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vom 28.12.2017, aktuelle Version,

Maximilian Schreier

Maximilian Schreier (* 23. Mai 1877 in Brünn; † 15. Juni 1942 in Wien) war ein österreichischer Journalist und Wiener Gemeinderat.

Leben

Das Grab von Maximilian Schreier nach der Instandsetzung im Dezember 2017

Schreier wurde am 23. Mai 1877 in Brünn als Sohn eines kaufmännischen Angestellten geboren. Er absolvierte vier Jahre Gymnasium, aus finanziellen Gründen konnte er jedoch nicht studieren. Bereits als Jugendlicher schloss er sich in Wien dem Arbeiterbildungsverein Gumpendorf an und begann sich für das politische Geschehen zu interessieren.

Seine journalistische Laufbahn begann er mit gelegentlichen Beiträgen für das satirische Wochenblatt „Kikeriki!“

Im Dezember 1909 gründete er mit Carl Colbert die Wiener Zeitungssesellschaft m.b.H.[1]

Ende 1917 unternahm Schreier den Versuch, die zum Verkauf stehende renommierte Tageszeitung „Die Zeit“ zu sanieren; 1919 wurde ihr Titel in „Der Morgen“ geändert.

1918 ehelichte er die Schauspielerin Ida v. Belitzky (Künstlername Ida Norden). Vom 03. Dezember 1918 bis zum 22. Mai 1919 war er Mitglied des Provisorischen Gemeinderates der Stadt Wien.[2]

Im November 1922 gründete er gemeinsam mit Siegmund Bosel die Zeitung Der Tag, ab Juli 1930 Der Wiener Tag, an der einige der besten Journalisten wie z.B. Robert Musil, Walther Rode und Gustav Stolper mitarbeiteten. Allerdings geriet das Blatt 1925, bedingt durch den finanziellen Abstieg Bosels, in Schwierigkeiten; die Weiterführung konnte jedoch nur durch Beteiligung des dem Prager Außenministerium nahestehenden Pressekonzerns Orbis gesichert werden, was dazu führte, dass die Zeitung in der Folge die Außenpolitik von Edvard Beneš und Tomáš Garrigue Masaryk unterstützte.

Das Grab von Max Schreier am Wiener Zentralfriedhof vor der Instandsetzung

Schreier wurde am 13. März 1938 in Wien verhaftet und Anfang des Jahres 1939 ins KZ Weimar-Buchenwald überstellt. Im Juni 1939 wurde er allerdings wieder nach Wien gebracht, wo er in einem Strafverfahren im Frühjahr 1940 verurteilt wurde. Obwohl er schon eine Einreisegenehmigung nach Schweden hatte wurde ihm die Ausreise verwehrt. Seine Hoffnungen doch noch in die USA auswandern zu können, erfüllten sich dadurch nicht. Die letzten Monate verbrachte er schwer krank im ehemaligen Wiener Rothschild-Spital. [3] Sein erster Selbstmordversuch schlug fehl[4]. Im Juni 1942 nahm er sich dann das Leben um der bevorstehenden Deportation nach Polen zu entgehen.

In seinem Abschiedsbrief an seine Gattin Ida schrieb er am 12. Juni 1942 um 21 Uhr unter anderem:

Liebe arme Ida!
Da eine neuerliche Kontrolle meinen Gesundheitszustand scheinbar für günstig ansieht, betrachte ich mein Schicksal für besiegelt. Ich habe nicht viel Zeit zu verlieren und muß Abschied nehmen von der Welt, von Allen die mir theuer sind – von dir.

Er wurde am Wiener Zentralfriedhof begraben.

Literatur

  Commons: Maximilian Schreier  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Artikel in: Wiener Zeitung, 29. Dezember 1909, S. 25 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  2. Gesamtausgabe: Wiener Kommunal/Communal-Kalender und Städtisches Jahrbuch, Jahrgang 1919, S. 62 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wkk
  3. http://de.doew.braintrust.at/db_shoah_65179.html
  4. Gesamtausgabe: London-Information of the Austrian Socialists in Great Britain/der österreichischen Sozialisten in England, Jahrgang 1942, S. 160 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/lon