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vom 25.03.2018, aktuelle Version,

Oppidum von Gründberg

der Südwall des Oppidum Gründberg mit dem Pöstlingberg im Hintergrund

Das Oppidum von Gründberg ist eine spätlatènezeitliche keltische Höhensiedlung nördlich von Linz in Oberösterreich. Das Oppidum liegt auf dem Gründberg, einem von Nord nach Süd verlaufenden Höhenrücken der Böhmischen Masse. Diese Siedlung war Stützpunkt eines schon seit prähistorischer Zeit benutzten Verkehrswegs, der die Voralpen quer durch das Mühlviertel mit dem Moldautal und dem Oppidum Třísov bei der Burg Dívčí Kámen in Böhmen auf dem kürzesten Wege verbindet.

Beschreibung

Die Höhensiedlung hatte eine Größe von gut 50 ha und war im Westen und Osten durch natürliche Steilabbrüche geschützt, im Norden verlief eine doppelte Wallbefestigung. Der nördlichere der beiden Wälle hatte ein Zangentor.

Funde

In der Dammaufschüttung des 500 Meter entfernten südlichen Walles wurden im Jahr 1997 vier Eisendepots ausgegraben. Diese Depots befanden sich unmittelbar hinter einer 3 m hohen Blendmauer und liegen in regelmäßigen Abständen von knapp 3 Metern voneinander entfernt. Die lage- und bautechnischen Gegebenheiten lassen auf ein Bauopfer schließen. Im ersten Depot befanden sich 16 Objekte mit einem Gesamtgewicht von etwa 20 kg. Im zweiten Depot lagen 12 Objekte, die fast 10 kg wogen. Das dritte Depot bestand aus 13 Objekten. Das vierte Depot umfasste lediglich 2 Barrenfragmente mit etwa 10 kg.

Die 45 Fundobjekte aus teils qualitativ hochwertigem Stahl mit einem Gesamtgewicht von über 60 kg bestanden aus Werkzeugen (Schlüssel, Beile, verschieden geformte Schmiedehämmer, Ambosse), Küchengeräten (Bratspieß, Fleischgabel, Aschenschaufel, Kesselfragmente, Kesselhaken), Waffen (zwei Schwerter, Spieße, ein Dreizack) und Wagenbeschlägen (Radnaben, Radreifen). Die beiden Schwerter werden als ältere Objekte des Fundes datiert, die übrigen Gerätschaften sind aus der Spätlatènezeit. Alle Funde weisen Gebrauchsspuren auf, sind aber größtenteils noch gebrauchsfähig. Das Fragment einer Tüpfelplatte zum Guss von Schrötlingen (Münzrohlingen) könnte auf eine Münzwerkstätte in der Siedlung hinweisen. Abbildungen der Eisenfunde vom Gründberg sowie einer Tüpfelplatte (vom Titelberg in Luxemburg als Beispiel) sind im Bildband „Kelten. Bilder ihrer Kultur“ zu sehen.[1]

Bilder

Siehe auch

Literatur

  • Christine Ertel/Otto Helmut Urban/Erwin M. Ruprechtsberger: Keltische Eisendepotfunde vom Gründberg. Archäologie Österreichs 8/2, 1998, S. 34 f.
  • Christine Ertel/Otto Helmut Urban/Erwin M. Ruprechtsberger: Eine neue spätkeltische Befestigungstechnik. Ergebnisse der Ausgrabungen auf dem Gründberg bei Linz 1998. Archäologie Österreichs 9/2, 1998, S. 16 ff.
  • Erwin M. Ruprechtsberger/Otto Helmut Urban: Vom Keltenschatz zum frühen Linze. Begleitband zur Ausstellung „Vom Keltenschatz zum frühen Linze“ im NORDICO Stadtmuseum Linz 8.2.-20.5.2013. Linz 2013, ISBN 978-3-85484-442-6.
  • Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 700 f.
  • Otto Helmut Urban/Erwin M. Ruprechtsberger: Der Gründberg. Linzer Archäologische Forschungen 27, 1998, S. 59 ff.
  • Otto Helmut Urban/Erwin M. Ruprechtsberger: La site fortifié du Gründberg. In: Forgerons et Ferailleurs, fer et savoire-faire à l'époque celtique, Bibracte, Musée de la civilisation celtique, Glux-en-Glenne, 2003, S. 16 ff.
  • Otto Helmut Urban: Der lange Weg zur Geschichte: die Urgeschichte Österreichs. Ueberreuter, 2000, ISBN 978-3-800-03773-5.
  • PDF Leonhard Franz, Franz Stroh: Die keltische Niederlassung auf dem Gründberg. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines. Band 89, 1940, S. 215–238.

Einzelnachweise

  1. Helmut Birkhan: Kelten. Bilder ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2814-2, S. 344, Bilder  625, 627.