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vom 05.08.2017, aktuelle Version,

Scharlachrennen

Ein Scharlachrennen ist eine Bezeichnung für Pferderennen historischen Ursprungs. Hierbei erhielt der Sieger ein Stück Scharlach (eine kostbare rote Tuchsorte).

Nördlingen

Das Scharlachrennen in Nördlingen ist eine jährliche Pferdesportveranstaltung, die auf das späte Mittelalter zurückgeht.

1438 erstmals archivalisch belegt, fand das Scharlachrennen jährlich zur Nördlinger Pfingstmesse, jeweils am Montag nach Fronleichnam statt. Austragungsort der Pferde-Flachrennen war die Nördlinger Reichswiese, die heute Kaiserwiese genannt wird ( Welt-Icon ). Am Pferderennen nahmen die Pferde wohlhabender Bürger und Fürsten teil. Trophäe war ein bis zu 28 Meter langes Scharlach-Tuch im Wert von 43 Rheinischen Gulden. Der Zweitplatzierte erhielt eine Armbrust, der Dritte ein Schwert, der Letzte eine lebende Sau. Parallel fanden Sportwettkämpfe und ein Volksfest, zeitweise auch ein Rennen der Nördlinger Prostituierten statt.

Ein Zwischenfall ereignete sich 1442, als Ritter Anselm von Eyberg Besucher des Scharlachrennens als Geiseln nahm, um Lösegeld zu erpressen. Bereits im 15. Jahrhundert gab es eine Fachschrift, die ausführliche Trainings- und Fütterungsanweisungen enthält, sich Kunst zu den lauffenden rossen nannte und von dem Rennpferdespezialisten Fritz München verfasst wurde.[1] Die Bauernkriege beendeten die Tradition der Scharlachrennen.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Nördlingen wieder Scharlachrennen ausgetragen. Der Sieger beim ersten Scharlachrennen im Jahr 1948 war Hans Günter Winkler. Neben dem eigentlichen Scharlachrennen wurden weitere pferdesportliche Prüfungen ausgetragen. Insbesondere in den 1950er Jahren entwickelte sich das Turnier zum Publikumsmagnet, 1950 zählte das Turnier 50.000 Zuschauer. In den folgenden Jahren sank jedoch das Publikumsinteresse, 1969 wurden nur noch 11.000 Zuschauer verzeichnet. Auf den Starterlisten der Spring- und Dressurprüfungen fanden sich im Laufe der Jahrzehnte international bekannte Reiter wie Fritz Thiedemann, Alwin Schockemöhle, Hugo Simon, Christina Liebherr sowie Heike Kemmer und Ulla Salzgeber.[2]

Seit dem Jahr 2008 wird das Turnier, auf Initiative und Federführung von Hans Günter Winkler, als internationales CSI 2* bzw. CSI 3* ausgetragen. Daneben werden nationale Dressurprüfungen bis zur Klasse S ausgetragen.

Das Scharlachrennen selbst war in seinem bis 2009 durchgeführten Austragungsmodus weltweit einmalig. Er beinhaltete Dressur, Springen, Jagdpferdeprüfung hinter der Meute und ein abschließendes Flachrennen, das unter den besten Bewerbern ausgetragen wurde. Im Jahr 2009 wurde, nachdem 2008 nur sieben Starter an der kombinierten Prüfungen und drei Reiter am Pferderennen teilnahmen, erstmals ein neuer Austragungsmodus durchgeführt. Erste Teilprüfung ist eine nationale Vielseitigkeitsprüfung der Klasse L. Am Sonntag wird dann das traditionelle Pferderennen als zweite - gesondert gewertete - Teilprüfung ausgetragen.[3]

Im Jahr 2012 kehrte man zu alten Traditionen zurück und trug unter dem Namen Scharlachrennen eine kombinierte Prüfung aus einer Stilspringprüfung der Klasse L und einer Jagdpferdeprüfung der Klasse L aus. Zudem fand als gesonderte Prüfung am Sonntag das Pferderennen statt.[4] Im Jahr 2014 gab es statt der kombinierten Prüfung eine Springprüfung der Klasse L über Naturhindernisse, die als Qualifikation zum Galopprennen am Sonntag diente.

Siegerliste ab 2006

[5][6]

