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vom 30.06.2017, aktuelle Version,

Muttersbergseilbahn

Talstation
Muttersbergseilbahn von Bludenz aus gesehen

Die Muttersbergseilbahn ist eine Luftseilbahn in Bludenz und Nüziders im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Sie verbindet eine Talstation auf rund 679 m ü. A. in Bludenz-Obdorf (Galgentobel) mit dem höchsten Punkt des 1397 Meter hohen Muttersberg (Nüziders).

Geschichte

In der Nähe der heutigen Talstation befanden sich bis etwa 1838 Badehütten, in denen die hier befindliche Heilquelle genutzt wurde (siehe: Bad Fohrenburg).

Vorgeschichte

Am 24. Mai 1946 fand unter der Leitung des damaligen Vizebürgermeister von Bludenz, Kommerzialrat Xaver Muther, die erste Sitzung eines „Proponentenkomitees“ statt und es wurde der Bau einer Personenseilbahn auf den Muttersberg beschlossen. Die weiteren Vorarbeiten und die Sicherstellung der Finanzierung benötigten rund zehn Jahre bis zur Gründung der Seilbahngesellschaft.

Gründung der Seilbahngesellschaft

Am 9. Juli 1955 wurde im Hotel „Bludenzerhof“ der Gesellschaftsvertrag der „Personenseilbahn Bludenz-Muttersberg Gesellschaft m.b.H.“ mit einem Stammkapital von S 1.406.000.- von 164 Gesellschaftern notariell beurkundet.[1]

Erster gewerberechtlicher Geschäftsführer der Seilbahngesellschaft wurde KR Xaver Muther (bis 1958). Erster technischer Geschäftsführer der Seilbahngesellschaft wurde Ing. Fritz Huber (bis 1960).

Weitergehende Planung

Die Bergstation wurde bereits in verstärkter Bauweise ausgeführt, da eine spätere Verlängerung der Seilbahn vom Muttersberg auf den Hohen Fraßen (1979 m) angedacht war (diese Ausbaustufe gelangte nicht zur Ausführung).

Bau und Eröffnung

Bau

1955 wurde mit dem Bau der Seilbahnbauwerke und der Stützen begonnen. Die Seilbahn wurde als Pendelseilbahn mit zwei Kabinen zu je 15+1 Personen ausgeführt. Der Antrieb (Gleichstrommotor) befand sich in der Bergstation.

Technische Daten der ursprünglichen Anlage

  • Seilhöhe in der Talstation: 681 m
  • Seilhöhe in der Bergstation: 1384 m
  • Höhenunterschied: 703 m
  • Bahnlänge (waagrechte Länge): 1461 m
  • Betriebslänge (schräge Länge): 1615,5 m
  • drei Stützen (26,21 m und 10 m Bauhöhe)
  • größte Spannweite: 653,7 m
  • mittlere Neigung: 48,1 %
  • 2 Fahrbetriebsmittel mit einem Fassungsraum von 15+1 Personen oder 1200 kg
  • Höchstfahrgeschwindigkeit 7 m/s
  • größte Förderleistung je Stunde und Richtung: 150 Personen.

Eröffnung

Die offizielle und feierliche Eröffnung sowie kirchliche Segnung der Muttersbergseilbahn fand am 14. Oktober 1956 statt. Die Eröffnung wurde unter anderem im Beisein des Landeshauptmanns von Vorarlberg, Ulrich Ilg, abgehalten.

Erster Umbau

1991 wurde die Muttersbergseilbahn im Rahmen der bestehenden Seilbahnanlage erstmals generalsaniert. Es wurden neue Kabinen angeschafft und die technische Anlage überholt (Fa. Steurer Seilbahnbau, Doren), die elektrische Einrichtung[2] sowie die Signalanlage (System Teichmann) umgebaut und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Die maximale Beförderungsleistung konnte auf 180 P/h gesteigert werden.

Die bisherige Betreibergesellschaft (Gesellschaft m.b.H.) wurde aufgelöst[3] und ein "Gemeindeverband Personenseilbahn Muttersberg, Bludenz-Nüziders[4] gegründet (Betreiberwechsel zum 1. Januar 1994).[5]

Die feierliche Wiedereröffnung nach dem Umbau fand am 27. Juni 1992 statt. Neben der kirchlichen Einsegnung fand auch eine „Taufe“ der Seilbahnkabinen durch die „Missis Europa 1992“, Andrea Tratter, statt.

