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vom 16.10.2017, aktuelle Version,

Samuel Fritz

Samuel Fritz

Samuel Fritz (* 9. April 1654 in Trautenau, Böhmen; † 20. März 1728 in Jéveros im Maynas-Staat, Bistum Chachapoyas, heute Peru) war ein böhmischer Jesuitenmissionar, der als Erster den Amazonas kartographierte.

Leben

Samuel Fritz war 1673 in den Jesuitenorden eingetreten, absolvierte theologische Studien und erwarb etwa 1680 an der Karls-Universität Prag den Magistergrad. Im Jahre 1684, eben 30 Jahre alt, tauchte er in der Mayba-Mission am oberen Amazonas auf. Zusammen mit Samuel Fritz arbeiteten die Patres Heinrich Wenzeslaus Richter (1653–1696) aus Prossnitz und Wenzel Breyer (oder Brauer) aus Eich. In der Jesuitenchronik des Ordenshistoriografen Carlos Sommervogel (Bibliothèque de la Compagnie de Jesus, Brüssel/Paris 1896) ist ein am 18. Juni 1699 in Laguna auf Deutsch verfasster Brief eines Missionars an einen Mitbruder wiedergegeben, der das älteste Schriftstück darstellt, das die Arbeit von Fritz in Südamerika dokumentiert. Samuel Fritz gilt als die hervorragendste Gestalt unter den deutschsprachigen Jesuitenmissionaren des Amazonas-Gebietes.

In seinem Missionsgebiet wurden 38 (nach anderen Quellen 40) Indianersiedlungen, darunter 6 Städte, geschaffen, in denen die Indianer angesiedelt, zur Arbeit angelernt und zu einem christlichen Leben erzogen wurden. Der Maynas-Staat umfasste in seiner Blütezeit 161 Ortschaften mit 100.000 Einwohnern. Davon erhielt sich bis auf den heutigen Tag die Stadt Yurimaguas am Unterlauf des Huallagua-Flusses in Peru. Ferner entstand die Stadt Taffé an der Mündung des Jurua. Pater Fritz bekehrte in der „grünen Hölle“ am Amazonas nicht weniger als 29 Indianerstämme zum Christentum, darunter die Omagua, die auf heute brasilianischem Gebiet leben.

Neben der religiösen Bekehrungsarbeit haben die Missionare aber auch den Indianern den Ackerbau beigebracht, ihnen gezeigt, wie man Reis, Maniok, Zuckerrohr, Kakao, Tabak und Süsskartoffeln pflanzt. Daneben wurden die Missionszöglinge in verschiedenen Handwerkszweigen ausgebildet, Gesang und Musik gepflegt.

Die ausgedehnten Missionsfahrten auf dem Amazonas und dessen Nebenflüssen benutzte Pater Fritz dazu, um eine Karte des Ober- und Mittellaufes des Stromgebietes zu zeichnen. Bei einem 1688 durch eine schwere Malaria-Erkrankung erzwungenen Aufenthalt im Jesuitenkolleg in Belém do Pará konnte er dank der Vorarbeiten seines aus Konstanz stammenden Ordensbruders Pater Aloys Konrad Pfeil die kartographischen Arbeiten über den 5.300 km langen Strom ergänzen. Auf dieser Karte ist zum ersten Male der Marañón als Hauptstrom verzeichnet.

Die Karte wurde erstmals 1707 mit gegenüber dem handgezeichneten Original erheblichen Abweichungen in Quito als Mappa Geografico del Rio Marañon hecha por el Padre Samuel Fritz de la Compañia de Jesus, Missionario em este mismo Rio Amazonas — El año 1691 gedruckt.

Literatur

  • Renée Gicklhorn: Fritz, Samuel. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 632 f. (Digitalisat).
  • Josef und Renée Gicklhorn: Im Kampf um den Amazonenstrom. Das Forscherschicksal des Pater Samuel Fritz. Noebe, Prag 1943.
  • Ernst Bartsch u. Evamaria Grün (Hrsg.): Die Eroberung von Peru. Die Eroberung des Inkareiches durch Pizarro und andere Conquistadoren. Die Augenzeugenberichte von Celso Gargia, Gaspar de Carvajal und Samuel Fritz. Vollst. durchges. und gekürzte Neuaufl. Erdmann, Stuttgart/Wien 1996, ISBN 3-522-61330-9, S. 285–336 (freie Nacherzählung).
  • Viktor Hantzsch: Fritz, Samuel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 49, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 156–159.
  • Rudolf Robert Hinner: Über das Wirken sudetendeutscher Missionare im Amazonasgebiet des 17. und 18. Jahrhunderts, in: Staden-Jahrbuch, Band 11/12 (1963/64), Instituto Hans Staden, São Paulo 1964, S. 181–190 (dort weitere Literaturhinweise).
  • Luis Hernán Ramírez: Samuel Fritz (1654–1725), defensor de la peruanidad en el territorio amazónico. In: Alma Mater 13/14 (1997), UNMSM, Lima 1997, S. 29–33 (Onlinepublikation, spanisch).