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vom 18.02.2018, aktuelle Version,

Museum des Deutschsprachigen Judentums Tefen

Museum des Deutschsprachigen Judentums
Daten
Ort Sderot ha-Ta‘asiyya, Migdal Tefen, haZafon, Israel
Art Kulturgeschichtliches Museum
Eröffnung 1968
Betreiber The Open Museum Tefen
Leitung Ruthi Ofek
Website omuseums.org.il (Eng)

Das Museum des Deutschsprachigen Judentums (hebräisch הַמּוּזֵיאוֹן לַיַּהֲדוּת דוֹבֶרֶת גֶּרְמָנִית, translit.: ha-Mūzey'ōn la-Yahadūt dōveret germanīt; auch Jeckes-Museum genannt) ist ein Museum des Industrieparks Tefen und wird durch die Organisation des Open Museum Tefen (הַמּוּזֵיאוֹן הַפָּתוּחַ תֵּפֶן, translit.: ha-Mūzey'ōn ha-Patūach Tefen) getragen, zu welchem weitere Museen und Ausstellungen gehören. Das Jeckes-Museum wurde 1968 in Naharija durch Israel Shiloni (ישראל שילוני) gegründet und zog 1991 nach Tefen. Der Industriepark Tefen bildet unter der Bezeichnung Migdal Tefen (מִגְדָּל תֵּפֶן) eine eigene kommunale Einheit (מוֹעָצָה מְקוֹמִית תַּעֲשִׂיָּתִית, translit.: mō‘atzah məqōmīt ta‘asiyyatīt) zwischen den Orten Karmi'el und Ma‘alot-Tarschicha in Galiläa im Nordbezirk Israels.

Geschichte

Das Museum ging aus der Sammlung des Naharijaners Israel Shiloni hervor, der historisches Material zunächst von ihm befreundeten und bekannten Familien sammelte, um die Geschichte der deutschsprachigen Einwanderer nach Israel für die Nachwelt nachvollziehbar zu machen. Aus dem Archiv entstand 1968 eine kleine Ausstellung, welche sich in den Räumen der Stadtverwaltung von Naharija befand.[1][2]

1991 zog das Museum in den östlich von Naharija gelegenen, von Stef Wertheimer gegründeten Industriepark Tefen um, wo es sich seitdem befindet. 2004 schlossen das Museum und die Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft (אִרְגּוּן יוֹצְאֵי מֶרְכָּז אֵירוֹפָּה, translit. Irgūn Yōtz'ey Merkaz Eyrōpah) einen Kooperationsvertrag. 2005 wurde das Museum neueröffnet.[1][2]

Ausstellung

Geschichte der deutschsprachigen Juden

Die auf einer Fläche von 400 m² über zwei Etagen verteilte Ausstellung des Museums setzt den Schwerpunkt auf die vielfältige Geschichte der deutschsprachigen Juden Mitteleuropas bis zum Zweiten Weltkrieg und auf deren Beitrag zu Aufbau, Wirtschaft und Kultur des Gebietes, auf welchem später der israelische Staat gegründet werden sollte, sowie auf Israel selbst. Obwohl die Thematik immer mitschwingt, handelt es sich bewusst um kein Holocaust-Museum. Ein Aufzug steht zur Verfügung.[1][2]

Es sind interaktive Installationen zu verschiedenen Themen wie Industrie und Handel, Architektur, Medizin, Recht und Bühnenkunst vorhanden. Sie vermitteln dem Besucher diese Themen visuell mittels authentischer Fotografien und Filmclips. Nach Voranmeldung können Filme gezeigt werden, die eigens vom Open Museum produziert wurden und die Geschichte der deutschsprachigen Einwanderer nach Israel dokumentieren.[1][2]

Hermann Struck-Ausstellung

In den Ausstellungsräumen werden Arbeiten des in Berlin geborenen Malers und Radierers Hermann Struck (1876–1944) gezeigt. Die Ausstellung konzentriert sich auf seine künstlerische Tätigkeit während seiner in Haifa verbrachten Lebensjahre. Darüber hinaus zeigt sie Materialien aus dem persönlichen Nachlass des Künstlers.[1][2]