Zweiter Umbau - „Muttersbergseilbahn neu“

Antrieb in der Bergstation - Blick auf den Notantrieb
Antrieb in der Bergstation - Blick auf den Hauptmotor

Anlässlich des zweiten Umbaus der Muttersbergseilbahn im Jahr 2001/2002 wurde die Bergstation einige Meter bergwärts verlegt (circa 15 Höhenmeter auf den Madeisakopf) und in das neu errichtete Gastronomiegebäude (Alpengasthof) integriert. Die Pendelseilbahnanlage wurde durch eine kuppelbare Gruppenbahn (8er Personenkabinen) mit einem umlaufenden Förderseil ersetzt.

Wie bei der bisherigen Anlage befindet sich die Antriebsstation in der Bergstation und die Umlenkstation und Spanneinrichtung des Förderseils in der Talstation. Anstelle eines Spanngewichtes werden nunmehr zwei hydraulische Spannzylinder eingesetzt. Die Anzahl der Betriebsbremsen und der Sicherheitsbremsen wurde von je einer auf je zwei erhöht. Der Antrieb erfolgt nicht mehr direkt von einem Gleichstrom-Elektromotor auf die Antriebsscheibe, sondern über einen hydrostatischen Antrieb (fremdbelüfteter E-Motor: ABB DMI 208P-MHA, Ölpumpe: Sauer 90R075, Ölmotor: Poclain MS 35 2 G. Notantrieb: Cummins Diesel, B 3.9-C/130).

Der Betrieb der Anlage wurde an die Muttersberg Seilbahn GmbH & Co KG unter Auflagen übertragen. Die Muttersberg Seilbahn GmbH & Co KG ist Teil der Silvretta Nova Bergbahnen AG (nunmehr: „Silvretta Montafon Bergbahnen AG“, Sankt Gallenkirch).

Aktuelle Technische Daten

Talstation von der Strecke aus gesehen
  • Höhe Talstation: 678,5 m
  • Höhe Bergstation: 1397 m
  • Höhenunterschied: 718,5 m
  • Maximale Neigung: 73 %
  • Mittlere Neigung: 46,5 %
  • Schräge Länge: 1722 m
  • Seillänge: 3516 m
  • Seildurchmesser: 47 mm
  • Seilscheibendurchmesser: Antriebscheibe Berg 4,80 m / Umlenkscheibe Tal 5,20 m
  • Anzahl der Stützen: 11
  • Max. Fahrgeschwindigkeit: 5 m/s
  • Kürzeste Fahrzeit: 5,74 Minuten
  • Fahrbetriebsmittel (Gondeln): 24 + 4 Kabinen
  • Maximale Personenbeförderung: 1000 Personen je Stunde
  • Kleinste Folgezeit der Kabinen: 28,80 sec. (144 m)
  • Motorleistung: maximal 555 kW (Anfahrleistung 0,15 m/s² - voll auf, leer ab)
  Commons: Muttersbergseilbahn  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Daten diesem Kapitel aus: „40 Jahre Alpenseilbahn Muttersberg“ (1956-1996), Nr. 88/Oktober 1996, Rathausinformation, Amtliche Mitteilung.
  2. Insbesondere wurde auch der bisherige Ward-Leonard-Satz durch eine Thyristorregelung (100 kW) ersetzt (Fa. AEG).
  3. Die letzte Generalversammlung der Seilbahngesellschaft fand am 4. November 1993 statt. Es wurde der Beschluss gefasst die Seilbahnanlage und die Liegenschaften an den neu zu gründenden Gemeindeverband zu veräußern. Die Gesellschaft trat zum 31. Dezember 1993 in das Stadium der Liquidation und wurde am 16. Februar 1995 im Firmenbuch des Landesgerichtes Feldkirch amtswegig gelöscht.
  4. Gemeindeverband gemäß dem Vorarlberger Gemeindegesetz. Obmann des Gemeindeverbandes wurde Dr. Erwin Kositz.
  5. Die Aufteilung des Investitions- und Betriebsaufwandes erfolgte im Verhältnis 70:30 zwischen der Stadt Bludenz und der Gemeinde Nüziders.