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vom 13.01.2020, aktuelle Version,

Meinhard Miegel

Meinhard Miegel (* 23. April 1939 in Wien) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler und Publizist.

Meinhard Miegel bei einem Vortrag in der Katholischen Landvolkshochschule „Schorlemer Alst“

Leben

Miegel studierte nach dem Abitur, das er 1957 in Bad Langensalza ablegte, zunächst zwei Semester Musik an der Musikhochschule Weimar. Nach seiner Flucht in die Bundesrepublik begann er 1958 mit dem Studium der Soziologie und Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1959 ging er nach Washington, D.C. und erwarb dort 1961 den Bachelor of Arts. Von 1961 bis 1966 studierte er in Frankfurt am Main Rechtswissenschaften, Philosophie und Volkswirtschaftslehre. 1966 legte er das 1. und 1969 das 2. juristische Staatsexamen ab. 1967 wurde er zum Dr. iur. utr. promoviert.[1]

Von 1970 bis 1973 war Miegel Syndikusanwalt bei der Firma Henkel in Düsseldorf. Von 1973 bis 1977 war er Mitarbeiter des Generalsekretärs der CDU, Kurt Biedenkopf, ab 1975 Leiter der Hauptabteilung Politik, Information und Dokumentation der Bundesgeschäftsstelle der CDU.

Zusammen mit Kurt Biedenkopf gründete Miegel 1977 das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn (IWG BONN), ein privat finanziertes Forschungsinstitut, dem er bis zu dessen Auflösung (2008) vorstand. 1992 wurde Miegel als außerplanmäßiger Professor an die Universität Leipzig berufen, wo er bis 1998 lehrte und das Zentrum für internationale Wirtschaftsbeziehungen leitete. Dieses Zentrum ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung, die „die politisch-historischen Rahmenbedingungen und die soziokulturellen Einflüsse des wirtschaftlichen Wandels in Mittel- und Osteuropa“ erforscht. Von 1995 bis 1997 war er außerdem Vorsitzender der Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen.

Seit 2007 ist Miegel Vorstandsvorsitzender vom Denkwerk Zukunft – Stiftung kulturelle Erneuerung.[2]

Standpunkte

Im Mittelpunkt von Miegels Arbeiten stehen Analysen der sich ändernden Rahmenbedingungen von Wirtschaft und Gesellschaft. Besonders häufig äußert er sich öffentlich zum demographischen Wandel und dessen Folgen für die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme. Er plädiert für die Umwandlung der lohnbezogenen gesetzlichen Rente in eine allgemeine, steuerfinanzierte Grundsicherung im Alter, die durch private Vorsorge zu ergänzen ist.[3][4][5] Miegels Vorschläge zielen darauf ab, „die tradierte Arbeitnehmergesellschaft zu überwinden und eine eigenverantwortliche Bürgergesellschaft aufzubauen.“ Im Rahmen des Denkwerk Zukunft plädiert er für eine Zurückdrängung der Wachstumsideologie und die Schaffung einer zukunfts- und verallgemeinerungsfähigen Kultur.

Sehr pessimistisch äußerte sich Miegel im Jahre 2002 über die Zukunft der Stadt Berlin, deren Einwohnerzahl sich halbieren werde: "Diese Stadt mit ihren 3,3 Millionen Menschen war während ihrer längsten Zeit ein Problem. (...) Berlin war und ist eine Stadt, die aus eigener Kraft nur mühsam zu existieren vermag. Daher sollte man auch gar nicht erst versuchen, es in eine Reihe mit anderen europäischen Metropolen zu stellen. Vielmehr sollte man hinnehmen, was von selbst geschehen wird. Die Stadt wird langsam auf die Größe Hamburgs eindunsten."[6]

Miegel war im Jahre 2003 einer der Gründer des politischen Vereins Bürgerkonvent.[7][8]

Meinhard Miegel lobte 2016 Angela Merkel für die Öffnung der Grenzen in der Flüchtlingskrise in Europa 2015 und gab sich überzeugt, dass man mindestens die Hälfte der Schutzsuchenden später wieder abschieben könne. Auch prognostizierte Miegel, dass die meisten fluchtwilligen Menschen in den Herkunftsländern bald einsehen würden, dass sie in Europa kein Bleiberecht erhalten würden und ihr Vorhaben aufgeben würden.[9]

Anfang 2020 führte Miegel im Bezug auf Deutschland und andere „früh industrialisierte“ Länder und deren Alterung der Bevölkerung aus, dass ohne ständig wachsende Zuwanderung die Zahl der Menschen mit immer größerer Geschwindigkeit abnehme. Wolle man aber künftig mithalten, müsse man sich darauf einstellen, dass die Zuwanderer den bisherigen Bewohnern ihren Stempel aufgedrücken würden und mitunter auch deren Kultur durch ihre eigene ersetzen würden. Das sei ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte, in dem die Karten neu gemischt würden und neue Regeln gelten würden.[10]

Vorwurf der Verflechtung mit der Versicherungswirtschaft

Miegels Institut für Wirtschaft und Gesellschaft finanzierte sich unter anderem durch Unternehmensspenden und lebte von Auftragsarbeiten, wie etwa für das Deutsche Institut für Altersvorsorge. Da Miegel sich öffentlich für private Altersvorsorge ausspricht, sieht ihn der Ökonom Albrecht Müller als ein Beispiel für die Verflechtung von Politik, Wissenschaft und Versicherungswirtschaft. Miegel selbst weist die Vorwürfe zurück.[11] Ein weiterer Kritiker Miegels ist der Statistiker Gerd Bosbach.[12]

Mitgliedschaften

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. Redaktion: Große Debatte über die Grenzen des Wachstums - LandesPressePortal - Aktuelle Politik Nachrichten. In: landespresseportal.de. Abgerufen am 8. Juni 2016.
  2. Startseite Denkwerkzukunft@1@2Vorlage:Toter Link/www.denkwerkzukunft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , abgerufen am 30. April 2014.
  3. Meinhard Miegel, Stefanie Wahl: Solidarische Grundsicherung, private Vorsorge. Der Weg aus der Rentenkrise. Aktuell, München 1997, ISBN 3-87959-535-6
  4. Hendrik Munsberg: Deshalb quietscht und knirscht es. In: Berliner Zeitung, 15. November 2002; Interview
  5. Dirk Müller: Miegel: Rente kann nur noch Grundsicherung leisten. Deutschlandfunk, 15. Februar 2006; Interview
  6. http://www.welt.de/print-welt/article375937/Berlin-wird-langsam-auf-die-Groesse-Hamburgs-eindunsten.html
  7. Georg Meck: Konservative Plattform: Der Bürgerkonvent ist am Ende. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. August 2015, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 8. Juni 2016]).
  8. Rudolf Speth: Der BürgerKonvent – Kampagnenprotest von oben ohne Transparenz und Bürgerbeteiligung. In: Boeckler. Hans-Böckler-Stiftung, November 2003, abgerufen am 8. Juni 2016.
  9. Interview von Ferdinand Knauß: ""Wir schaffen das"" Wirtschaftswoche vom 4. März 2016
  10. "Wir können uns auf unser Erlöschen einstellen – oder gegensteuern" Die Welt vom 13. Januar 2020
  11. Die Rentenlüge. SWR, 24. April 2008
  12. Die instrumentalisierte Zukunftsangst: Gesetzliche oder private Rentenversicherung, wer hat den Nutzen? SWR, teleakademie, 1. April 2012
  13. Wortlaut des Antrags der Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität abgerufen am 30. April 2014