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vom 09.09.2016, aktuelle Version,

Rudolf Wenzel

Rudolf Wenzel

Rudolf Wenzel (* 11. Oktober 1904 in Karbitz; † unbekannt) war ein deutscher Politiker (SdP/NSDAP).

Leben und Wirken

Nach dem Besuch der Volksschule, der Staatsschule in Aussig und der tschechischen Bürgerschule in Kročehlavy wurde Rudolf Wenzel an der Technischen Hochschule in Prag ausgebildet. 1923 wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Studentenschaft an den Deutschen Prager Hochschulen. 1929 ließ er sich als freischaffender Architekt in Reichenberg nieder.

Wenzel, der 1923 der DNSAP beitrat, begann sich ab Anfang der 1930er Jahre in der Sudetendeutschen Heimatfront (SHF) Konrad Henleins zu engagieren. Er wurde 1934 Mitarbeiter der Hauptstelle der SHF und war ab 1935 als Hauptleiter der nun in Sudetendeutsche Partei benannten Organisation tätig. Im Herbst 1938 gehörte er dem Sudetendeutschen Freikorps an und wurde nach der Eingliederung der Sudetengebiete in das Deutsche Reich in der SS im Oktober 1938 zum Sturmbannführer befördert (SS-Nr. 310.468) und trat der NSDAP bei (Mitgliedsnr. 6.600.853). Ab der Ergänzungswahl vom 4. Dezember 1938 bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 saß Wenzel als Abgeordneter für die Sudetengebiete im nationalsozialistischen Reichstag. Zudem wurde er persönlicher Referent des zum Reichskommissar ernannten Henlein. Wenzel wurde 1940 zum Landrat von Teplitz-Schönau ernannt.[1] Während des Zweiten Weltkrieges leistete er zwischenzeitlich von 1940 bis 1941 Militärdienst.

Nach Kriegsende wurde er durch ein tschechoslowakisches Tribunal als Kriegsverbrecher zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er lebte ab 1949 in Bayern. Ab 1953 betätigte er sich als Redakteur bei der Sudetendeutschen Zeitung, arbeitete dann zwischenzeitlich bei einer Behörde, bis er als 131er in den Ruhestand versetzt wurde. Für das Sudetendeutsche Archiv war er bis ins hohe Alter als Übersetzer tätig.[2] Außerdem war er Mitglied des Bundesausschusses für Presse und Information der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Er engagierte sich zudem im rechtsgerichteten Witikobund.[3]

Literatur

  • Joachim Lilla (Bearbeiter): Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945, Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.
  • Joachim Lilla: Die Vertretung des „Reichsgaus Sudetenland“ und des „Protektorats Böhmen und Mähren“ im Grossdeutschen Reichstag. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, Band 40, Ausgabe 2, 1999, S. 469

Einzelnachweise

  1. Joachim Lilla: Die Vertretung des „Reichsgaus Sudetenland“ und des „Protektorats Böhmen und Mähren“ im Grossdeutschen Reichstag. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, Band 40, Ausgabe 2, 1999, S. 469
  2. Rudolf Wenzel-80 Jahre In: Aussiger Bote. 1984, S. 306f.
  3. Kurt Nelhiebel: Die Henleins gestern und heute. Hintergründe und Ziele des Witikobundes, 1962, S. 63.