Originale Siedler-Hütte aus den frühen Tagen Naharijas

Eine Spezialität des Museums ist das Original einer Siedler-Hütte aus den frühen Tagen Naharijas. Bevor sie nach 2010 zum Museum transportiert wurde, stand sie seit 1936 an ihrem alten Platz. Sie ist authentisch für die Zeit der Besiedlung Naharijas eingerichtet mit Bett, Kommode, alten Büchern und einer simplen Duschvorrichtung.[3]

Hugo-Zwi Schatzman (1900–1976) und seine Frau Lea-Gertrud, geb. Wallach (1906–1983) immigrierten nach Palästina aus Deutschland im Jahr 1934. In Vorbereitung auf ihre Emigration traten sie dem Bund Blau-Weiß in der jüdischen Jugendbewegung bei, welche das zionistische Programm der Hachschara verfolgte, wo Hugo-Zvi sich als Zimmermann ausbildete und Lea-Gertrud als Frisörin und Kindermädchen. Nach ihrer Ankunft in Palästina wurde ihre Gruppe ins Kibbutz En Harod geschickt. 1935 zog das Paar nach Naharija und erwarb dort 1936 eine Parzelle Land an der Ecke der Straßen Weizmann und Chanitah (חֲנִיתָה), auf welcher sie zwei Siedler-Hütten errichteten. In der größeren der beiden Hütten wohnte das Paar, während es die kleinere als Stauraum verwendete. Mit den Jahren passte sich die Benutzung der Hütten den Bedürfnissen der Besitzer an. 1946 verkauften die Schatzmans die Parzelle an die Familie Pisker, welche mit der Zeit ein steinernes Wohnhaus entlang der Hütten baute. Im Jahr 2010 verkaufte die Familie die Parzelle. Als dort ein neues Gebäude mit Wohnungen errichtet werden sollte, organisierten ältere Naharijaner (insb. der frühere Glasfabrikant Andreas Meyer [1921–2016]) den Erhalt der größeren Hütte als historisches Zeugnis der Siedlerzeit. Die israelische Gesellschaft für den Erhalt historischen Erbes nahm sich des Projektes an und transferierte die Hütte zum Museum in Tefen, wo sie seitdem für Besucher zur Verfügung steht.[3]

Bibliothek

Die Büchersammlung des Museums umfasst inzwischen mehr als 5000 Bände, zumeist in deutscher Sprache, die ein umfassendes Bild der schriftstellerischen Aktivitäten im Bereich Prosa, Dichtung, Philosophie, Wissenschaft und der Erforschung der Juden Mitteleuropas vermitteln.[1][2]

Archiv

Das Museumsarchiv beherbergt vielfältige historische Dokumente wie Urkunden, Briefe, Fotografien und zahlreiche Gegenstände, die dem Museum gespendet wurden, damit sie bewahrt werden und Wissenschaftlern aus Israel und dem Ausland zur Fortsetzung der Erforschung des deutschsprachigen Judentums dienen. Auch Forscher mit anderweitigem Interesse, wie für Kunstgeschichte, finden im Archiv interessantes Material.[4][2]

Öffnungszeiten

Das Museum ist Sonntags und Freitags geschlossen. Montags bis Donnerstags von 9.00 bis 16.00 Uhr,und Samstags, sowie an Feiertagen, ist es von 10.00 bis 16.00 Uhr für Besucher geöffnet.[5]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 http://www.omuseums.org.il/eng/mmty_about/About_the_Museum
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Das Museum des Deutsch sprachigen Judentums, Zentrum des kulturellen Erbes der Jeckes. irgun-jeckes.org, abgerufen am 30. Juli 2017.
  3. 1 2 http://www.omuseums.org.il/eng/mmty_shed/The_Shack_from_Nahariya
  4. http://www.omuseums.org.il/eng/mmty_Archive/Archives
  5. http://www.omuseums.org.il/eng/mmtvi_hour/Opening_Hours