unbekannter Gast
vom 11.03.2018, aktuelle Version,

Olympische Winterspiele 1964/Eisschnelllauf

Olympische Ringe

Bei den IX. Olympischen Spielen 1964 in Innsbruck wurden acht Wettbewerbe im Eisschnelllauf ausgetragen. Austragungsort war das Olympia Eisstadion Innsbruck.

Vorschau

Die Vorschau des »Sport-Zürich« in seiner Ausgabe vom 29. Januar 1964 geht davon aus, dass alle vier Herrenbewerbe völlig offen seien. Verschiedene Favoriten (Jewgeni Grischin, Jonny Nilsson) hätten ihre Karten noch nicht aufgedeckt, andere (wie der neue sowjetische 1.500-m-Meister Lew Saizew und auch die US-Sprinter) würden ohne vorangegangene internationale Tests antreten. Auf Grund der Eisqualität (das bei der Präparierung verwendete Wasser enthalte zu viel Kalk) und die Olympiabahn mit Gegenwind auf der Geraden würden kaum Weltrekorde möglich sein. Es werde auch keine Vormachtstellungen geben, gerade die kürzlich stattgefundenen Europameisterschaften in Oslo hätten bewiesen, dass viele Favorits sich nicht durchsetzen konnten. Weltmeister und Weltrekordmann Jonny Nilsson sei gar nur Zehnter geworden. Die Weltklasse sei derart breit geworden, ein kleiner technischer Fehler, eine leichte Indisponiertheit kann die gründlichste und ausgedehnteste Vorbereitung in Frage stellen.

Auch der Unterschied in den klimatischen Verhältnissen lasse keine Vergleiche zwischen Oslo und Innsbruck zu, sogar die zehn Tage, die zwischen den Bewerben in Norwegen und nun in Tirol liegen, könnten ausschlaggebend sein. Zwar würden nur jene, die auf den aktuellen Bestenlisten stünden, Olympiasieger werden können.

Bei Grischin sei wahrscheinlich, dass seine Landsleute Rafael Gratsch und Wladimir Orlow seine größten Konkurrenten nebst einem der US-Läufer (Bill Disney, Eddie Rudolph, Tom Gray und Richard McDermott) sein würden. Außenseiter seien die beiden Schweden Heike Hedlund und Björn Lekman.

Über 1.500 m werde Grischin ohne Chancen starten, Saizew sei der logische Favorit; es wurden Namen wie Ants Antson und zwei offensichtlich doch nicht berücksichtigte Herren, Juri Jumasjev und Woronin, weiters Dick Hunt, Stan Fail und Buddy Campbell oder Manne Lavås, Jonny Nilsson und Hedlund, dazu Rudie Liebrechts und Günter Traub genannt.

Über 5.000 und 10.000 sei trotzdem Jonny Nilsson der Mann, der geschlagen werden müsse. Medaillenanwärter seien auch noch die Norweger Knut Johannesen, Per Ivar Moe und Fred Anton Maier, die Sowjets Ants Antson, Juri Jumasjev und Eduard Matussewitsch, weiters noch die Holländer Liebrechts und Kees Verkerk und die Schweden Ivar Nilsson und Örjan Sandler.

Bei den Damen wurde klar festgestellt, dass die sowjetischen Damen (an ihrer Spitze Lidija Skoblikowa) den größten Teil der Medaillen einheimsen werden. Auf den kurzen Distanzen seien auch gewisse Chancen für die US-Starterin Jeanne Ashworth und die Schwedin Gunilla Jacobsson einzuräumen.

