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vom 11.12.2017, aktuelle Version,

Raimund Margreiter

Raimund Margreiter (* 16. Mai 1941) ist ein österreichischer Chirurg. Aufgrund seiner Pionierleistungen auf dem Gebiet der Transplantionsmedizin, beispielsweise die erste Herztransplantation in Österreich 1983 erlangte er auch außerhalb der medizinischen Fachwelt internationale Bekanntheit.

Leben

Raimund Margreiter wurde in Fügen im Zillertal geboren. Bereits sein Großvater und sein Urgroßvater waren Mediziner.[1] In Innsbruck absolvierte er das Medizinstudium und wurde 1965 zum Dr. med. promoviert. Nach Anstellungen in Salzburg (Arbeitsunfall-Krankenhaus, Landeskrankenhaus) kehrte er 1967 auf eine Assistentenstelle für Chirurgie nach Innsbruck zurück und absolvierte an der Universitätsklinik für Chirurgie seine Facharztausbildung in Allgemeinchirurgie. Abgesehen von einigen Kurzaufenthalten in den USA und England verbrachte er seine ganze weitere Berufslaufbahn in Innsbruck, wo er sich 1980 habilitierte. 1981 wurde Margreiter zum Leiter der Abteilung für Transplantationschirurgie an Universitätsklinik für Chirurgie ernannt. Ab 1999 war er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2009 Vorstand der Chirurgischen Klinik.[2][3]

Werk

Margreiter hatte sich die Kenntnisse für die Transplantationsmedizin weitgehend im Selbststudium angeeignet. Als Autodidakt gelang es ihm, eine Abteilung aufzubauen, an der für jede Form von Organversagen temporärer (Dialyse, verschiedene Methoden der Leberersatz-Therapie, extrakorporale Membran-Oxygenierung, Ventrikel-unterstützende Systeme bzw. Kunstherz) als auch permanenter Ersatz durch Transplantation angeboten wurde.

1974 konnten Margreiter und sein Team die erste erfolgreiche Nierenverpflanzung in West-Österreich durchführen. Im Jahre 1977 begann er ein Leber- und zwei Jahre später ein Bauchspeicheldrüsen-Transplantationsprogramm aufzubauen. In beiden Bereichen führte er die jeweils erste erfolgreiche Transplantation in Österreich durch. Gemeinsam mit internistischen Onkologen gelang ihm im Jahre 1982 die weltweit erste kombinierte Leber-Knochenmarkstransplantation. Ein Jahr später erfolgte die erste Herztransplantation in Österreich und kurze Zeit später die weltweit erste kombinierte Leber-Nierentransplantation.

1985 führte er die erste österreichische Herz-Lungentransplantation und 1987 die erste Doppellungentransplantation im Eurotransplant-Raum[4]. 1989 folgte die weltweit erste erfolgreiche sogenannte Multiviszeraltransplantation und 1994 die erste isolierte Darmverpflanzung im Eurotransplant-Bereich. Die erste Inselzell-Transplantation wurde 1995, die erste Leberteiltransplantation von einer Lebendspenderin 1997 durchgeführt. Beide Eingriffe erfolgten erstmals in Österreich. Im selben Jahr gelang die bis dahin im Eurotransplantraum noch nie durchgeführte Cluster-Transplantation (Leber, Bauchspeicheldrüse, Zwölffingerdarm). Sein prominentester Patient war der Klagenfurter Polizist Theo Kelz, der beim Versuch eine Bombe des Attentäters Franz Fuchs zu entschärfen, beide Hände verlor. Im März 2000 wurden Kelz in einer 18 Stunden dauernden Operation zwei Hände transplantiert. Im Jahre 2003 folgte dann die weltweit erste Transplantation beider Unterarme. Margreiter gilt als der einzige Chirurg, der jedes Organ transplantiert hat.[5][6]

Raimund Margreiter ist Gründer des Daniel Swarovski Forschungslabors an der Medizinischen Universität Innsbruck und Mitbegründer des Tiroler Krebsforschungsinstitutes. Er ist Autor von 738 Original-Publikationen.[7][8]

Sportliche Aktivitäten

Raimund Margreiter war ein begeisterter Abenteurer und aktiver Sportler. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf die drei Alpinsportarten Bergsteigen, Wildwasserpaddeln und Skifahren.

1969 war Margreiter Mitglied der Tiroler Andenexpedition zum Yerupaja Grande und der Tiroler Hindukusch-Expedition 1970 zum Tirich Mir. 1970 war er an der Rettung des am Mount Kenya verunglückten Gert Judmair beteiligt und nahm 1978 an der erfolgreichen österreichischen Mount Everest-Expedition teil.

Neben der Besteigung von drei Siebentausendern und mehreren Sechstausendern gelang ihm 1973 gemeinsam mit drei Freunden vom AAKI (Akademischer Alpenklub Innsbruck) die Erstbegehung des Südpfeilers auf den Huascaran Süd.

