du premier siècle

Literatur

  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 277.
  • Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 195 f.