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vom 28.06.2017, aktuelle Version,

Muttersprache (Verein)

Der Verein Muttersprache ist der größte und älteste deutsche Sprachverein Österreichs. Er hat seinen Sitz in Wien und gibt die Wiener Sprachblätter - Vierteljahresschrift für gutes Deutsch und abendländische Sprachkultur heraus.

Geschichte

Im Jahre 1885 wurde nach einem Aufruf Herman Riegels von Hermann Dunger der Allgemeine Deutsche Sprachverein (ADSV) in Braunschweig gegründet. Bereits am 17. Dezember 1886 wurde in Wien der »Zweig Wien« des ADSV gegründet, der sich zu einem der größten Sprachvereine entwickelte. Am 19. November 1940 machte ein Erlass Hitlers dem ADSV jedoch faktisch ein Ende, weil die Vereinsarbeit erheblich eingeschränkt wurde. Der Wiener Zweig des ADSV begann daraufhin, sich aufzulösen.[1]

1948 entschlossen sich ehemalige Mitglieder des Wiener Zweigs, einen selbständigen Verein zu gründen. Am 23. November 1949 wurde nach einer Rede des ehemaligen Herausgebers der 1931 gegründeten Wiener Sprachblätter, des Hauptschuldirektors Konrad Richter, der Verein „Muttersprache“ gegründet. [2] Erster Obmann wurde Karl Tekusch, der letzte Obmann des Wiener Zweigs des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (1936–1943). Der Verein wuchs rasch und ist heute der größte Sprachverein Österreichs.

Im Jahr 2002 übergab der Verein dem österreichischen FPÖ-Nationalratsabgeordneten Gerhard Kurzmann 7.347 Unterschriften gegen „Denglisch“ und eine Petition, die der Abgeordnete in den Petitionsausschuss des Parlamentes einbrachte.[3]

Ziele des Vereins

Ziele des Vereins sind (wie schon des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins 1885): „Das eigentümliche Wesen der deutschen Sprache zu pflegen, Liebe und Verständnis für die Muttersprache zu wecken, den Sinn für die Schönheit und Reinheit zu beleben. Wir betonen die Stellung zum Fremdwort: Kein Fremdwort für das, was deutsch gut ausgedrückt werden kann.“ Eine Fürschrift des Vereins von 1968 (Erwin Mehl: Verein Muttersprache, Ziel und Weg) nennt (in dieser Reihenfolge) die Ziele „Verständnis, Liebe und Pflege der deutschen Sprache in den Bereichen Schrift(bild), Schreibung, Wortschatz und Wortgefüge“.

Daneben bevorzugt der Verein die traditionelle Rechtschreibung.

Folgende Ziele werden auf der Seite der Vereinszeitschrift genannt:[4]

  • Bekämpfung überflüssiger Fremdwörter
  • Sprachkritik
  • Förderung des Sprachbewusstseins
  • Ausdruck von Kritik an der Rechtschreibreform
  • Pflege der Mundart
  • Pflege der deutschen Schriften

Verbindungen zu anderen Organisationen

Der Verein unterhält Kontakte zu anderen Sprachpflegevereinen, u.a. durch den Dachverband „Netzwerk Deutsche Sprache“.

Der Verein hat laut dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) in den 1990er Jahren Kontakte zu Organisationen wie der Österreichischen Landsmannschaft oder der Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik, die nach Angaben des DÖW rechtsextrem sind.[5]

Obmänner (Vorsitzende)

  • 1949–1954 Karl Tekusch (1890–1977)
  • 1954–1984 Erwin Mehl (1890–1984)
  • 1984–1987 Fritz Heinrich (1905–1994)
  • 1987–2000 Stefan Micko (1932–2011)
  • 2000–2007 Heinz Dieter Pohl (1942), derzeit Obmann-Stellvertreter
  • 2007–2014 Franz Rader
  • 2014 Dieter Schöfnagel

Literatur

  • Hans Fuchs: 50 Jahre Verein »Muttersprache« Wien. In: Wiener Sprachblätter 49. Jg., Teil 1 [Gründung]: Heft 1, März 1999, S. 6; Teil 2 [Wiener Sprachblätter, Karl Tekusch und Erwin Mehl]: Heft 2, Juni 1999, S. 42–45; Teil 3 [Fritz Heinrich]: Heft 3, September 1999, S. 92–93; Teil 4 [Stefan Micko]: Heft 4, Dezember 1999, S. 132.
  • Heinz Dieter Pohl: Sprachpflege heute. Vortrag am 7. April 2000 anläßlich der Fünfzig-Jahr-Feier der Wiener Sprachblätter und des Vereins „Muttersprache“, in: Wiener Sprachblätter 50. Jg., Heft 2, Juni 2000, S. 70–73.

Quellen

  1. In ihrem Standardwerk Die Gesellschaft für Deutsche Sprache. Vorgeschichte, Geschichte und Arbeit eines deutschen Sprachvereins. (Beiträge Zur Sprachwissenschaft 28, Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien: Lang, 2004) konstatiert Silke Wiechers, daß von einer Zwangsauflösung des ADSV nicht gesprochen werden kann und "daß eine derartige Stilisierung in eine Opferrolle nicht angemessen ist." (ebd., S. 58.) Zahlreiche Zweigvereine waren bis zum Kriegsende und sogar noch danach aktiv. (ebd., S. 56 ff.)
  2. Hans Fuchs: 50 Jahre Verein »Muttersprache« Wien. In: Wiener Sprachblätter 49. Jg., Heft 1, März 1999, S. 6
  3. Gottfried Fischer: Aus der Schriftleitung, in: Wiener Sprachblätter 2/2002, Seite 71
  4. Ziele des Vereins „Muttersprache“ (Memento vom 23. März 2007 im Internet Archive)
  5. Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, 2. Auflage, Wien 1996, S. 118 und S. 192