1971 leitete er die erste Himalaya Paddelexpedition, in deren Rahmen auf der Anreise der Karadj in Persien und der Kabul-River in Afghanistan erstbefahren wurden. Neben der Erstbefahrung des Gilgit samt Quellflüssen, des Hunza und des Oberlaufes des Astor wurde auf dem Indus das gesamte Himalaya Gebirge bis Attock in der pakistanischen Tiefebene durchquert. Zusätzlich gelangen auch die Erstbefahrung des Swat und dessen Quellfluss Gabral bis Saidu Sharif. Insgesamt wurden im Rahmen dieser Expedition etwa 730 Kilometer Wildwasser erstbefahren[9].

Im Jahre 1972 befuhr als erster in einer dreiwöchigen Alleinfahrt den Marañón, den Oberlauf des Amazonas von 3.800 m Seehöhe durch ein etwa 700 bis 800 Kilometer langes, im obersten Abschnitt tief eingeschnittenes V-Tal, ab 2.500 m auf weite Strecken eine unbegehbare und unbewohnte Schlucht bis hinunter auf eine Seehöhe von 265 m. Auf den ersten 80 Kilometern wurde er dabei von Wolfgang Nairz zu Lande begleitet. Im mittleren Abschnitt blieben etwa 70 km unbefahren. Anschließend gelang den beiden die erste Skibesteigung des Nevado de Copa.

1976 befuhr er mit zwei Freunden auf Sri Lanka erstmals die Flüsse Agra Oya, Kelani Ganga, Kalu Ganga und Mahaweli Ganga.

Margreiter gewann zweimal die Ärzteskiweltmeisterschaften: 1970 in Val-d‘Isère und 1971 in Cortina d‘Ampezzo.

Für seine sportlichen Erfolge wurde ihm das Landessportehrenzeichen und die Panathlon Trophäe des Club Innsbruck verliehen.

Filmographie

  • Still Alive – Drama am Mt. Kenya. Dokumentation 2016. Regie: Reinhold Messner. Mitwirkender und wird dargestellt.

Auszeichnungen

  • 1996 erster Rotary-Award der Provinzen Bozen und Trient
  • 2000 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
  • 2000 Austrian Congress Award
  • 2000 Ehrenbürgerschaft Rosolina
  • 2000 Goldene Ehrenplakette der Internationalen Polizei-Assoziation
  • 2002 Ehrendoktorat der Universität Cluj Napoca
  • 2002 Ehrenmitglied Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG)
  • 2004 Ehrenkreuz der Gemeinde Fügen
  • 2004 Ehrenmitglied der Italienischen Gesellschaft für kolorektale Chirurgie (SICCR)
  • 2005 Ehrenring der Stadt Innsbruck[1]
  • 2006 Siemens Life Award
  • 2006 Großes Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg
  • 2007 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie (DGVC)
  • 2007 Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH)
  • 2008 Ehrenmitglied der Medizinischen Gesellschaft für Oberösterreichisch
  • 2009 UPVI Award für Wissenschaft und Forschung (Universitätsprofessoren-Verband Innsbruck)
  • 2009 Aquila di San Venceslao der Provinz Trient
  • 2009 Ehrenmitglied Austrotransplant
  • 2009 Certificate of Excellence der Romanian Association for the Study of the Liver (RASL)
  • 2010 Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie
  • 2011 Annual Award Czech Transplant Foundation
  • 2011 Ehrenmitglied Schweizer Gesellschaft für Chirurgie
  • 2013 Ehrenmitglied European Society of Organ Transplantation (ESOT)
  • 2013 Pioneer International Hand and Composite Tissue Allotransplantation Society (IHCTAS)
  • 2017 ILTS Distinguished Service Award (International Liver Transplantation Society)
  • 2017 IPITA Richard C. Lillehei Memorial Lecture Award (International Pancreas & Islet Transplantation Association)
  • 2017 Eurotransplant 50th Anniversary Award

Einzelnachweise

  1. 1 2 Innsbrucker Ehrenring für Prof. Raimund Margreiter vom 24. Mai 2007 abgerufen am 18. Februar 2011
  2. 1 2 Eintrag zu Raimund Margreiter im Austria-Forum (Biographie)
  3. Haymon Verlag: Tirol lebendig erinnert: Raimund Margreiter: Zeitzeugen im Gespräch. Haymon Verlag, 2013, ISBN 978-3-7099-7673-9 (google.at [abgerufen am 4. November 2017]).
  4. Jubilee book – Eurotransplant. Abgerufen am 4. November 2017 (amerikanisches Englisch).
  5. R. Margreiter, F. Mühlbacher: The history of organ transplantation in Austria. Band 2, Nr. 46. Springer Vienna, 2014, ISSN 1682-8631, S. 6573.
  6. R. Margreiter: Transplantation in Österreich – ein historischer Rückblick. In: Austrian Transplant Journal. MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH, abgerufen am 11. April 2017.
  7. Raimund Margreiter | Publications. ResearchGate, abgerufen am 15. November 2017 (englisch).
  8. PubMed – NCBI: Margreiter R – PubMed – NCBI. Abgerufen am 15. November 2017.
  9. Ulrich Schwabe: Auf wilden Wassern durch den Himalaja. Abgerufen am 11. April 2017.
  10. Tiroler Landespreis für Wissenschaft – Preisträger 1984 bis 2014. Abgerufen am 14. Oktober 2015.