Männer

500 Meter

Platz Land Sportler Zeit (s)
1 Vereinigte Staaten  USA Richard McDermott 40,1 (OR)
2 Sowjetunion 1955  URS Jewgeni Grischin 40,6
Sowjetunion 1955  URS Wladimir Orlow 40,6
Norwegen  NOR Alv Gjestvang 40,6
5 Japan  JPN Keiiti Suzuki 40,7
6 Vereinigte Staaten  USA Edward John Rudolph 40,9

Olympische Spiele 1960: Jewgeni Grischin (URS)
Datum: 4. Februar, 11:00 Uhr
Es gab die Besonderheit von drei Silbermedaillen, weshalb Bronze nicht vergeben wurde.
weiters: 7. Heike Hedlund (SWE) 41,0; 8. ex aequo Bill Disney (USA) & Villy Haugen (NOR) 41,1; 10. ex aequo Hroar Elvenes (NOR) & Raymond Fonvieille (FRA) & Rafael Grach (URS) & Simo Rinne (FIN) 41,4; 16. ex aequo Helmut Kuhnert (EUA) & Pekka Lattunen (FIN) & Fumio Nagakubo (JAP) 41,8; 24. ex aequo Herbert Höfl & Günther Tilch (beide EUA) 42,3; 33. François Brueren (BEL) & Günter Traub (EUA) 43,4; 35. Manfred Zojer (AUT) 43,5; 36. Peter Toyfl (AUT) 43,7; 43. Jean-Pierre Guéron (SUI) 44,9; 44. und Letzter: Thomas Dawson (GBR) 45,2

Nach 12 Jahren (Kenneth Henry) konnte wieder ein US-Sportler Olympiagold im Eisschnelllauf holen. Vorerst lagen Grischin, Orlow und Gjestvang in Führung. McDermott hatte schon den Probebewerb gewonnen, er unterbot Grischins Olympiarekord von 1960 um eine Zehntel Sekunde. Dabei profitierte er, der im 17. Paar startete, von den besser geworden Bedingungen: vor ihm war Fumio Nagakobu (JAP) gestürzt und hatte die Zeitnehmung beschädigt, deren Reparatur bei zehn Minuten dauerte. Mittlerweile war die Sonne durchgekommen und hatte das Eis schneller gemacht. Allerdings war die Wartezeit auch eine Nervenprobe gewesen, logische Folge war ein Fehlstart beim ersten Start mit André Kouprianoff (FRA).

Grischin, der im zweiten Paar mit Rinne (FIN) gestartet war, präsentierte sich als der unerreichte Stilist, während McDermott es hauptsächlich mit der Kraft machte; er war sogar einmal auf den ersten 100 m aus dem Rhythmus gekommen. Grischin war in der Kurve ganz an den Rand der Bahn gekommen, was wertvolle Zeit gekostet hatte. Alv Gjestvang hatte zwar bereits 1956 Bronze über dieselbe Distanz errungen, trotzdem waren ihm diesmal keine Chancen eingeräumt worden, er legte ein großartiges Finish hin. Einiges war auch noch von Bill Disney (USA) (Olympiasilber 1960) erwartet worden, doch er wurde mit 41,1 sec. gestoppt. Bereits erster Starter (zusammen mit ?) war der Weltrekordhalter Tom Gray (USA) – er war dieses Jahr bereits (wie Grischin) 39,5 sec. gelaufen – gewesen, doch kam er in mäßigen 41.5 sec. ins Ziel.

Der erste österreichische Starter war Peter Toyfl (sein Laufpartner war Helmut Kuhnert (EUA)), der in 43,7 sec. den von Ex-Europameister Karl Wazulek gehaltenen nationalen Rekord von 44,2 sec. unterbot, aber Manfred Zojer war nochmals schneller (43,5 sec.).[1][2]

1500 Meter

Platz Land Sportler Zeit (min)
1 Sowjetunion 1955  URS Ants Antson 2:10,3
2 Niederlande  NED Cornelis Verkerk 2:10,6
3 Norwegen  NOR Villy Haugen 2:11,2
4 Finnland  FIN Jouko Launonen 2:11,9
5 Sowjetunion 1955  URS Lew Saizew 2:12,1
6 Sowjetunion 1955  URS Eduard Matussewitsch 2:12,2
Norwegen  NOR Ivar Eriksen 2:12,2

