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vom 08.10.2017, aktuelle Version,

Montenuovo

Wappen der Fürsten von Montenuovo

Die Montenuovo waren ein Adels- und Fürstengeschlecht in der österreichischen Monarchie, das in männlicher Linie von den fränkisch-schwäbischen Grafen von Neipperg und in weiblicher Linie aus dem Kaiserhaus Habsburg-Lothringen stammte. Das Geschlecht ist 1951 im Mannesstamm erloschen.

Geschichte

Marie Louise von Österreich (Porträt von François Gérard)
Adam Albert von Neipperg
Wilhelm Albrecht Fürst von Montenuovo
Alfred Fürst von Montenuovo, 1902

Die Montenuovo stammen aus der Beziehung der Erzherzogin Marie-Louise von Österreich, Herzogin von Parma und Piacenza (1791–1847) mit Adam Albert Reichsgraf von Neipperg (1775–1829).

Die Familie von Neipperg stand mehrere Generationen im Dienst des Kaiserhauses Habsburg-Lothringen, nachdem Eberhard Friedrich von Neipperg im 17. Jahrhundert zum Katholizismus übergetreten war. Er erreichte hohe Ämter in der kaiserlichen Verwaltung und sein Sohn Wilhelm Reinhard von Neipperg (1684–1774) wurde 1726 in den Reichsgrafenstand erhoben. Obwohl sich die Bedeutung der Neipperg in den angestammten Gebieten in Südwestdeutschland durch die politischen Veränderungen des frühen 19. Jahrhunderts verringerte, erhöhte sich die soziale Stellung der Nachkommen ihrer österreichischen Seitenlinie im Dienst der Habsburgermonarchie, als Adam Albert von Neipperg (1775–1829) auf dem Wiener Kongress 1815 die Interessen von Marie-Louise von Österreich, der Tochter Kaisers Franz II. und der getrennt lebenden Ehefrau des französischen Kaisers Napoleon I. Bonaparte, als Inhaberin des Großherzogtums Parma vertrat und ihr Liebhaber wurde. Nach dem Tode seiner Ehefrau und des Todes Napoleons am 5. Mai 1821 ging Adam Albert von Neipperg im Jahre 1821 eine morganatische Ehe mit Erzherzogin Marie-Louise ein, wodurch ihre Kinder mit ihm legitimiert wurden.

Aus der Beziehung Marie-Louises mit Neipperg stammten vier Kinder (siehe Genealogie), die nach der Eheschließung ihrer Eltern ein Grafendiplom des Herzogtums Parma mit dem Namen Montenuovo, einer italienischen Übersetzung von Neuberg oder Neipperg, erhielten. Die überlebenden Kinder wurden am 20. Juli 1864 von Kaiser Franz Joseph I. in den österreichischen Fürstenstand erhoben. Kaiser Franz Joseph war selbst ein Cousin dieser Kinder, da Marie Louise die Schwester seines Vaters Erzherzog Franz Karl war. Bereits ab 1861 hatte der Chef des Hauses Montenuovo einen erblichen Sitz im Herrenhaus, dem Oberhaus des österreichischen Reichsrates. Die Montenuovo gehörten damit zum kleinen Kreis von sechzehn Fürstenhäusern des österreichischen Adels, die der Mediatisierung nicht unterworfen waren.

Von den Kindern Marie-Louises mit Adam Albert von Neipperg wurde Wilhelm Albrecht Fürst von Montenuovo (1819–1895) General in der kaiserlich-österreichischen Armee und heiratete eine Tochter aus der angesehenen ungarischen Adelsfamilie Batthyany-Strattmann. Durch diese Eheschließung kamen Schloss und Park in Margarethen am Moos, westlich von Bruck an der Leitha in Niederösterreich, an die Montenuovo. Aus der Ehe stammten mehrere Kinder, von denen Alfred Fürst von Montenuovo (1854–1927) von 1909 bis 1917 als Obersthofmeister Kaiser Franz Josephs I. in der Wiener Hofburg fungierte. Er war mit einer geborenen Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau verheiratet und hinterließ vier Kinder. Mit seinem Sohn Ferdinand (1888–1951) ist das Geschlecht der Montenuovo im Mannesstamm erloschen.

