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vom 01.05.2020, aktuelle Version,

Mela Spira

Mela Spira (geboren 10. Oktober 1893 in Wien, Österreich-Ungarn, als Mela Hartwig; gestorben 24. April 1967 in London) war eine österreichische Schauspielerin und Schriftstellerin.

Leben

Mela Hartwig war eine Tochter des Soziologen Theodor Herzl,[1] der 1895 vom Judentum zum Katholizismus konvertierte und den Namen Theodor Hartwig annahm.[2] Nach der Matura begann sie in Wien Pädagogik zu studieren, wechselte aber bald ans Wiener Konservatorium, um dort Gesang und Schauspiel zu studieren. In den Jahren 1917 bis 1921 war sie an verschiedenen Bühnen Österreichs tätig und gehörte in dieser Zeit auch dem Ensemble des Berliner Schillertheaters an. Mit 28 Jahren heiratete sie 1921 den jüdischen Rechtsanwalt Robert Spira. Noch im selben Jahr verließ sie die Bühne und lebte mit ihrem Ehemann in Gösting bei Graz. Dort begann sie mit ersten schriftstellerischen Arbeiten.

Mit der Erzählung „Das Verbrechen“ konnte Spira 1927 als Schriftstellerin debütieren. Bei einem literarischen Wettbewerb der Zeitschrift Die literarische Welt wurde diese Erzählung prämiiert und durch Vermittlung von Alfred Döblin und Stefan Zweig konnte Hartwig im darauffolgenden Jahr ihre Novellensammlung Ekstasen veröffentlichen. 1929 erschien ihr Roman Das Weib ist ein Nichts und verursachte ebenso wie ihre Novellen einen Skandal. Durch ihre Bekanntschaft mit dem Maler Alfred Wickenburg und dem Lyriker Hans Leifhelm stand sie auch Künstlerkreisen nahe.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 emigrierte Mela Spira mit ihrem Mann nach London, wo sie ihren Lebensunterhalt als Übersetzerin verdienen konnte. Durch diese Arbeit lernte sie Virginia Woolf kennen, die ihr eine Anstellung als Sprachlehrerin vermittelte. In London wurde Hartwig auch Mitglied im P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland.

Nach dem Krieg besuchte das Ehepaar zweimal die Steiermark, beschloss aber aufgrund der Behandlung, die ihnen dabei zuteilwurde, in London zu bleiben. Dort starb Mela Spira 1967 im Alter von nahezu 74 Jahren, kurz darauf auch ihr Mann.

Postum erlebte das literarische Werk Mela Spiras eine kleine Renaissance.

Ehrungen

  • 1929 – Dichterpreis der Stadt Wien
  • Im Jahr 2012 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) die Mela-Spira-Gasse nach ihr benannt, in Graz nunmehr auch die Mela-Spira-Straße seit 2014

Werke

  • Bin ich ein überflüssiger Mensch? Roman. Droschl, Graz 2001 ISBN 3-85420-574-0
  • Ekstasen. Novellen. Ullstein, Frankfurt 1992 ISBN 3-548-30281-5
  • Inferno. 1948
  • Spiegelungen. Gedichte. Gurlitt, Wien 1953 (Kleine Gurlitt-Reihe, 6)
  • Das Verbrechen. Novellen und Erzählungen. Droschl, Graz 2004 ISBN 3-85420-659-3
  • Der verlorene Traum. 1944
  • Das Weib ist ein Nichts. Roman. Droschl, Graz 2002 ISBN 3-85420-615-1
  • Das Wunder von Ulm. Novelle. Phénix, Paris 1936

Literatur

  • Spira, Mela. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 10: Güde–Hein. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2002, ISBN 3-598-22690-X, S. 237–240.
  • Walter Fähnders: Über zwei Romane, die 1933 nicht erscheinen durften. Mela Hartwigs „Bin ich ein überflüssiger Mensch?“ und Ruth Landshoff-Yorcks „Roman einer Tänzerin“. In: Regionaler Kulturraum und intellektuelle Kommunikation vom Humanismus bis ins Zeitalter des Internet. Festschrift für Klaus Garber. Hrsg. Axel E. Walter. Amsterdam, Atlanta: Rodopi 2004, S. 161–190.
  • Ernst Schönwiese: Literatur in Wien zwischen 1930 und 1980, Amalthea-Verlag, Wien 1980, ISBN 3-85002-116-5
  • Petra Maria Wende: Eine vergessene Grenzgängerin zwischen den Künsten. Mela Hartwig 1893 Wien -1967 London. In: Ariadne. Almanach des Archivs der deutschen Frauenbewegung, Heft 31, Mai 1997, S. 32–37
  • Hartmut Vollmer: Hartwig, Mela. In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02457-2, S. 191f.
  • Hartwig, Mela, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945. Band 2,1. München : Saur, 1983 ISBN 3-598-10089-2, S. 463
  • Sigrid Schmid-Bortenschlager: Exil und literarische Produktion: Das Beispiel Mela Hartwig, in: Keine Klage über England? Deutsche und österreichische Exilerfahrungen in Großbritannien 1933–1945, hg. von Charmian Brinson, Richard Dove, Anthony Grenville, Marian Malet und Jennifer Taylor. iudicium Verlag, München 1998 (Publications of the Institute of Germanic Studies, University of London School of Advanced Study, Bd. 72), S. 88–99
  • Vojin Saša Vukadinović: Nachwort. In: Mela Hartwig: Inferno. Graz, Wien: Literaturverlag Droschl 2018, S. 196–215.

Einzelnachweise

  1. Mela und ihre Schwester Greta wurden nach einem Scheidungsprozess dem Vater zugesprochen; über die Mutter fehlen nähere Angaben (n. Petra Maria Wende, S. 37, Fn. 5)
  2. Siehe dazu die Stellungnahme von Bettina Fraisl, der Verfasserin von Nachworten zu Mela Hartwigs Neuauflagen, zu Verwechslungen wegen des Namens Theodor Herzl in verschiedenen Rezensionen; dito in DIE ZEIT, 49/2002.