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vom 28.05.2017, aktuelle Version,

Observatorium Sonnblick

Zittelhaus (links) und das Observatorium im Juli 2007
Observatorium im Winter
Sonnenscheinautograph auf der Plattform des Observatoriums ( 3111 m)
Antennen des Observatoriums

Das Observatorium Sonnblick ist eine Einrichtung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und steht auf dem Gipfel des zur Salzburger Marktgemeinde Rauris gehörenden Hohen Sonnblick (3106 m). Der Rauriser Sonnblick ist Teil der Goldberggruppe und liegt in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern.

Österreichs höchstgelegene meteorologische Beobachtungsstation ist ganzjährig mit Personal besetzt und wurde seit ihrer Gründung vor 130 Jahren nur an vier Tagen nicht betreut. Seit 1892 ist der Sonnblickverein der Eigentümer des Observatoriums. Der Betrieb und die Instandhaltung werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, sowie durch Vereins- und Sponsoringbeiträge finanziert.

Entstehung und Betrieb

Der zweite Weltkongress der Meteorologen 1879 in Rom förderte eine gemeinsame Erforschung der Erdatmosphäre.

Auf Initiative des Meteorologen Julius von Hann, Direktor der ZAMG, der einen Vorschlag von Ignaz Rojacher aus Rauris aufgriff, sollte 1885 mit dem Bau eines Höhenobservatoriums am heutigen Standort begonnen werden. Beweggrund war, die höheren Luftschichten von einer Station im Hochgebirge aus zu erforschen. Damit sollten zuverlässig Vergleichswerte zu den Bodenmessungen, sowie zu den damals aufkommenden Ballonmessungen bereitgestellt werden.

Aus finanziellen Gründen verzögerte sich der Baubeginn um ein Jahr. Schlussendlich wurden die Baukosten von rund 5.700 Gulden von der ÖGM und privaten Geldgebern finanziert. Der Bau der Wetterwarte kam 1886 mit Unterstützung des Rauriser Bergwerkbesitzers Ignaz Rojacher zustande. Zur Baustelle auf dem Gipfel des Rauriser Sonnblick in 3.106 m Höhe musste das gesamte für den Bau benötigte Material getragen oder mit behelfsmäßigen Seilbahnen gezogen werden.

Am 2. September 1886 konnte das höchstgelegene ganzjährig betriebene Observatorium der Welt eröffnet werden. Es bestand da aus dem "alten Wetterturm und einer kleinen Hütte (daneben)" zum Übernachten und Essen der Forscher, zu der Herr Dr. Zittel, Präsident des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins (DuOeAV) auch finanziell beigetragen hatte.[1]

Bei der grundlegenden Erneuerung des Gebäudes im Jahre 1986 entstand zusätzlich zur meteorologischen Station auch eine Station zur luftchemischen Hintergrundmessung. Die Höhenlage dieser Meßstation fernab von Emissionsquellen war dabei von besonderer Bedeutung. Dies war der Grundstein für eine breit angelegte interdisziplinäre Umweltforschung.

Mittlerweile hat die Anzahl der Forschungsprojekte stark zugenommen. Untersuchungen betreffend Luftreinhaltung und Transport von Luftverunreinigungen wurden ausgebaut, die Klimaforschung forciert. Ursachen der Klimaänderung und Auswirkungen im Hochgebirge werden untersucht. Für das Observatorium Sonnblick ist der geologische Aspekt relevant.

Das Gestein am Gipfel des Hohen Sonnblick ist von Rissen durchzogen. Es wird gekittet durch Permafrost, der durch klimatische Erwärmung seit 1980 auftaut und sich zurückzieht, so dass der Berg zu bröckeln beginnt. 2003 und 2004 wurden daher Betonklammern mit Felsankern seitlich am Gipfel angelegt. Sie sollen dazu beitragen, den Felsen unter den Fundamenten der Wetterstation und des Zittelhauses ausreichend zu stabilisieren.

Das Observatorium Sonnblick wird von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) betrieben. Jeweils zwei Techniker der ZAMG haben 14 Tage durchgehend Dienst in der Station. Sie garantieren unter anderem, dass alle Messgeräte durchgehend und richtig messen. Die moderne Infrastruktur ermöglicht die Messungen von extrem schwach konzentrierten, klimatisch aber sehr relevanten Spurenstoffen in einer Reinluftumgebung.

Durch die ganzjährige Beobachtung besitzt das Observatorium Sonnblick vollständige Datenreihen auch aus einer Zeit, in der diese noch nicht automatisch aufgezeichnet, gespeichert oder übermittelt werden konnten. Aus diesem Datenbestand ergibt sich die längste ununterbrochene Klimazeitreihe für das Hochgebirge. Genaue Datenreihen über lange Zeiträume sind zur Erfassung von Klimaveränderungen unabdingbar.

Aufbauend auf den Ergebnissen einer seit 130 Jahren (bis auf 4 Tage nach dem Ende des 1. Weltkrieges) lückenlos erfassten Messreihe meteorologischer Größen, konnten sich am Observatorium Sonnblick in den letzten Jahren eine Vielzahl von Projekten rund um die Themen Atmosphärenphysik und Atmosphärenchemie ansiedeln.