Jahr Ausschreibung des Turniers Sieger im Scharlachrennen
(kombinierte Wertung bzw. Vielseitigkeit)
Sieger im Scharlachrennen
(Pferderennen)
Sieger im Großen Preis
der Springreiter
2006 nationales Spring-
und Dressurreitturnier
Julia Schmid
Flox
Bianca Heger
Alfa Course
Armin Schäfer jun.
Cassini
2007 nationales Spring-
und Dressurreitturnier
Bruno Six
Kronprinz
Bianca Heger
Alfa Course
Maximilian Ziegler
Colette
2008 CSI 3*, nationales
Dressurreitturnier
Julia Schmid
Flox
Bianca Heger
Alfa Course[7]
Deutschland  Marcus Ehning
Sabrina
2009 CSI 2*, nationales Dressur-
und Vielseitigkeitsreitturnier
Deutschland  Bodo Battenberg
Räuber Hotzenplotz
Deutschland Bodo Battenberg
Räuber Hotzenplotz
Deutschland Marcus Ehning
Sandro Boy
2010 CSI 2*, nationales Dressur-
und Vielseitigkeitsreitturnier
Deutschland  Michael Jung
Vincent
Deutschland Anja Beifuss
De Negro
Deutschland  Tim Hoster
Rastellie
2011 nationales Spring-, Dressur-
und Vielseitigkeitsreitturnier
Deutschland Julia Schmid
Ronaldinio
Deutschland Roland Freund
Koryfeusz
Deutschland  Maximilian Ziegler
Ratina 193
2012 nationales Spring- und
Dressurreitturnier
Deutschland  Julia Mestern
FRH Schorsch
Deutschland  Julia Mestern
FRH Schorsch
Deutschland  Michael Kölz
Dipylon
2013 nationales Spring- und
Dressurreitturnier
Deutschland Carolina Wieland
Larry Lässig
Deutschland Anja Fahrmeier
Eulogius xx
Deutschland  Simone Blum
Flying Boy
2014 nationales Spring- und
Dressurreitturnier
Deutschland  Bodo Battenberg
Cadgold
Deutschland Stefanie Boniberger
Limerick
2015 nationales Spring- und
Dressurreitturnier
Ergebnis nicht veröffentlicht Deutschland  Simone Blum
Flying Boy
2016 nationales Spring- und
Dressurreitturnier
Ergebnis nicht veröffentlicht Deutschland  Hans-Peter Konle
Cobelix
2017 nationales Spring- und
Dressurreitturnier
Deutschland Romina Berr
Greenlawn True Enough
Deutschland  Patrick Afflerbach
Cassito und Ciara[8]

Wien

„Das Scharlachrennen“ aus Geschichte der Stadt Wien von Franz Tschischka

Das Scharlachrennen in Wien ist ein Pferderennen, das von 1382 bis 1534 zweimal jährlich anlässlich des jeweiligen Wiener Jahrmarkts stattfand.

Das Scharlachrennen wird 1382 erstmals urkundlich erwähnt, im Zusammenhang mit der Verlegung der Jahrmarktstermine auf Christi Himmelfahrt (21. Mai) bzw. St. Katharina (25. November) bei gleichzeitiger Verlängerung der Marktdauer auf je vier Wochen unter Albrecht III. (29. September 1382). Das Pferderennen wurde nach einem Stück Scharlach (ursprünglicher Wert: 30 ungarische Gulden),[9] einem dem Sieger zugedachten kostbaren karminroten Wolltuch, benannt. Für die Rennpferde, die aus diesem Anlass nach Wien transportiert wurden, war keinerlei Maut zu entrichten. Das Scharlachrennen wurde am Vorabend bei der Schranne (Gerichtsgebäude) am Hohen Markt durch Trompeter und Ausrufer angekündigt. Der Start war in St. Marx (außerhalb der Stadtmauer), die Rennstrecke ging über den Rennweg zum Wienfluß, dann durch die Ungargasse zurück nach St. Marx. Die Teilnehmer (im Schnitt zwischen sechs und 13 Reiter) mussten sich in eine Liste eintragen, das Nenngeld betrug 1 Ungarischen Forint. Der zweite Preis war eine Armbrust, der dritte ein Spanferkel. Nach dem Scharlachrennen fand jeweils ein Wettlauf freier Knechte und Mägde statt mit je einem Stück Barchent für Sieger wie Siegerin.[9] Nach der Preisverteilung gab der Bürgermeister auf Kosten der Stadt im Rathaus ein Festmahl. Dem Fest wohnten nicht nur die Spitzen des Bürgertums bei, sondern auch österreichische Landesfürsten. 1486 schickte der ungarische König Matthias Corvinus vier Pferde ins Rennen. Letztmals fand das Scharlachrennen 1534 statt.[10][11]

Literatur

  • Wilfried Sponsel (Hrsg.), Herbert Dettweiler (Beiträge): Landkreis Donau-Ries. Natur und Kultur einer einzigartigen Landschaft. Vom Meteoritenkrater zum Nationalen Geopark Ries. Satz und Grafik Partner, Meitingen 2008, ISBN 978-3-935438-60-5.
  • Heinrich Berg: Das Scharlachrennen: Der mittelalterliche Wiener „Pallio“. In: Wiener Geschichtsblätter, Band 45, Wien 1990, S. 112 f.
  Wikisource: Scharlachrennen  – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Gundolf Keil: München, Fritz. In: Verfasserlexikon. Band VI, Sp. 751.
  2. Nördlingen: Das Turnier und seine Geschichte, csi-noerdlingen.com
  3. Nördlingen: Das Scharlachrennen, csi-noerdlingen.com
  4. Ergebnisse Scharlachrennen Nördlingen 2012
  5. Turnierkalender der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
  6. Ergebnislisten 2009 und 2010, csi-noerdlingen.com
  7. Pressemeldungen zum Scharlachrennen 2008
  8. Patrick Afflerbach siegt in Nördlingen doppelt, Ursula Puschak / bayernspferde.de, 24. Juli 2017
  9. 1 2 Kleine Chronik. (…) Das Scharlachrennen in Alt-Wien am 21. Mai. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 17865/1914, 22. Mai 1914, S. 8, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  10. Richard Perger, Scharlachrennen, in: Historisches Lexikon Wien, Bd. 5, Wien 2004, S. 65.
  11. Geschichte des Vororts Landstraße