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vom 20.10.2017, aktuelle Version,

Polnische Legionen (1914–1918)

Marschrouten der Polnischen Legionen im Ersten Weltkrieg

Die Polnischen Legionen waren fast unabhängig operierende Formationen im Ersten Weltkrieg, sie waren zu Kriegsbeginn 1914 der k.u.k. Armee, ab 1916 dem deutschen Heer unterstellt und kämpfen an der Ostfront gegen die Truppen des Zaristischen Russland.

Aufstellung

Die Polnischen Legionen (polnisch: Legiony Polskie) wurden am 16. August 1914 in Galizien auf Initiative der Provisorischen Kommission der Konföderierten Unabhängigkeitsparteien (Komisja Tymczasowa Skonfederowanych Stronnictw Niepodległościowych) und der polnischen Mitglieder des österreichischen Parlamentes gegründet. Die Einheit war eine unabhängige Formation der k.u.k. Armee und bestand anfangs aus zwei, später aus drei Brigaden.

Józef Piłsudski mit seinen Soldaten vor dem Palast des Gouverneurs in Kielce (1914)

Einsätze

Die Legionen standen ab August 1914 unter dem Oberbefehl von Feldmarschalleutnant Durski bei Sandomir als Reserve bei der k.u.k. 1. Armee. Während der Schlacht an der Weichsel war die I. Brigade der polnischen Legion dem k.u.k. I. Korps im Raum Iwangorod zugeteilt.

Die anderen Legionen standen derweil bei der Armeegruppe Pflanzer-Baltin im Kampf gegen die russische 8. und 9. Armee am Dnjestr und in den Karpaten. Mitte Oktober 1914 deckte die Brigade unter Oberstleutnant Haller im Bereich der Gruppe des FML Attems (56. Honved-Division) den Eingang zum Pantyr-Pass im Raum Rafailowa gegenüber russischen Kräften bei Nadworna. Am 22. Oktober hatte die Gruppe Durski im Bereich der Armeegruppe Pflanzer-Baltin einen entlasteten Vorstoss in Richtung auf Dolina und Stryj anzusetzen. Am 10. Dezember führte die Legion Piłsudski während der Schlacht bei Limanowa im Bereich der k.u.k. 4. Armee einen Stoß auf Kamienica durch. Im Juni 1916 zählte die Einheit bereits 25.000 Soldaten.

Nach der Gründung des Regentschaftskönigreichs Polen im November 1916 wurden die Polnischen Legionen unter deutsches Kommando gestellt (Polnische Wehrmacht). Kurze Zeit später wurden die Legionen aufgelöst und deren Soldaten interniert, weil sie sich geweigert hatten, dem deutschen Kaiser in der so genannten Eidkrise den Treueid zu leisten. Nach dem Krieg und der Wiederherstellung Polens bildeten die Offiziere der Legionen das Rückgrat der Polnischen Armee.

Nachkriegszeit

In der politischen Kultur des nun unabhängig gewordenen Polens nahm die Legion eine herausragende Stellung ein. Pilsudski übernahm 1926 durch einen Putsch seiner Legionveteranen die Macht, welche die Veteranen bis 1939 behalten sollten. Die Tradition der Legion wurde von staatlichen Medien und dem Bildungswesen massiv gefördert. Das populäre Lied der Legion Wir, die erste Brigade nahm in der Zweiten Republik die Rolle einer zweiten, inoffiziellen Nationalhymne ein. Sie wurde mit den anderen Elementen der Legionstradition im kommunistischen Polen verboten. Nach dem Fall der kommunistischen Diktatur wurde das Andenken an die Legion wieder Teil der offiziellen politischen Kultur Polens.[1]

Kommandeure

Oberkommandierende der Polnischen Legionen waren:

Bekannte Angehörige (Auswahl)

Prominente Offiziere der Polnischen Legionen waren unter anderem:

Zu den weiteren (später) bekannten Angehörigen zählten:

Museale Rezeption

In der Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum wird der Polnischen Legion ein eigener Bereich gewidmet. Darin sind Uniformen, Ausrüstungsgegenstände und Auszeichnungen ausgestellt.[2]

Literatur

  • Riccardo Altieri: „Sterben unter fremden Bannern“. Polnische Soldaten im Ersten Weltkrieg. In: Riccardo Altieri, Frank Jacob (Hrsg.): Spielball der Mächte. Beiträge zur polnischen Geschichte. minifanal, Bonn 2014, ISBN 978-3-95421-050-3, S. 184–207.
  • Wacław Lipiński: Legiony Polskie 1914–1918. Białystok 1990.
  • Piotr J. Wróbel: The Revival of Poland and Paramilitary Violence, 1918–1920. In: Rüdiger Bergien, Ralf Pröve (Hrsg.): Spießer, Patrioten, Revolutionäre. Militärische Mobilisierung und gesellschaftliche Ordnung in der Neuzeit. Göttingen 2010, ISBN 978-3-89971-723-5, S. 281–303.

Einzelnachweise

  1. Piotr Szlanta : Der Erste Weltkrieg von 1914/1915 als identitätsstiftender Faktor, in Gerhard P. Groß (Hrsg.) : Die vergessene Front. Der Osten 1914/1915 - Ereignis, Wirkung, Nachwirkung, Paderborn, 2006, S. 163
  2. Heeresgeschichtliches Museum / Militärhistorisches Institut (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum im Wiener Arsenal. Verlag Militaria, Wien 2016, ISBN 978-3-902551-69-6, S. 115
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