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vom 22.08.2018, aktuelle Version,

Ruth Weiss (Künstlerin)

Ruth Weiss (* 24. Juni 1928 in Berlin) ist eine Autorin, Performancekünstlerin, Dramatikerin, Filmemacherin und Schauspielerin. Bekannt ist Ruth Weiss vor allem für ihre Jazz-Poetry-Performances.

Leben

Ruth Weiss wurde in eine jüdisch-österreichische Familie (ihre Eltern waren Oscar und Fani Weiss) in Berlin geboren. 1933 kehrten ihre Eltern auf der Flucht vor den Nazis vorerst mit ihr nach Wien zurück, wo sie die entscheidenden Kindheitsjahre im immer radikaler werdenden Klima des aufkommenden Nationalsozialismus erlebte. Ende 1938 konnte die Familie mit dem letzten Zug nach Holland und von dort in die USA emigrierten (ihre in Wien verbliebenen Verwandten kamen im Holocaust um), zunächst nach New York, dann nach Chicago, wo sie sich 1949 niederließ und während einer Jam-Session erste (private) Lesungen mit Jazzmusik-Begleitung gab, wobei sie, wie sie in einem Interview äußerte,[1] Bebop für ihre Lesungen bevorzugt. 1952 zog sie nach San Francisco.

Weiss trat ab Mitte der 50er Jahre im Umfeld der US-amerikanischen „beat poets“ auf. Legendär wurden ihre Jazz-Text-Performances 1956 auf der Bühne des Clubs „The Cellar“ in North Beach, San Francisco, wo Ruth Weiss als erste Poesie und Jazz miteinander verband. Der Club war von den mit ihr befreundeten Jazzmusikern Sonny Nelson, Jack Minger und Wil Carlton aus New Orleans begründet worden, den Begleitmusikern für ihre Lesungen. Sie war mit den Beatnik-Autoren Jack Kerouac und Neal Cassady befreundet, mit denen sie Haiku Gedichte tauschte.

In den 1960er Jahren begann sie auch Filme zu drehen und trat in Filmen von Steven Arnold (z. B. in Messages, Messages, das auf dem Filmfestival von Cannes 1969 gezeigt wurde) auf. 1996 wurde ihr Film The Brink von 1961 im Whitney Museum of American Art in New York und auf der Biennale von Venedig gezeigt. 1998 bei einem Beat-Generation-Festival in Prag zu Gast, reiste sie damals zum ersten Mal seit 60 Jahren wieder nach Wien.

Seit damals ist die Künstlerin mehrere Male nach Wien zurückgekehrt. Unter anderem hat sie auf Einladung von Christian Ide Hintze an der Schule für Dichtung unterrichtet, ist in diversen Jazzclubs sowie im Radiokulturhaus, im Literaturhaus Wien und im Amerlinghaus in Wien aufgetreten.

Seit 2001 verbindet sie eine enge Zusammenarbeit mit zentrumexil, edition exil und theater.exil. Im Oktober 2006 fand die Uraufführung einer Collage von drei Einaktern von Ruth Weiss durch das roma.theater.exil im dietheater Wien unter dem Titel No Dancing Aloud statt. 2000 trat sie beim Jazzfest Berlin auf. Sie tritt regelmäßig in San Francisco auf. Sie reist regelmäßig nach Europa, vor allem nach Wien, um Dichterlesungen abzuhalten, häufig in Begleitung eines Musikers. Sie lebte mit dem Künstler Paul Blake, ihrem Lebensgefährten ab 1967, lange Jahre in Albion (Kalifornien) 250 km nördlich von San Francisco; nach einer anderen Quelle hat sie den kleinen Ort mit heute nur 170 Einwohnern 1982 kennengelernt. Ihr heutiger Partner, der 20 Jahre jüngere Vietnamveteran Hal Davis, lebt dort mit ihr.[2]

Preise und Auszeichnungen

2006 erhielt sie die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien. 2012 wurde ihr der Preis "Die schönsten Bücher Österreichs 2012 in Kategorie I: Allgemeine Literatur" für ihr Buch A Parallel Planet of People and Places verliehen.

Schriften

  • Steps (1958), Gallery of Women (Adler Press, 1959), South Pacific (1959), Blue in Green (1960)
  • Light and other poems (1976), Desert Journal (1977), Romeo and Juliet (1982), Single Oou (1978), 13 Haiku (1986), For These Women of the Beat (1997)

sowie weitere Veröffentlichungen in mehr als 150 Anthologien und Zeitschriften wie Beatitude.

  • A New View of Matter, Mata, Prag 1999
  • Full Circle – Ein Kreis vollendet sich, Übersetzung: Christian Loidl, edition exil, Wien 2002
  • White is all Colors, Edition Thanhäuser, Wien 2004
  • No Dancing Aloud – Lautes Tanzen nicht erlaubt, Übersetzung: Horst Spandler, edition exil, Wien 2006 (mit einem Essay über Ruth Weiss von Horst Spandler)
  • Einen Schritt Weiter im Westen ist die See, eine Auswahl mit Gedichten aus 50 Jahren, zweisprachig engl./dt., Übersetzung: Horst Spandler, Verlag Stadtlichter Presse, Wenzendorf 2012
  • A Parallel Planet of People and Places. Stories and Poems. Enthält: "Just keep breathing!" Interview mit Ruth Weiss von Alexander Klug. "Ruth Weiss - Beat ist eine Lebenseinstellung" von Elias Schneitter. Edition BAES, Zirl 2012. ISBN 978-3-9503233-3-7.

Videos, Filme und CDs

  • The Brink, von und mit Ruth Weiss, 16 mm, 40 min. b & w 1961, Video 1986
  • Poetry and Allthatjazz vol.1, Live-Performance mit Doug O'Connor (Bass), Audio und Video 1990
  • Poetry and Allthatjazz vol.2, Live-Performance mit den Trio Larry Vuckovich (Klavier), Omar Clay (Schlagzeug), Isla Eckinger (Bass), Audio 1993
  • Poet-Performer Ruth Weiss, Live-Mitschnitt, JazzFest Berlin, mit dem Trio Friedrich Legerer (Saxophon), Gerhard Graml (Bass), Stephan Brodsky (Schlagzeug), Audio 2000
  • 3Farben: Weiss, Ö1, ÖBV 2004

Auftritte in Filmen

Literatur

  • Brenda Knight Woman of the Beat Generation. Conari Press, 1996.

Einzelnachweise

  1. http://www.sanfranciscoreader.com/interviews/weiss%20interview.html
  2. Thomas Antonic: Die Stimme des Widerstands, in: Falter (Wochenzeitung), Nr. 34, 22. August 2018, S. 24 ff.