Olympische Spiele 1960:Roald Aas (NOR) & Jewgeni Grischin (URS)
Datum: 6. Februar
54 Teilnehmer, davon 53 klassiert (Erich Korbel (AUT) nach 300 m [2:21,8] disqualifiziert)
In Klammer sind die Zeiten (ohne Zehntel) bei 300 m, 700 m und 1.100 m angegeben:
Ants Antson URS 2:10,3 (28/1:01/1:35)
Kees Verkerk NED 2:10,6 (28/1:01/1:35)
Villy Haugen NOR 2:11,2 (27/1:00/1:35)
4 Jouko Launonen FIN 2:11,9 (28/1:01/1:35)
5 Lev Zaytsev URS 2,12,1 (27/1:00/1:34)
6 ex aequo Ivar Eriksen NOR (27/1'01/1'36) & Eduard Matusevich URS (28/1:01/1:36) 2:12,2
weiters: 8. Juhani Järvinen (FIN) 2:12,4 (28/1:00/1:35); 9. Magne Thomassen (NOR) 2:12,5 (27/1:01/1:36); 10. Rudi Liebrechts (NED) 2:12,8 (28/1:02/1:36); 11. ex aequo Jewgeni Grischin (URS) (26/1:00/1:36) & Terry Malkin (GBR) (28/1:02/1:36) 2:13,3; 13. Ard Schenk (NED) 2:13,4 (27/1:01/1:37); 17. Günter Traub (EUA) 2:15,3 (28/1:02/1:38); 26. Herbert Höfl (EUA) (28/1:02/1;38) & Eddie Rudolph Jr. (USA) (27/1:01/1:38) 2:16,8, 29. Gerd Zimmermann (EUA) 2'17,3 (29/1:04/1:40); 33. Hermann Strutz (AUT) 2:18,0 (29/1:05/1:41); 39. Jürgen Schmidt (EUA) 2:20,0 (29/1:05/1;41); 44. Ruedi Uster (SUI) 2:23,4 (29/1:05/1:43); 48. Peter Toyfl (AUT) 2:24,2 (29/1:05/1:43); 51. Josef Reisinger (AUT) 2:27,8 (30/1;08/1;47); 53. und Letzter Jean-Pierre Guéron (SUI) 2;32,3 (29/1:07/1;48)
Es hatten sich bei trübem Wetter ca. 10.000 Zuschauer eingefunden. Die Lufttemperatur betrug Minus 2 Grad C, die des Eises Minus 2,5 Grad C. Der Olympiarekord von 2:08,6 war nie in Gefahr, weil die Eisbahn zu hart war. Außerdem fegte zeitweilig ein heftiger Wind verbunden mit Schneetreiben. Wohl starteten einige der Weltklassestars schnell, doch ab der dritten Runde brachen sie ein. Mit Europameister Antson, der im 8. Paar mit dem Deutschen Traub ins Rennen gegangen war und der am rationellesten fuhr, gewann zwar einer der Favoriten Gold, aber danach klassierten sich krasse Außenseiter. Verkerk notierte dieselben Zwischenzeiten wie Antson, doch auf den letzten 50 m verließen ihn die Kräfte, und bei Haugen (schnellste Anfangszeiten) wurde die Schrittfolge zu verkrampft. Liebrechts und Grischin hatten bei ihren Läufen wegen der Windböen überhaupt keine Chance. Nur das Paar Launonen/Malkin, das für sein Leistungsniveau großartige Zeiten erreichte, fand reguläre Verhältnisse vor. Strutz hatte erwartungsgemäß hier nichts mitzureden. [3][4][5]

5000 Meter

Platz Land Sportler Zeit (min)
1 Norwegen  NOR Knut Johannesen 7:38,4 (OR)
2 Norwegen  NOR Per Ivar Moe 7:38,6
3 Norwegen  NOR Fred Anton Maier 7:42,0
4 Sowjetunion 1955  URS Wiktor Kossitschkin 7:45,8
5 Osterreich  AUT Hermann Strutz 7:48,3
6 Schweden  SWE Jonny Nilsson 7:48,4

Olympische Spiele 1960: Wiktor Kossitschkin (URS)
Datum: 5. Februar, 09:00 Uhr
42 gestartet, alle gewertet.
Zeitangaben in Klammer (ohne Zehntel) nach 600 m/1400 m/2200 m/3000 m/3800 m/4600 m: Knut Johannesen NOR 7:38,4 (OR) (57/2:09/3:21/4:34/5:47/7:01)
Per Ivar Moe NOR 7:38,6 (55/2:06/3:18/4:31/5:46/7:01)
Fred Anton Maier NOR 7:42,0 (56/2:08/3:21/4:34/5:48/7:04)
4 Viktor Kosichkin URS 7:45,8 (58/2:11/3:24/4:37/5:52/7:08)
5 Hermann Strutz AUT 7:48,3 (57/2:11/3:24/4:39/5:54/7:10)
6 Jonny Nilsson SWE 7:48,4 (58/2:12/3:27/4:41/5:55/7:10)
weiters: 7. Ivar Nilsson SWE 7:49,0 (56/2:09/3:23/4:38/5:54/7:10); 8. Rudie Liebrechts (NED) 7:50,9 (58/2:13/3:29/4:44/5:58/7:13); 9. Kees Verkerk (NED) 7:51,1 (56/2:09/3:23/4:39/5:56/7:13); 10. Muzakhid Khabibulin (URS) 7:52,3 (57/2:10/3:24/4:40/5:56/7:13); 11. Günter Traub (EUA) 7:53,9 (56/2:09/3:23/4:39/5:56/7:15); 13 Gerd Zimmermann (EUA) 7:56,8 (59/2:15/3:31/4:47/6:03/7:19); 32. Ruedi Uster (SUI) 8:24,8 (59/2:17/3:36/4:57/6:20/7:44); 37. Reinhold Seeböck (AUT) 8:29,6 (1:00/2:20/3:40/5:02/6:24/7:48); 39. Jürgen Schmidt (EUA) 8:36,6 (1:01/2:20/3:42/5:05/6:29/7:55); 40. Peter Büttner (SUI) 8:45,5 (1:00/2:21/3:45/5:09/6:34/8:01); 42. und Letzter Gerhard Strutz (AUT) 8,50:4 (1:02/2:21/3:45/5:11/6:38/8:06).

Überraschung war nicht nur, dass es einen dreifachen norwegischen Erfolg gab, sondern auch, dass die UdSSR ohne Medaille blieb, ihr 1960er-Goldmedaillengewinner „nur“ den vierten Platz belegte.

Die olympischen Rekorde wurden dank der idealen Bedingungen immer wieder unterboten, war 1960 nur Kossitschkin mit 7:51,3 unter 8 Minuten geblieben, waren es diesmal 16 Läufer. Hermann Strutz und Günter Traub gingen als drittes Paar bei völliger Windstille auf die Bahn. Traub zeigte sich erstaunt, als er überholt worden war und er sagte, dass er, der Strutz bisher immer geschlagen habe, perplex war und er nicht die Kraft gehabt habe, den Rückstand aufzuholen. Strutz stellte mehrere österreichische Rekorde und auch bereits mit 7:48,3 (bisher 7:48,7 durch Boris Schilkow in Cortina d'Ampezzo 1956) einen neuen Olympia-Rekord auf, man hatte Strutz um 7:55 eingeschätzt. Es folgte Wiktor Kossitschkin, danach der 19-jährige Elektriker aus Oslo, Per Ivar Moe, der schon mit Zwischenbestzeiten aufhorchen ließ. Johnny Nilsson, Weltrekordhalter in 7:34,3, begann vorerst langsamer als Strutz, drehte erst ab der siebten von zwölf Runden auf, wurde aber wieder langsamer. Fred Anton Meier begann vehement, er blieb jeweils knapp hinter Moe. Der bereits mehrfach mit Medaillen dekorierte 30-jährige Kaufmann Knut Johanessen flog förmlich über die Bahn. Von den Favoriten war noch Rudie Liebrechts ausständig, der zwar schnell begann, dann aber immer mehr zurückfiel – die 7:50,9 waren „lediglich“ niederländischer Rekord.[6][7][8]

10.000 Meter

Platz Land Sportler Zeit (min)
1 Schweden  SWE Jonny Nilsson 15:50,1
2 Norwegen  NOR Fred Anton Maier 16:06,0
3 Norwegen  NOR Knut Johannesen 16:06,3
4 Niederlande  NED Rutgerus Liebrechts 16:08,6
5 Sowjetunion 1955  URS Ants Antson 16:08,7
6 Sowjetunion 1955  URS Wiktor Kositschkin 16:19,3

Olympische Spiele 1960: Knut Johannesen (NOR)
Datum: 7. Februar, 10:00 Uhr
33 gestartet, alle klassiert.
Zeitangaben (ohne Zehntel) nach 1600 m/2800 m/4000 m/5200 m/6400 m/7600 m/8800 m:
Jonny Nilsson SWE 15:50,1 (2:35" 4:29" 6:23" 8:17" 10:11" 12:05" 13:58)
Fred Anton Maier NOR 16:06,0 (2:33| 4:27| 6:23| 8:18| 10:15| 12:12| 14:11)
Knut Johannesen NOR 16:06,3 (2:35| 4:29| 6:23| 8:17| 10:12| 12:09| 14:08)
4 Rudie Liebrechts NED 16:08,6 (2:36| 4:30| 6:27| 8:23| 10:18| 12:14| 14:12)
5 Ants Antson URS 16:08,7 (2:39| 4:34| 6:30| 8:26| 10:22| 12:18| 14:14)
6 Viktor Kosichkin URS 16:19,3 (2:31| 4:25| 6:20| 8:20| 10:19| 12:19| 14:18)
weiters: 7. Gerd Zimmermann (EUA) 16:22,5 (2:39| 4:36| 6:34| 8:32| 10:29| 12:27| 14:25); 8. Terry Malkin (GBR) 16:35,2 (2:38| 4:36| 6:34| 8:33| 10:32| 12:33| 14:33); 9. Kurt Stille (DNK) 16:38,3 (2:39| 4:35| 6:35| 8:35| 10:34| 12:35| 14:36); 10. Ivar Nilsson (SWE) 16:40,3 (2:36| 4:35| 6:36| 8:37| 10:38| 12:39| 14:41); 11. Hermann Strutz (AUT) 16:42,6 (2:42| 4:41| 6:41| 8:41| 10:42| 12:41| 14:41); 19. Günter Traub (EUA) 16:58,4 (2:37| 4:39| 6:43| 8:45| 10:46| 12:50| 14:54); 21. Jürgen Traub (EUA) 17:08,9 (2:41| 4:41| 6:44| 8:50| 10:54| 12:59| 15:05); 29. Ruedi Uster (SUI) 17:23,4 (2:40| 4:44| 6:48| 8:55| 10:59| 13:08| 15:16); 33. und Letzter György Ivánkai (HUN) 17:47,3 (2:51| 4:56| 7:03| 9:09| 11:17| 13:25| 15:36)

Vor über 7.000 Zusehern profitierte Startläufer Johnny Nilsson (er war mit Ruedi Uster auf die 25 Runden gegangen) von den zu diesem Zeitpunkt ausgezeichneten Bedingungen: Sonnenschein, kein Windhauch war zu spüren. Er benötigte fast durchwegs 58 Sekunden für die 400 m lange Runde, hatte Uester bald überrundet und lief wie ein Uhrwerk weiter und blieb knapp hinter dem Olympiarekord, den Knut Johannesen vor vier Jahren mit 15:46,6 aufgestellt hatte. Schon nach dem fünften Paar kam es zur ersten Eisreinigung, die mit Hobeln erfolgte, was sich aber für die nächsten Starter als Nachteil erwies. Bislang hatte man bei 10.000 m mit Schubern von Hand aus die Reinigung vorgenommen. Es kam nicht von ungefähr, dass sieben der erstern Zehn im Klassement in den ersten fünf Paaren gelaufen waren. Betroffen war der nun an die Reihe kommende Johannesen, dem dazu auch Wind entgegenblies. Es gab hinterher zwar Beschwerden durch die UdSSR und Niederlande, aber die Technische Kommission und vor allem der schwedische Schiedsrichter Låftman hatten ausdrücklich auf den Eishobel bestanden und so musste weiter gehobelt werden. Es wäre aber erforderlich gewesen, danach mit einem nassen Tuch die Bahn wieder glatt zu machen. Am meisten benachteiligt waren die Norweger, wobei voraussichtlich nicht nur Johannesen, sondern auch der viel später laufende Maier Nilssons Zeit unterboten hätte. Auch Strutz (im achten Heat) war chancenlos; er überrundete seinen schwachen Partner Ivánkai – 16.42,6 bedeuteten zwar, dass er seinen eigenen österreichischen Rekord (16:49,3) verbessert hatte, doch die hochgeschraubten Erwartungen wurden damit nicht erfüllt, er meinte, er hätte „mit einer günstigeren Startnummer 16:20 laufen können“. Positiv war nur, dass sich der Wiener in den letzten Wochen deutlich verbessert und Läufer, gegen die er bis dahin chancenlos gewesen war, geschlagen hatte.

