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vom 02.05.2018, aktuelle Version,

Philippe de Gentil de Langallerie

Philippe de Gentil, Marquis de Langallerie oder Langalerie,[1] der erste Baron von Saintonge (* 24. September 1661 in Lyon[2]; † 18. September 1717 in Wien, nach anderen Angaben in Raab, dem heutigen ungarischen Győr) war ein französischer Adliger, der im frühen 18. Jahrhundert als hochrangiger Militär in mehreren Presseaktionen skandalöse Berühmtheit erlangte:

1706 mit dem von ihm öffentlich proklamierten Frontenwechsel in kaiserlich-österreichische Dienste, 1711 mit seinem ebenso öffentlich vollzogenen Übertritt von der katholischen zur reformierten Religion und 1716 als der Führer einer neuen religiösen Bewegung, die, so der öffentliche Verdacht, dicht davor stand, mit türkischer Unterstützung den Papst in Rom zu stürzen und die Machtverhältnisse im Mittelmeerraum neu zu ordnen.

Langallerie wurde 1716 unter Verdacht, gegen den Papst konspiriert zu haben, gefangen genommen und starb ein Jahr später in Haft in Wien.

Literatur

  • The memoirs of the Marqess de Langallerie […]. Translated from the French. London 1708.
  • Olaf Simons: Ein General als religiöser Projektierer. Der Fall Langallerie. In: Martin Mulsow (Hrsg.): Kriminelle, Freidenker, Alchemisten. Räume des Untergrunds in der Frühen Neuzeit. Böhlau, Köln 2014, S. 235–263, ISBN 978-3-412-20922-3.
  • John T. O'Connor: Exploitation and subversion of Utopian Ideals. The Schemes of Two French Exiles in the Netherlands. In: EMF Studies in Early Modern France Vol. 5 (1999), S. 42–59, ISSN 1064-5020 (Google Books)
  • Emmanuel Beeri: Langallerie, Phillippe Gentil de. In: Encyclopaedia Judaica, Bd. 10. Gale Books, Detroit 2008 (Jewish Virtual Library).
  • Lionel Laborie, Olaf Simons: Project Apocalypse. A History of the Théocratie du verbe incarné (www.pierre-marteau.com).

Anmerkungen

  1. Die originäre Schreibweise scheint Langalerie gewesen zu sein, sie findet sich auch auf mehreren der von ihm lancierten Veröffentlichungen. In seinen späteren Schriften, die nicht mehr in den Druck gelangten finden sich daneben die Schreibweisen L’Angallerie und Langallerie, letztere nutzten die Behörden 1716 und 1717 in den überlieferten Untersuchungsakten.
  2. Zuweilen findet sich auch die Angabe * La Mothe-Charente, in der Saintonge, Département Charente, 1656, die jedoch von Boisle (1898) nicht bestätigt wird.