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vom 16.01.2019, aktuelle Version,

Michael Gamper

Kanonikus Michael Gamper (* 7. Februar 1885 in Prissian; † 15. April 1956 in Bozen) war ein Priester und Publizist. Besonders von Bedeutung ist sein Einsatz für die deutschsprachige Volksgruppe in Südtirol sowie sein Kampf gegen Faschismus und Nationalsozialismus.

Leben

Gamper wurde in Prissian, Gemeinde Tisens, als Sohn des Schmiedes Michael Anton Gamper (1848–1929) und seiner Frau Elisabeth, geborene Sulzer, geboren. Er war das zweitälteste von sechs Geschwistern (ein weiteres Kind war bereits jung verstorben). Er besuchte in Meran das Benediktiner-Gymnasium und immatrikulierte nach der Matura an der Universität Innsbruck (die ihn später, 1951 zum Ehrenmitglied ernannte), um Theologie zu studieren. Dort trat er recht bald der AKV Tirolia bei. Nach dem Studium besuchte er das Priesterseminar in Trient.

Als Seelsorger war Gamper zunächst in Girlan, Altrei, Leifers und Barbian tätig. 1908 wurde er als Kanonikus (Domherr) in das Kollegiatkapitel der Propsteikirche in Bozen berufen. In dieser Zeit machte er auch Bekanntschaft mit Prälat Aemilian Schöpfer, der bald die journalistischen Fähigkeiten Gampers erkannte und ihn drängte, die Schriftleitung des neuen Südtiroler Volksboten zu übernehmen (nach der Annexion Südtirols durch Italien im Jahre 1918 war der Verkauf des Tiroler Volksboten verboten worden). 1921 wurde Gamper auch Präsident der Südtiroler Sektion des Tyrolia Verlages.

Nachdem im Rahmen der Italianisierung sämtliche deutsche Printmedien in Südtirol verboten worden waren, erreichte er mit Unterstützung des Vatikans, insbesondere des Mussolini nahestehenden Jesuiten Pietro Tacchi Venturi, dass die deutschsprachige Tageszeitung Dolomiten und andere katholische Printmedien 1925 wieder erscheinen konnten, wenngleich um den Preis regierungsfreundlicher Berichterstattung.[1][2] Darüber hinaus war er eine der treibenden Kräfte zur Wiederzulassung des deutschen Religionsunterrichts und – zusammen mit Josef Noldin – der Organisation der Katakombenschulen.

Während der Optionszeit 1939 setzte er sich für den Verbleib in Südtirol ein (siehe Andreas-Hofer-Bund). Obwohl schon lange mit Schreibverbot belegt, veröffentlichte er immer wieder neue Artikel. Berühmt ist darunter der 1940 erschienene Aufsatz Ein schrecklicher Verdacht, in dem er die Ermordung von Kranken und Behinderten in der Aktion T4 durch die Nationalsozialisten anprangerte.

Nach dem Einmarsch der Deutschen in Südtirol 1943 musste Gamper vor der Gestapo fliehen und versteckte sich zunächst in Wangen am Ritten, später in einem Kloster in der Toskana. Dort nutzte er die Zeit zur Erstellung eines Memorandums für die Alliierten, in dem er die Geschichte Südtirols vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die 1940er Jahre beschrieb.

Nach Kriegsende übernahm er die Leitung der Tageszeitung Dolomiten und baute die aus dem Tyrolia-Verlag hervorgegangene Athesia wieder auf. Bis 1956 blieb er deren Präsident. Gamper setzte sich weiterhin für die Belange der deutschsprachigen Volksgruppe in Südtirol ein und lieferte mit seinem Leitartikel über den „Todesmarsch der Südtiroler“ vom 28. Oktober 1953 ein Grundmotiv des Kampfes um die Autonomie Südtirols.

Im Alter von 71 Jahren starb Kanonikus Michael Gamper am 15. April 1956 in Bozen. Das Begräbnis am 19. April 1956 mit einem Trauerzug durch Bozen geriet zu einer Großveranstaltung; am Begräbnis nahmen über 30.000 Personen teil.[3]

Sein journalistisches und finanzielles Erbe traten seine Nichte Martha Flies und ihr Mann Toni Ebner an. Heute ist das Verlagshaus Athesia großteils im Besitz ihrer Kinder Michl und Toni Ebner.

In Altrei, Bozen, Innsbruck, Klobenstein, Leifers, Lienz und Olang wurden Straßen nach Kanonikus Gamper benannt.

Zitate

„Ein Volk, das um nichts anderes kämpft als um sein natürliches und verbrieftes Recht, wird den Herrgott zum Bundesgenossen haben.“

Werke

  • Südtirol im Jubljahr seines Bundes. Bericht über die 150-Jahr-Feier des Tiroler Herz-Jesu-Bundes im Jahre 1946. Brixen s.n., 1946

Literatur

  • Alois Euler: Michael Gamper: Hirte und Herold von Südtirol. Eine Dokumentation. Südtirol-Dokumentations-Zentrum der Volksbewegung für Südtirol, Wien 1976.
  • Walter Marzari: Kanonikus Michael Gamper: ein Kämpfer für Glauben und Heimat gegen Faschistenbeil und Hakenkreuz in Südtirol (= Aus Christentum und Kultur, 3). Hollinek, Wien 1974, ISBN 3-85119-113-7.
  • Leo Hillebrand: Medienmacht & Volkstumspolitik: Michael Gamper und der Athesia-Verlag. Studienverlag, Innsbruck-Wien 1996, ISBN 978-3-7065-1133-9.
  • Franz H. Riedl: Südtirol: Land europäischer Bewährung. Kanonikus Michael Gamper zum 70. Geburtstag (= Schlern-Schriften, 140). Wagner, Innsbruck 1955.
  • Rolf Steininger (Hrsg.): Ein Leben für Südtirol. Kanonikus Michael Gamper und seine Zeit. Athesia, Bozen 2017, ISBN 978-88-6839-257-4.

Einzelnachweise

  1. Winfried Adler: Die Kulturpolitik des italienischen Faschismus in Südtirol. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 61, 1981, S. 305–361, hier S. 357–358.
  2. Anna Esposito: Stampa cattolica in Alto Adige tra fascismo e nazismo. La casa editrice Vogelweider-Athesia e il ruolo del canonico Gamper (1933–1939). Rom: Aracne editrice 2012. ISBN 978-88-54854215
  3. Windegger, Flies, Oberleiter, Ebner, Seifert: Kanonikus Michael Gamper – Ein Leben für Südtirol. S. 142