Eigentlich dachte niemand mehr an eine Verschiebung des Klassements, als viereinhalb Stunden nach Beginn dieser Mammutkonkurrenz im 15. Heat Fred Anton Maier mit Igor Ostashov (URS) abgelassen wurden – und der Norweger, der sogar über fünf Runden geführt hatte, noch Johanessen um 3 Zehntel Sekunden abfing – und Liebrechts verlor seine schon gewonnen geglaubte Bronzemedaille.[9][10][11]

Frauen

500 Meter

Platz Land Sportlerin Zeit (s)
1 Sowjetunion 1955  URS Lidija Skoblikowa 45,0 (OR)
2 Sowjetunion 1955  URS Irina Jegorowa 45,4
3 Sowjetunion 1955  URS Tatjana Sidirowa 45,5
4 Vereinigte Staaten  USA Jeanne Ashwoth 46,2
Vereinigte Staaten  USA Janice Smith 46,2
6 Schweden  SWE Gunilla Jacobsson 46,5

Olympische Spiele 1960: Helga Haase (EUA)
Datum: 30. Januar
weiters: 7. Mary Lawler (USA) 46,6; 8. Helga Haase (EUA) 47,2; 9. Inger Eriksson (SWE) 47,3; 10. Doreen Ryan (CAN) 47,7; 21. Brigitte Reichert (EUA) 49,8; 25. ex aequo Sigrit Behrenz (EUA) & Kornélia Ihász (HUN) 50,9; 28. und Letzte Han Pil-Hwa (KP) 58,5

Der Bewerb wurde bei idealen äußeren Verhältnissen (Eis minus 3 Grad C, Lufttemperatur plus 2 Grad C) ausgetragen, alle Medaillengewinnerinnen unterboten Haases Rekord von 1960 (45,9 sec.) – und nicht die Finninnen, sondern die US-Mädchen waren die schärfsten Rivalinnen der drei Erstplatzierten.[12]

1000 Meter

Platz Land Sportlerin Zeit (min)
1 Sowjetunion 1955  URS Lidija Skoblikowa 1:33,2 (OR)
2 Sowjetunion 1955  URS Irina Jegorowa 1:34,3
3 Finnland  FIN Kaija Mustonen 1:34,8
4 Deutschland Mannschaft Gesamtdeutsch  EUA Helga Haase 1:35,7
5 Sowjetunion 1955  URS Walentina Stenina 1:36,0
6 Schweden  SWE Gunilla Jacobsson 1:36,5

Olympische Spiele 1960: Klara Gussewa (URS)
Datum: 1. Februar
Zeitangaben (ohne Zehntel) nach 200 und 600 m in Klammer:
Lidija Skoblikova URS 1:33,2 (21/56)
Irina Yegorova URS 1:34,3 (20/55)
Kaija Mustonen FIN 1:34,8 (21/57)
4 Helga Haase Squadra (EUA) 1:35,7 (20/57)
5 Valentina Stenina URS 1:36,0 (21/57)
6 Gunilla Jacobsson SWE 1:36,5 (21/57)
weiters: 7. Jan Smith (USA) 1:36,7 (21/57); 8. Kaija-Liisa Keskivitikka (FIN) 1:37,6 (22/59); 9. Inger Eriksson (SWE) 1:37.8 (20/58); 10. Barbara Lockhart (USA) 1:38,6 (21/59); 23. Erika Heinicke (EUA) 1:43,2 (22/1:01); 25. Brigitte Reichert (EUA) 1:44,9 (22/1:02); 27. und Letzte Jarmila Šťastná (ČSR)1:45,8 (22/1:02)