Seit Mai 2016 wird das Observatorium erstmals getrennt vom ZAMG Salzburg und erstmals von einer Frau, der deutsch-österreichischen Meteorologin Elke Ludewig (*1987)[2] geleitet. Nachdem sie als kleines Kind das Buch Der Sonnblick ruft (1952) fasziniert hatte, stand sie mit 6 Jahren erstmals am Sonnblick, studierte Meteorologie und forscht nun hier und im ZAMG-Büro in Salzburg über Wolkenphysik. 2012 – Februar 2014 leitete sie das Überwinterungsteam auf der Neumayer.[3][4]

Messungen und Klimaeigenschaften

Bereits seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen wurden neben den meteorologischen Messungen (Temperatur, Luftdruck, Feuchte, Niederschlag, Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Sonnenscheindauer) unter anderem auch die luftelektrischen Erscheinungen, die kosmische Höhenstrahlung, sowie Gletscherwuchs und -veränderung beobachtet.

Durch den Standort am Alpenhauptkamm auf über 3.100 Meter Seehöhe in nahezu freier Atmosphäre, sowie durch die ganzjährig stationäre Betreuung der Anlagen durch Techniker der ZAMG, ist im letzten Jahrzehnt aus der ursprünglichen Wetterstation ein interdisziplinärer Forschungsstandort mit sehr guter technischer Ausstattung geworden.

Mittlerweile hat die Anzahl der Forschungsprojekte stark zugenommen. Die Ausrichtung und damit die Ziele der einzelnen Programme sind sehr vielfältig geworden. An österreichischen Beiträgen sind mehrere Forschungseinrichtungen beteiligt: Das Umweltbundesamt misst atmosphärische Spurengase, die Universität für Bodenkultur Wien die vertikale Ozonsäule und die UV-B-Strahlung und die Technische Universität Wien Aerosole.

Nationale und internationale Universitäten sowie Forschungseinrichtungen unterschiedlicher Fachgebiete (z. B. Meteorologie, Glaziologie, Chemie, Strahlung, Radioaktivität, Geologie, Biologie, Geodäsie) nutzen das Observatorium, in dem jährlich an mehr als 40 Forschungsprogrammen interdisziplinär gearbeitet wird.

Das Global Atmosphere Watch (GAW) ist ein weltweites Programm der World Meteorological Organization (WMO) zur großräumigen Überwachung der chemischen Zusammensetzung der Erdatmosphäre. Messungen fern ab von Schadstoffquellen sollen ein frühes Erkennen von Veränderungen ermöglichen. Im Mai 2016 wurde das Observatorium Sonnblick zu einer der 40 hochwertigsten Stationen des Global Atmosphere Watch ernannt. Etwa 300 Stationen nehmen weltweit an GAW teil.[5]

Das Observatorium am Sonnblick maß am 1. Jänner 1905 mit −37,4 °C die tiefste jemals in Österreich gemessene Temperatur.[6] Die größte Schneehöhe in Österreich wurde am 9. Mai 1944 mit 11,9 m am Sonnblick gemessen.

Klimatabelle

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Sonnblick
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -9 -10 -8 -6 -1 2 5 5 2 -2 -6 -8 Ø −3
Min. Temperatur (°C) −14 −14 -13 -10 -6 -3 0 0 -3 -6 -10 -13 Ø −7,6
Niederschlag (mm) 127,5 110,1 152,2 159,0 139,1 146,0 164,4 147,9 116,9 120,0 145,2 144,6 Σ 1.672,9
Sonnenstunden (h/d) 3,88 4,7 4,47 4,27 4,86 4,85 5,72 5,8 5,36 5,26 3,91 3,45 Ø 4,7
Regentage (d) 15 14 18 19 17 18 18 16 14 13 15 16 Σ 193
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
-9
−14
-10
−14
-8
-13
-6
-10
-1
-6
2
-3
5
0
5
0
2
-3
-2
-6
-6
-10
-8
-13
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
127,5
110,1
152,2
159,0
139,1
146,0
164,4
147,9
116,9
120,0
145,2
144,6
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Siehe auch

Literatur

  Commons: Observatorium Sonnblick  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Meteorologin Elke Ludewig über die Erforschung des Weltklimas. oe1.orf.at, Sendung 28. Mai 2017.
  2. Elke Ludewig salzburg.com, Salzburgwiki, 12. Mai 2016‎ – 28. Aug. 2016‎, abgerufen 28. Mai 2017.
  3. Elke Ludewig übernimmt Leitung des Sonnblick-Observatoriums ZAMG, 11. Mai 2016, abgerufen 28. Mai 2017.
  4. Gedanken: Betrachtungen von oben. Die Meteorologin Elke Ludewig über die Erforschung des Weltklimas. Anlässlich des ORF-Schwerpunktes Mutter Erde / Klimaschutz. Gestaltung: Claudia Gschweitl oe1.orf.at, Sendung 28. Mai 2017, 9h05. 7 Tage nachhörbar.
  5. Elke Ludewig übernimmt Leitung des Sonnblick-Observatoriums ZAMG, 11. Mai 2016, abgerufen 28. Mai 2017.
  6. 130 Jahre Sonnblick-Observatorium. www.zamg.ac.at, abgerufen am 16. April 2017.
  7. 1 2 3 Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Wien: Bücher (abgerufen am 11. Oktober 2012)