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vom 03.06.2017, aktuelle Version,

Oppidum von Gründberg

Das Oppidum von Gründberg ist eine spätlatènezeitliche keltische Höhensiedlung nördlich von Linz in Oberösterreich. Unter einem Oppidum versteht man eine befestigte Siedlung oder Schanzanlage. Der Gründberg ist ein von Nord nach Süd verlaufender Höhenrücken, der zur Böhmischen Masse gehört. Diese Siedlung liegt an einem schon seit prähistorischer Zeit benutzten Verkehrsweg, der die Voralpen quer durch das Mühlviertel mit dem Moldautal in Böhmen auf dem kürzesten Wege verbindet.

Die Höhensiedlung hatte eine Größe von rund 50 ha und war im Westen und Osten durch natürliche Steilabbrüche geschützt, im Norden verlief eine doppelte Wallbefestigung. Der nördlichere der beiden Wälle hatte ein Zangentor, in der Dammaufschüttung des südlichen Walles wurden zwei Eisendepots ausgegraben. Diese Depots befanden sich unmittelbar hinter einer 3 m hohen Blendmauer. Die Fundobjekte mit einem Gesamtgewicht von über 60 kg bestanden aus Werkzeugen (Schlüssel, Beile, verschieden geformte Schmiedehämmer, Ambosse), Küchengeräten (Bratspieß, Fleischgabel, Aschenschaufel, Kesselfragmente, Kesselhaken), Waffen (zwei Schwerter, Spieße, ein Dreizack) und Wagenbeschlägen (Radnaben, Radreifen). Die beiden Schwerter werden als ältere Objekte des Fundes datiert, die übrigen Gerätschaften sind aus der Spätlatènezeit. Alle Funde weisen Gebrauchsspuren auf, sind aber größtenteils noch gebrauchsfähig. Das Fragment einer Tüpfelplatte zum Guss von Schrötlingen (Münzrohlingen) könnte auf eine Münzwerkstätte in der Siedlung hinweisen. Abbildungen der Eisenfunde vom Gründberg sowie einer Tüpfelplatte (vom Titelberg in Luxemburg als Beispiel) sind im Bildband „Kelten. Bilder ihrer Kultur“ zu sehen.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Christine Ertel/Otto Helmut Urban/Erwin M. Ruprechtsberger: Keltische Eisendepotfunde vom Gründberg. Archäologie Österreichs 8/2, 1998, S. 34 f.
  • Christine Ertel/Otto Helmut Urban/Erwin M. Ruprechtsberger: Eine neue spätkeltische Befestigungstechnik. Ergebnisse der Ausgrabungen auf dem Gründberg bei Linz 1998. Archäologie Österreichs 9/2, 1998, S. 16 ff.
  • Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 700 f.
  • Otto Helmut Urban/Erwin M. Ruprechtsberger: Der Gründberg. Linzer Archäologische Forschungen 27, 1998, S. 59 ff.
  • Otto Helmut Urban/Erwin M. Ruprechtsberger: La site fortifié du Gründberg. In: Forgerons et Ferailleurs, fer et savoire-faire à l'époque celtique, Bibracte, Musée de la civilisation celtique, Glux-en-Glenne, 2003, S. 16 ff.
  • Otto Helmut Urban: Der lange Weg zur Geschichte: die Urgeschichte Österreichs. Ueberreuter, 2000, ISBN 978-3-800-03773-5.

Einzelnachweise

  1. Helmut Birkhan: Kelten. Bilder ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2814-2, S. 344, Bilder  625, 627.