Skoblikova holte in der letzten Runde alles aus sich heraus, nachdem sie einen schwächeren Start gehabt hatte. Stark verbessert zeigte sich Helga Haase. Die Eisverhältnisse waren wiederum gut.[13]

1500 Meter

Platz Land Sportlerin Zeit (min)
1 Sowjetunion 1955  URS Lidija Skoblikowa 2:22,6 (OR)
2 Finnland  FIN Kaija Mustonen 2:25,5
3 Sowjetunion 1955  URS Albertina Kolokolzewa 2:27,1
4 Korea Nord  PRK Kim Song-soon 2:27,7
5 Deutschland Mannschaft Gesamtdeutsch  EUA Helga Haase 2:28,6
6 Schweden  SWE Christina Scherling 2:29,4

Olympische Spiele 1960: Lidija Skoblikowa (URS)
Datum: 31. Januar
30 am Start, alle klassiert.
Zeitangaben (ohne Zehntel) nach 300, 700 und 1100 m in Klammer:
Lidija Skoblikowa URS 2:22,6 (30/1:07/1:44)
Kaija Mustonen FIN 2:25,5 (30/1:07/1:46)
Albertina Kolokolzewa URS 2:27,1 (30/1:07/1:47)
4 Kim Song-soon (PRK) 2:27,7 (30/1:07/1:47)
5 Helga Haase (EUA) 2:28,6 (30/1:08/1:47)
6 Christina Lindblom SWE 2:29,4 (30/1:08/1:47)
weiters: 7. Valentina Stenina (URS) 2:29,9 (30/1:08/1:48); 8. Kaija-Liisa Keskivitikka (FIN) 2:30,0 (31/1:09/1:49); 9. Han Pil-hwa (PRK) 2:30,1 (30/1:08/1:48); 10. Hatsue Nagakubo (JAP) 2:30.9 (30/1:09/1:49); 21. Inge Lieckfeldt (EUA) 2:36,2 (33/1:13/1:54); 28. Erika Heinicke (EUA) 2:40,4 (32/1:13/1:55); 30. und Letzte An Sen-za (PRK) 2:44,7 (32/1:12/1:53)

Skoblikova hatte sich das Rennen wunderbar eingeteilt, war nicht zu schnell gestartet, steigerte sich aber mit raumgreifenden Schritten – und wäre ihr nicht in der zweiten Runde ein Schrittfehler unterlaufen, hätte sie noch schneller sein können. Auch Mustonen hatte sich ihre Marschtabelle gut eingeteilt. Hingegen lief Haase verkrampft, sie befand sich nicht in bester Form.[14][15]

3000 Meter

Platz Land Sportlerin Zeit (min)
1 Sowjetunion 1955  URS Lidija Skoblikowa 5:14,9
2 Sowjetunion 1955  URS Walentina Stenina 5:18,5
Korea Nord  PRK Han Pil-hwa 5:18,5
4 Sowjetunion 1955  URS Klara Nesterowa 5:22,5
5 Finnland  FIN Kaija Mustonen 5:24,3
6 Japan  JPN Hatsue Nagakubo 5:25,4