Nach dem Ende des Hauses Montenuovo besteht zwischen den fränkisch-schwäbischen Grafen von Neipperg und dem Haus Habsburg-Lothringen auch heute noch eine Verbindung: Der gegenwärtige Chef der Familie Neipperg, Karl-Eugen Graf von Neipperg (* 1951), ist mit Andrea Habsburg, einer Tochter des letzten österreichisch-ungarischen Kronprinzen Otto, verheiratet.

Besitz

In Wien hatten die Montenuovo mindestens zwei Residenzen. Das Palais Montenuovo in der Löwelstraße 6 im I. Bezirk, welches Mitte des 19. Jahrhunderts von Juliana von Montenuovo gekauft und anschließend umgebaut wurde.

Das Palais Montenuovo in der Strauchgasse 1-3, dessen Ausgestaltung 1864 für Wilhelm Albrecht von Montenuovo in Auftrag gegeben wurde, gehörte ebenfalls der Familie.

In Bóly (Deutsch-Bohl) im Süden Ungarns hatten die Montenuovo Grundbesitz und - zusammen mit den Batthyany-Strattmann - eine Familiengruft.

Wappen

Am 20. Juli 1864 wurde Graf Montenuovo in den Fürstenstand erhoben. Es wurde ihm gestattet, sein bisheriges Wappen mit dem der Mutter und verstorbenen Kaiserin Marie Louise sowie dem der Grafen von Neipperg zu erweitern.[1]

Genealogie

Wilhelm Albrecht (1819–1895) und Albertine Maria (1817–1867) von Montenuovo
  1. Marie-Louise von Österreich (1791–1847) ∞ 1821 Adam Albert von Neipperg (1775–1829) und hatte folgende Kinder:
    1. Albertine Maria von Montenuovo (1817–1867) ∞ 1833 Luigi Sanvitale, Conte di Fontanellato (1799–?) und hatte 3 Kinder
    2. Wilhelm Albrecht von Montenuovo (1819–1895) ∞ Juliane Gräfin Batthyany-Strattmann (1827–1871)[2] und hatte folgende Kinder:
      1. Albertine von Montenuovo (1853–1895) ∞ 1873 Segismundo André Wieloposki, Marquês Gonzaga-Myszkowski (1833–?) und hatte 5 Kinder
      2. Alfred von Montenuovo (1854–1927) ∞ 1879 Franziska Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau (1861–1935) und hatte folgende Kinder:[2]
        1. Juliana von Montenuovo (1880–1961) ∞ I Wien 1903 Dionys Maria Graf Draskovich von Trakostjan (1875–1909) und hatte 1 Tochter, ∞ II 1914 Karl Fürst zu Oettingen-Oettingen und Oettingen-Wallerstein (1877–1930)
        2. Ferdinand von Montenuovo (1888–1951) ∞ Ilona Loosi de Solmosy und hatte folgende Kinder:
          1. Julia von Montenuovo (1930–2003) ∞ Gyula Mathe
          2. Marie-Julie von Montenuovo (1931–?) ∞ Robert Reithauser
          3. Franziska von Montenuovo (1934–1987) ∞ Egon Nezsenyi
        3. Franziska von Montenuovo (1893–1972) ∞ Leopold Prinz von Lobkowicz (1888–1933) und hatte 4 Töchter
        4. Maria von Montenuovo (1909–?) ∞ Franz Graf von Ledebur-Wicheln
      3. Sophie von Montenuovo (1859–1911) ∞ 1878 Antal Graf Apponyi de Nagy-Appony (1852–?) und hatte 2 Kinder
    3. Gustavo von Montenuovo
    4. Unbenannte Tochter (*/† 1821)

Siehe auch

Literatur

  • Genealogisches Handbuch der fürstlichen Häuser III, 1955; und ebenda XI, 1980, Stammfolge der Montenuovo des Stammes Neipperg; C.A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn
  • Gerhard Stenzel: Von Schloß zu Schloß in Österreich. Mit Luftbildaufnahmen von Lothar Beckel. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 1976, ISBN 3 218 00288 5, Margarethen am Moos Seite 197
  Commons: Haus Montenuovo  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Karl-Peter Krauss: Deutsche Auswanderer in Ungarn. Franz Steiner Verlag, 2003, ISBN 9783515082211, S. 72. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. 1 2 Todesnachrichten: Alfred Montenuovo. In: Wiener Zeitung, 8. September 1927, S. 6 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz