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vom 16.02.2017, aktuelle Version,

Meister von Mondsee

Meister von Mondsee: Altar aus dem Stift Mondsee, Innenflügel, Szene: Flucht nach Ägypten, Ende des 15. Jahrhunderts

Mit Meister von Mondsee wird ein namentlich nicht bekannter spätgotischer Maler aus der Region um Wien und Salzburg bezeichnet. Er wirkte um 1480 bis 1510 in Salzburg und erhielt seinen Notnamen nach dem von ihm um 1497[1] für die Stiftskirche des Klosters Mondsee in Oberösterreich geschaffenen Flügelaltar. Stifter war Abt Benedikt Eck von Piburg, der 1471 auch den Pacher-Altar für die Wallfahrtskirche von St. Wolfgang in Auftrag gab. Der Künstler ist nicht namentlich überliefert. Im Baubuch des Klosters Nonnberg in Salzburg ist aber 1490 mehrmals ein Maler von Mondsee erwähnt. Tatsächlich waren damals in Mondsee zwei Maler ansässig, die beide 1499 starben, und zwar Ruprecht Pichler und Hans Engelhart. Eine Identifizierung mit einem Bürger und Mitglied der Malergilde von Salzburg Heinrich Freudenfuß, der 1498 erwähnt wird, ist eher unwahrscheinlich. Wie der Meister des Wiener Schottenaltars, der ihn wahrscheinlich beeinflusste, ist auch der Meister von Mondsee von niederländischem und oberrheinischen Vorbildern beeinflusst.

Werke (Auswahl)

Von dem Altar von Mondsee sind heute vier große, auf verschiedene Sammlungen aufgeteilte Bilder mit Szenen aus der Jugend Christi bekannt. Sie begannen mit der Anbetung der Könige, dann folgte die Darbringung und Beschneidung im Tempel und schließlich die Predigt des Zwölfjährigen Jesus im Tempel. Von der Predella stammen die Flügel mit der Flucht aus Ägypten (außen: Heiliger Ambrosius) und mit dem vor einer Ährenkleidmadonna kniendenden, 1499 verstorbenen Stifter Abt Benedikt Eck von Piburg (mit dem Heiligen Augustinus auf der Außenseite). Die einst vorhandenen Reliefs an der Rückseite der Flügel wurden abgearbeitet, der Verbleib der Schreinfiguren ist unbekannt.

Anbetung der Könige
  • Heiliger Hieronymus (Privatsammlung Krefeld), Heiliger Ambrosius (Privatsammlung Tutzing)[2], Seitenflügel aus einem Altar um 1480
  • Anbetung der Könige, vor 1499. Linz, Oberösterreichisches Landesmuseum, Schlossmuseum, 113 x 87,5 cm, Inv.-Nr. G 2576, von einem Flügel des Mondseeer Altars
  • Darbringung, vor 1499. Privatbesitz, 114,7 x 88 cm, von einem Flügel des Mondseeer Altars
  • Der zwölfjährige Jesus im Tempel, vor 1499, Vaduz, Fürst Liechtensteinsche Gemäldegalerie, 113 x 88 cm, von einem Flügel des Mondseeer Altars
  • Beschneidung Christi, vor 1499, Wien, Belvedere[3], 113 x 87,5 cm, von einem Flügel des Mondseeer Altars
  • Flucht nach Ägypten, vor 1499, Wien, Belvedere, von der Predella des Mondseeer Altars
  • Maria als Tempeljungfrau im Ährenkleid, vor 1499, Wien, Belvedere, von der Predella des Mondseeer Altars
  • Hl. Augustinus, vor 1499, Wien, Belvedere, von der Predella des Mondseeer Altars
  • Hl. Ambrosius, vor 1499, Wien, Belvedere, von der Predella des Mondseeer Altars

Literatur

  • S. Florian: Der Meister von Mondsee. Dissertation Universität Wien (Wien 1950)
  • S. Florian, Thieme-Becker 1950
  • S. Krasa-Florian: Der Meister von Mondsee in: Das Mondseeland als historische Landschaft und seine Zentren. Kloster und Markt. In: Das Mondseeland. Geschichte und Kultur. Katalog zur Ausstellung im Stift Mondsee. Linz 1981, 139–148.
  • L. Schultes: Der Meister von Mondsee. Neue Beobachtungen zu einem bedeutenden Künstler des Spätmittelalters. In: Belvedere. Zeitschrift für bildende Kunst. Heft 1/2001, S. 4-12
  • L. Schultes und B. Prokisch (Hrsg.): Gotik Schätze Oberösterreich. Katalog zu einem Ausstellungsprojekt des OÖ. Landesmuseums. Linz 2002, 275-277, Nr. 1/11/18-1/11/22

Einzelnachweise

  1. 1497 fand die Altarweihe statt
  2. Besitzverhältnisse nach Kindlers Malereilexikon, Stand 1982
  3. Belvedere, Wien, Inv.-Nr. 4961