Olympische Spiele 1960: Lidija Skoblikowa (URS)
Datum: 2. Februar
28 gestartet, alle klassiert.
Zeitangaben (ohne Zehntel) nach 600 m/1400 m/2200 m und 2600 m in Klammer:
Lidija Skoblikova URS 5:14,9 (1:00/2:23/3:48/4:31)
Argento Han Pil-Hwa (PRK) 5:18,5 (1:00/2:23/3:49/4:33)
Valentina Stenina URS 5:18,5 (1:01/2:24/3:51/4:35)
4 Klara Guseva URS 5:22,5 (1:03/2:26/3:54/4:38)
5 Kaija Mustonen FIN 5:24,3 (1:02/2:27/3:55/4:40)
6 Hatsue Nagakubo JAP 5:25,4 (1:05/2:30/3:57/4:41)
weiters: 7. Kim Song-Soon (PRK) 5:25,9 (1:00/2:25/3:54/4:40); 8. Doreen McCannell (CAN) 5:26,4 (1:01/2:27/3:55/4:41); 9. Christina Lindblom (SWE) 5:27,6 (1:03/2:29/3:56/4:40); 10. Kaija-Liisa Keskivitikka (FIN) 5:29,4 (1:04/2:31/3:59/4:45); 17. Rita Blankenburg (EUA) 5:40,8 (1:06/2:34/4:07/4:54); 21. ex aequo Inge Lieckfeldt (EUA) (1:07/2:36/4:08/4'56) & Sylvia White (USA) (1:04/2:31/4:06/4:54) 5:42,7; 28. und Letzte Erika Heinicke (EUA) 5:56,0 (1:08/2:40/4:17/5:07)

6.000 Zuschauer sahen den erwarteten Sieg der Favoritin Skoblikova, die somit ihre insgesamt sechste Goldmedaille gewann. Für eine echte Sensation sorgte die im letzten Heat gestartete Nordkoreanerin Han Pil-Hwa, die mit derselben Zeit wie Valentina Stenina auch Silber erreichte. Die Eisverhältnisse waren bedingt durch das warme Wetter unterschiedlich. Nach dem vierten Paar wurde es weicher und langsamer, nach Paar Nr. 10 wieder härter; dieser Umstand kam Han Pil-Hwa sehr zugute.[16]

Einzelnachweise

  1. «Sonne half Amerikaner zu Sensationsgold»; «Kurier Wien» vom 5. Februar 1964, Seite 9
  2. «Gold für den „schnellsten“ Friseur der Welt»; «Kleine Zeitung Graz» Nr. 29 vom 5. Februar 1964, Seite 14
  3. «E. Grischin vom Winde verweht»; «Kronen-Zeitung» vom 7. Februar 1964, Seite 17, links unten
  4. «Je 1 Medaille für UdSSR, Holland und Norwegen»; «Kleine Zeitung Graz» Nr. 31 vom 7. Februar 1964, Seite 16
  5. «Bis zur letzten Sekunde überaus spannend»; «Kleine Zeitung Graz» Nr. 32 vom 8. Februar 1964, Seite 12 (oder 13)
  6. «Grandioser Strutz wurde Fünfter»; «Kurier Wien» vom 6. Februar 1964, Seite 8
  7. «Hermann Strutz Sensations-Fünfter . Besser als der olympische Rekord»; «Kronen-Zeitung» vom 6. Februar 1964, Seite 18
  8. «Olympiarekord – gleich sechsmal unterboten»; «Kleine Zeitung Graz» Nr. 30 vom 6. Februar 1964, Seite 15, Mitte
  9. «10.000 m: Goldene Startnummer 1»; «Kurier Wien» vom 8. Februar 1964, Seite 8, Mitte links
  10. «Johnny Nilsson: Erster mit Nummer 1»; «Kronen-Zeitung» vom 8. Februar 1964, Seite 18, unten
  11. «Schwedens Weltmeister auch Olympiasieger»; «Kleine Zeitung Graz» Nr. 32 vom 8. Februar 1964, Seite 15
  12. «Ein dreifacher Sowjetsieg»; «Kronen-Zeitung» vom 31. Januar 1964, Seite 17, Spalte 1
  13. «3. Goldmedaille für Skoblikova (UdSSR)»; «Kleine Zeitung Graz» Nr. 27 vom 2. Februar 1964, Seite 16, Spalte 1, Mitte
  14. «Skoblikowa hat 2 Goldene»; «Kurier Wien» vom 1. Februar 1964, Seite 9, Spalten 2 und 3, Mitte
  15. «Zweite Goldmedaille für Russin Skoblikowa»; «Kleine Zeitung Graz» vom 1. Februar 1964, Seite 14
  16. «Nordkoreanerin sorgte für echte Sensation»; «Kleine Zeitung» Graz Nr. 28 vom 4. Februar 1964, Seite 19