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vom 06.06.2017, aktuelle Version,

Roman Karl Scholz

Grabmal auf dem Heiligenstädter Friedhof

Roman Karl Scholz (* 16. Jänner 1912 in Mährisch Schönberg; † 10. Mai 1944 in Wien) war ein österreichischer Augustiner-Chorherr in Klosterneuburg und Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich.

Leben

Als unehelicher Sohn der Josefa S. wuchs er bei den Großeltern auf und besuchte in Mährisch Schönberg das Gymnasium. 1930 trat er in das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg ein.[1] Scholz war Dichter und Jugendseelsorger. Er kam aus einer christlich-deutschen Jugendbewegung und wandte sich anfangs dem Nationalsozialismus zu.

1936 erkannte Roman Karl Scholz nach dem Besuch des Reichsparteitages in Nürnberg jedoch dessen wahre Absichten und gründete im Herbst 1938 mit Viktor Reimann die erste Widerstandsgruppe in Österreich. Der Name der Gruppe war zunächst „Deutsche Freiheitsbewegung“, nach Ausbruch des Krieges 1939 wurde sie umbenannt in „Österreichische Freiheitsbewegung“. Die politischen Ziele waren zum einen die Aufklärung der Bevölkerung über das wahre Gesicht des Nationalsozialismus und in weiterer Folge der Sturz des Regimes, der Austritt der Donau- und Alpengaue aus dem Reich und die Wiedererrichtung eines Staates Österreich, der auch ganz Bayern bis zum Main miteinschließen sollte.[2]

Der Gruppe gehörten auch die beiden Burgschauspieler Fritz Lehmann und Otto Hartmann an. Der Seelsorger wurde von Letzterem, der ein Spitzel war, an die Geheime Staatspolizei verraten. Hartmann hatte in der Gruppe vorgeschlagen, Terror- und Sabotageakte zu unternehmen, was jedoch von Scholz aufgrund seiner christlichen Gesinnung abgelehnt wurde. Hartmann hingegen verriet alles, was bei den Treffen gesprochen und geplant wurde, direkt der Gestapo.

Am 22. Juli 1940 wurde Scholz verhaftet. Es dauerte fast vier Jahre, bis ihm der Prozess gemacht wurde. Während dieser Zeit wurde er immer wieder verhört, ohne dass er Mitbeteiligte verraten hätte, und wurde von Gefängnis zu Gefängnis transferiert. Auch eine Intervention von Hermann Görings Schwester, zu welcher Freunde von ihm Kontakt hatten, verlief ergebnislos. Er wurde am 23. Februar 1944 zum Tode verurteilt. Das Telegramm an Adolf Hitler, in welchem Kardinal Theodor Innitzer um eine Begnadigung ersuchte, wurde nicht einmal beantwortet.[3] Scholz wurde nach Jahren im Gefängnis am 10. Mai 1944 wegen Hochverrats auf dem Schafott hingerichtet. Seine letzten Worte waren: „Für Christus und Österreich!“[4]

Gedenktafel in Wien, Innere Stadt, Neutorgasse 2

Würdigung

Heute ist er wegen seines Einsatzes in der Geschichte und für seine Gedichte bekannt. Er wurde auf dem Heiligenstädter Friedhof beigesetzt.

Nach Roman Karl Scholz ist ein Platz in der Klosterneuburger Innenstadt benannt.

Im Gymnasium Klosterneuburg wurde im Jahre 1990 eine Gedenktafel eingerichtet.

Die katholische Kirche hat Roman (Karl) Scholz als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Veröffentlichungen

Literatur

  • Ulrich Bons, Das Anrather Gefängnis im Dritten Reich, der Versuch einer Rekonstruktion. In: Heimatbuch des Kreises Viersen 2002, Viersen 2001, S. 161 - 179. Roman Karl Scholz war seit Juni 1941 Häftling des Anrather Gefängnisses.
  • Georg Biron: Die letzte Beichte. Geschichte eines Verrates. Wien 1988.
  • Walter Crammer, Gruppe Roman Karl Scholz, in: Informations- und Pressedienst der Österreichischen Widerstandsbewegung Nr. 2 / 1992.
  • Ildefons Fux, Roman Karl Scholz, in: Jan Mikrut (Hg.): Blutzeugen des Glaubens, Bd. I, Wien 1999.
  • Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. Festschrift zur Enthüllung einer Gedenktafel für Roman Scholz im Gymnasium Klosterneuburg. 1990.
  • Josef Greiner: Das Ende des Hitler-Mythos. Wien 1947.
  • Rudolf Grulich, Sudetendeutsche Katholiken als Opfer des Nationalsozialismus. Brannenburg 1999.
  • Alexander Gutenthaler, Roman Karl Scholz - Utopist oder Realist? Diplomarbeit Wien 2002.
  • Grete Huber-Gergasevics, Roman Karl Scholz, Klosterneuburg 2010
  • Benedicta Maria Kempner, Priester vor Hitlers Tribunalen. München 1966.
  • Christine Klusacek: Die österreichische Freiheitsbewegung. Gruppe Roman Karl Scholz. Wien 1968.
  • Radomir Luza, Der Widerstand in Österreich 1938–1945. Wien 1985.
  • Otto Molden: Der Ruf des Gewissens. Der österreichische Freiheitskampf 1938-1945. Wien 1958.
  • Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage Paderborn u.a. 2015, ISBN 978-3-506-78080-5, Band I, S. 872-873.
  • Edda Pfeifer: Beiträge zur Geschichte der österreichischen Widerstandsbewegung des konservativen Lagers 1938-1940. Dissertation Wien 1963.
  • Viktor Reimann, Fünf ungewöhnliche Gespräche. Wien 1991.
  • Robert Rill, Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.
  • R. Rill, F. Röhrig: Scholz Roman (Karl). In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 11, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2803-7, S. 131 f. (Direktlinks auf S. 131, S. 132). (E-Text)
  • Floridus Röhrig, Roman Karl Scholz, in: Jan Mikrut (Hg.): Österreichs Kirche und Widerstand 1939–1945, Wien 2000.
  • Wolfgang Neugebauer: Scholz, Roman Karl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 461 f. (Digitalisat).
  • Helga Thoma, Gegen den Strom. Zivilcourage und Widerstand im Dritten Reich. Wien 2002.
  • Heinrich Zeder: Judas sucht einen Bruder. Wien 1947.

Einzelnachweise

  1. Österreichisches Biographisches Lexikon: Scholz Roman (Karl)
  2. Rolf Steininger, Günter Bischof, Michael Gehler: Austria in the Twentieth Century; Seite 146 und 147; Transaction Publishers, 2002, ISBN 0-7658-0175-2
  3. Dr. Pia Maria Plechl: Große Österreicher. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1985
  4. Eintrag zu Scholz, Roman Karl im Austria-Forum (in AEIOU Österreich-Lexikon)