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vom 15.05.2017, aktuelle Version,

Richtstätte Hohenems

Ehemalige Richtstätte in Hohenems mit dem denkmalgeschützten Bildstock.
Bildstock.

Die ehemalige Richtstätte in Hohenems (auch: Richtplatz oder Richtstatt)[1] war früher der Ort, an dem ein Verurteilter aus der Herrschaft Hohenems in Vorarlberg hingerichtet wurde.[2]

Ob, wie z. B. in Wien (siehe Wiener Hinrichtungsstätten), Hinrichtungen zur Abschreckung manchmal auch direkt am Tatort stattfanden, ist in Hohenems nicht überliefert.

Lage

Diese ehemalige Richtstätte befindet sich in der Parzelle „Sündergass“ und ist bis heute unbebaut (414 m ü. A.). Lediglich ein Bildstock, der unter Denkmalschutz steht,[3] erinnert namenlos und ohne Informationstafel an diesen über Jahrhunderte bedeutungsvollen Ort.

Der Bildstock ist 20 m von der nordwestlich vorbeiführenden Trasse der Österreichischen Bundesbahnen entfernt und vom Zug aus gut zu sehen. Vom ÖBB-Bahnhof Hohenems ist der Bildstock rund 600 m in nordöstlicher Richtung entfernt.

Recht zur Ausübung der Blutgerichtsbarkeit

Die Herren von Hohenems übten das Recht zur Tötung von Personen (Blutgerichtsbarkeit) grundsätzlich aufgrund des Besitzes der Herrschaft Hohenems aus (ursprünglich nicht aufgrund einer Belehnung).[4] Am 18. Mai 1489 wurde in Innsbruck ein neuer Lehnsbrief von Kaiser Friedrich an Hans von Ems ausgestellt, in dem auch der Umfang der Gerichtsbarkeit genannt ist.[5] Kaiser Friedrich belehnt Hans von Ems als Ältesten für sich, seine Brüder und Vettern mit der alten Burg Ems, dem Vorhof im Flecken zu Ems samt allen dazugehörigen Freiheiten und Rechten, mit dem Blutbann in Hohenems und Dornbirn und anderem.[6]

Wie bei vielen Richtstätten liegt die Entstehungsgeschichte auch in Hohenems im Dunkeln und sind die ersten dort vorgenommenen Hinrichtungen in keinen Quellen verzeichnet. Wie viele Todesurteile hier vollstreckt wurden, ist daher unbekannt.

Die Richtstätte befand sich früher außerhalb der Ortschaft Hohenems. Wie in vielen anderen Hochgerichten blieb auch in Hohenems die Leiche des Getöteten unter Umständen zu Abschreckung jahrelang am Galgen hängen.[7] Der Galgen war somit ein deutliches Symbol obrigkeitlicher Macht und der von ihnen ausgeübten Form der Gerechtigkeit.[8] „Während die Obrigkeit zunehmend die Hinrichtung vor allem zu einer Machtdemonstration ausbaute und dem Volk keine Mitwirkung mehr gewähren wollte, gestaltete das Volk seinerseits die Straffeste und Hinrichtungen geradezu zu Volksfesten, bei denen es nicht nur Zeuge der Abstrafung eines Verbrechers war, sondern Teilnehmer eines Opfergangs, der die Gesellschaft reinigte.“[9]

Hingerichtete wurden auch hier in ungeweihter Erde begraben, oft direkt in der näheren Umgebung des Galgen. Die ausdrückliche Anordnung der Vergrabung der Hingerichteten beim Galgen oder einer vorher bestimmten Stelle bzw. der Asche von Hingerichteten, wie dies auch in Hohenems überliefert ist, hängt auch mit der angeblich starken magischen Wirkung zusammen, die mit deren Überresten verbunden sein sollten.[10]

Hexenverfolgung

Die Hexenverfolgungen und Hinrichtungen in Hohenems waren besonders in den Jahrzehnten nach dem dreißigjährigen Krieg massiv vorhanden und es wurden zum Beispiel zwischen 1649 und 1653 vierundzwanzig Personen angeklagt.[11]

In Vorarlberg wurden Verurteilte in den Hexenprozessen überwiegend nicht bei lebendigem Leib verbrannt, sondern durch das Schwert zu Tode gebracht,[12] so auch in Hohenems.

Siehe auch

  Commons: Richtstätte (Hohenems)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Richtplatz  – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Duden online: Richtstätte und Richtplatz
  2. Die Begriffe Richtstätte etc. standen früher auch für den Ort, an dem Gericht gehalten wurde. Siehe zum Beispiel Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel Richtstätte; Grimms Deutsches Wörterbuch, Artikel Richtplatz; Wörterbuch von Adelung (1793), Artikel Richtplatz
  3. ObjektID: 6665 (siehe Liste der denkmalgeschützten Objekte in Hohenems).
  4. Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Band 120, Ostfildern 2002, S. 193.
  5. Arhivaal: Hohenems, Reichsgrafschaft und Staatsarchiv Augsburg.
  6. Arhivaal: Hohenems, Reichsgrafschaft.
  7. Peter Schuster, „Verbrechen, Opfer, Heilige“, „Die Geschichte des Tötens 1200-1700“, Stuttgart 2015, Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-94845-5. Die Hinrichtungsstätten am Wienerberg soll 1747 auf Befehl von Maria Theresia aufgelassen worden sein, weil sie angeblich den Anblick der dort hängenden Leichen auf ihrer Fahrt nach Schloss Laxenburg zu sehr entsetzt haben. Auch hier blieben die Getöteten oft zur Abschreckung so lange am Strick hängen, bis ihre verfaulenden Körper selbst herunterfielen.Siehe auch Wolfgang Scheffknecht, Die Vorarlberger ScharfrichterStrafen und Ausgrenzung in der Frühen Neuzeit, S. 375.
  8. Siehe auch Lang: Hochgericht und Räderkreuz. S. 12.
  9. Richard von Dülmen: Theater des Schreckens: Gerichtspraxis und Strafrituale in der frühen Neuzeit. München 1988, 3. Auflage, S. 10.
  10. Siehe für die Hexenverbrennungen: Bendedikt Bilgeri: Vorarlberger Volksglaube in der schriftlichen Überlieferung. 1954, S. 1.
  11. Manfred Tschaikner: Die Frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen in den österreichischen Herrschaften vor dem Arlberg – Versuch einer Dokumentation und sozialgeschichtlichen Analyse. Bludenz 1991, Dissertation, S. 963.
  12. Manfred Tschaikner: Die Frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen in den österreichischen Herrschaften vor dem Arlberg - Versuch einer Dokumentation und sozialgeschichtlichen Analyse. Bludenz 1991, Dissertation, S. 776.