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vom 30.05.2017, aktuelle Version,

SMS Franz Joseph


RN San Marco
ex SMS Franz Joseph
Übersicht
Bauwerft

Escher Wyss AG

Kiellegung 1849
Stapellauf 1850
1. Dienstzeit
Indienststellung 1852 (Österreich-Ungarn) / 2. Dezember 1866 (Italien)
Außerdienststellung 1866 (Österreich-Ungarn) / 1880 (Italien)
Verbleib 1894 zum Abbruch verkauft
Technische Daten
Verdrängung

170 ts (Standard)

Länge

42,70 m

Breite

3,30 m

Besatzung

37 - 42 Offiziere, Unteroffiziere und Matrosen

Antrieb

1 Dampfkessel mit 50 PS (37 kW)

Geschwindigkeit

7,5 Knoten

Bewaffnung

(Österreich-Ungarn) 1 × 18 Pfünder mit gezogenem Rohr, 2 × 18 Pfünder mit glattem Rohr, 1 ×7 Pfünder mit glattem Rohr, 4 × eiserne Mörser und zwei Handbüchsen
(Italien) 2 × 12 Pfünder[1]

Die SMS Franz Joseph war ursprünglich ein ziviler Raddampfer, der später als Aviso 2. Klasse der k.u.k. Kriegsmarine eingesetzt wurde. Ab 1866 gehörte er als „RN San Marco“ zur italienischen Marine und wurde nach 1880 wieder als ziviles Schiff auf dem Gardasee verwendet.[2]

Bau

Das Schiff wurde 1849 bei der Werft Escher Wyss AG in Zürich für die „Società di Navigazione a Vapore del Lago di Garda“ (Gardaseedampfschifffahrtsgesellschaft)[3] gebaut und in Einzelteile zerlegt nach Riva del Garda transportiert. Im Januar 1850 wurde es dort zusammengesetzt und dann als „Dampfschiff Franz Joseph“ in Dienst gestellt. Als Schiff für den Waren- und Passagiertransport konstruiert, verfügte es über eine Dampfmaschine mit einer Leistung von 50 PS und erreichte mit seinen beiden seitlichen Schaufelrädern eine Geschwindigkeit von 7,5 Knoten.

Österreich-Ungarn

Im Jahre 1852 verkaufte die Gesellschaft das Schiff für 67.300 Gulden an die österreichische Regierung des Königreiches Lombardo-Venetien. In der Folge wurde die „SMS Franz Joseph“ mit drei 18 Pfünder Kanonen und zwei 7 Pfünder Kanonen ausgerüstet und der Gardaseeflottille der k.u.k. Kriegsmarine zugeteilt.

Im Juni 1859 bildete die SMS Franz Joseph, mit den zwei anderen bewaffneten österreichischen Dampfern SMS Benaco und SMS Hess, sowie einigen Kanonenbooten die Gardaseeflottille und nahmen an den Kampfhandlungen des Krieges mit Piemont und Frankreich teil. Dabei unterstützten sie die Landoperationen der eigenen Kräfte. Hierbei wurde die „SMS Benaco“ am 20. Juni 1859 von einer piemontesischen Batterie in Salò versenkt.

Nach Beendigung der Kampfhandlungen musste das lombardische Ufer des Gardasees mit dem Gebiet um Brescia an das Königreich Sardinien abgetreten werden, wodurch sich der Einsatzbereich der Gardaseeflottille nahezu halbierte.

Im Juni 1866 zu Beginn des Kriegs mit Italien operierte die österreichische Flottille, bestehend aus den Schiffen SMS Franz Joseph, SMS Hess, neun Kanonenbooten und elf kleineren Booten mit zusammen 62 Kanonen und 10 Mitrailleusen von der Marinebasis in Torri del Benaco aus. Dem konnten die Italiener lediglich die gehobene und jetzt unter italienischer Flagge fahrende ehemalige „SMS Benaco“ entgegenstellen, was für die Österreicher die Seeherrschaft bedeutete. Am 1. Juli 1866 beschoss die „SMS Hess“ mit einigen Kanonenbooten den Bahnhof von Desenzano und die SMS Franz Joseph den Hafen des Ortes.

Am 2. Juli 1866 beschossen die SMS Franz Joseph, die SMS Hess mit zwei Kanonenbooten Gargnano und führten ein Gefecht mit einer dortigen Landbatterie des „2º Reggimento Volontari Italiani“ der Truppen Garibaldis.

Am 10. Juli folgte der Beschuss der Uferstraße in Bogliaco mit dortiger Landbatterie der Italiener. Am 19. und 20. Juli beschossen erneut die SMS Franz Joseph, die SMS Hess und die Kanonenboote „Speiteufel“, „Wildfang“ und „Scharfschütze“ Gargnano, eroberten die „Benaco“ zurück und versenkten den kleinen Dampfer „Poeta“.

Königreich Italien

Nach Ende des Krieges ging auch die venetianische Seite des Sees verloren, wodurch sich der österreich-ungarische Anteil des Gardasees auf den nördlichen Teil mit rund 20 Prozent der Gesamtfläche reduzierte. Da man nicht willens oder in der Lage war, hier eine grenzüberschreitende Personenschifffahrt aufrechtzuerhalten, wurden die Schiffe der Gardaseeflottille an Italien verkauft. Die „Franz Joseph“ ging dabei für rund 40.000 Schweizer Franken am 18. Oktober 1866 an die italienische Marine und wurde von dieser auf den Namen San Marco umbenannt. Als Aviso zweiter Klasse blieb sie bis 1880 im Dienst der Marine, wenngleich sie schon ab 1867 von der Società Strade Ferrate dell’Alta Italia ( „Oberitalienische Eisenbahngesellschaft“) angemietet und als Handelsdampfer genutzt wurde. 1880 schließlich ging der Dampfer auch öffentlich an die Gesellschaft über, die für das Königreich Italien den Schiffsverkehr der oberitalienischen Seen durchführte. Im Jahre 1885 wurde das Schiff an die Società delle Ferrovie Meridionali („Südbahngesellschaft“) verkauft und dann 1894 abgewrackt.

Literatur

  • Francesco Ogliari, „La navigazione sui laghi italiani – Lago di Garda“, pp. 43–48-55-65-71-87-89-95-106-139-141 (italienisch)
  • San Marco (italienisch) – Seite bei der italienischen Marine

Einzelnachweise

  1. Marina Militare, Oceania e Navyworld
  2. Franco Bargoni, Franco Gay, Valerio Manlio Gay, Navi a vela e navi miste italiane, pp. da 425 a 428
  3. Der Gardasee lag im italienischsprachigen Gebiet Österreich-Ungarns