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vom 01.10.2018, aktuelle Version,

Schlacht von Gródek (1914)

Die Schlacht von Gródek war eine umgangssprachlich so genannte Kampfhandlung im Ersten Weltkrieg, die nach heftigen Gefechten zwischen russischen und österreichisch-ungarischen Truppen am 7. September 1914 mit der Eroberung der 24 km südwestlich von Lemberg gelegenen Stadt Gródek (ukrainisch Городок; russisch Gorodok, polnisch Gródek) durch die Russen endete.

Vorgeschichte

Karte des Königreichs Galizien und Lodomerien (1846–1918)

Die Stadt Gródek stand seit 1772 als Teil des Königreichs Galizien und Lodomerien unter österreichischer Herrschaft. In der Anfangsphase des Ersten Weltkrieges war die unmittelbar an der Ostfront liegende Stadt mehrfach Kriegsschauplatz. Die später unter dem Begriff Schlacht in Galizien zusammengefassten Kämpfe zwischen den an der Ostfront aufmarschierenden Truppen des russischen Kaiserreichs und Österreich-Ungarns begannen ab 23. August 1914 mit anfänglichen Erfolgen der österreichisch-ungarischen Streitkräfte. Während die k.u.k. 1. und 4. Armee in den Schlachten von Kraśnik (23. bis 25. August) und Komarów (26. August bis 3. September) die russischen Truppen schlugen, besiegten zwei russische Armeen der Südwestfront die k.u.k. 3. Armee in den Schlacht an der Gnila Lipa (29. bis 30. August).

Einnahme von Gródek

Die österreichisch-ungarische Niederlage in der Schlacht an der Gnila Lipa veränderte die Lage an der Ostfront nachhaltig zugunsten der Russen, die daraufhin zur Offensive übergingen. Am 2. September musste die k.u.k. 3. Armee Lemberg aufgeben und sich auf eine neue Linie (Wereszyka–Jaworow–Gródeker Teiche) westlich der verlorenen Hauptstadt Galiziens zurückziehen.

In der darauffolgenden Phase der Schlacht von Lemberg (6. bis 11. September) unternahmen die österreichisch-ungarischen Truppen einen letztlich erfolglosen Versuch zur Rückeroberung der verlorenen Gebiete um Lemberg, während russische Einheiten die k.u.k. 3. Armee zwischen Janow und Gródek auf die dahinterliegende Wereszyka (ein nördlicher Nebenfluss des Dnister) zurückdrängten. Nach erbitterten Kämpfen eroberten die nach Westen vorstoßenden Russen am 7. September 1914 die Stadt Gródek selbst.

Einen Tag später versuchte das k.u.k. III. Korps (6. Infanterie-Truppendivision, 22. Landwehr-Infanterie-Truppendivision, 28. Infanterie-Truppendivision) unter FML Emil Colerus von Geldern erfolglos, die Stadt zurückzugewinnen. Die 6. ID rückte entlang der Chaussee und die 28. ID entlang der Eisenbahnlinie vor, während die 22. LID als Reserve zurückbehalten wurde. Der Versuch, nachmittags bis zur Stadt vorzudringen, misslang jedoch. Rund um Gródek standen die russischen Truppen in vorbereiteten Stellungen, die frontal angegriffen werden mussten.

Nachwirkungen

Nach dem Verlust der Stadt Gródek hielten die österreichisch-ungarischen Truppen den folgenden Angriffen der Russen zwischen Gródek und Komarno bis zum allgemeinen Rückzug am 11. September stand. Zu den im Raum Gródek eingesetzten Kräften gehörten z. B. neben dem Infanterieregiment Nr. 7 „Khevenhüller“ (Oberst Otto Koschatzky) auch das Infanterieregiment Nr. 27 „Belgier“ (Oberst Karl von Weber) und dessen Schwesternformation, das Infanterieregiment Nr. 47 „Beck-Rzikowsky“ (Oberst Richard Mayer), die am 8. und 9. September an der Schlacht teilnahmen, aber die Lage nicht mehr verändern konnten.

Nachdem der am 8. September eingeleitete Angriff der k.u.k. 3. Armee an der mittleren Wereszyka bis zum 10. September zusammengebrochen und die gesamte österreichisch-ungarische Front in Galizien in Auflösung geraten war, erfolgte am 11. September der Rückzugbefehl hinter den San. Mit dem Rückzug der österreichisch-ungarischen Streitkräfte aus dem größten Teil des Kronlandes ging die Schlacht in Galizien mit einer Niederlage für die Habsburgermonarchie zu Ende. Insgesamt wurden von den russischen Streitkräften bis zum 11. September 130.000 Gefangene eingebracht, zudem konnten sie den Verlauf der Ostfront um rund 160 km nach Westen bis zum San vorschieben.

Nach der Gegenoffensive der Mittelmächte (d. h. des Deutschen Kaiserreichs und Österreich-Ungarns) in der Schlacht von Gorlice-Tarnów Anfang Mai 1915 verlief die Front im Juni 1915 entlang des Dnister und der Wereszyka. Am 17. Juni 1915 begann zwischen Gródek und Magierów eine Durchbruchsoffensive des deutschen Heeres unter Generaloberst August von Mackensen, die zu einer erneuten Schlacht bei Gródek führten und die russischen Truppen am 20. Juni zum Rückzug aus diesem Frontabschnitt veranlassten, wodurch die Voraussetzungen für die Rückeroberung von Lemberg durch die k.u.k. 2. Armee zwei Tage später geschaffen werden konnten.

Rezeption

Georg Trakl (1887–1914)

Der österreichische Dichter Georg Trakl verarbeitete seine Erlebnisse während der Schlacht von Gródek in dem Gedicht Grodek. Er erlebte die Kämpfe um die Stadt Anfang September 1914 als Sanitätsleutnant in einem Feldlazarett mit, das später in der Presse als eine der „Todesgruben von Galizien“ bezeichnet wurde. Dabei hatte er fast einhundert Schwerverwundete unter schlechten Bedingungen allein zu versorgen. Zwei Tage und zwei Nächte arbeitete er in dem Lazarett, was ihn in Verzweiflung stürzte. Er wurde schließlich zur Beobachtung seines Geisteszustandes in ein Krakauer Militärhospital eingewiesen, wo er am 3. November 1914 einer Herzlähmung in Verbindung mit einer Überdosis Kokain erlag. Grodek ist wohl Trakls letztes Gedicht und wurde kurz nach seinem Tod in der Zeitschrift Der Brenner veröffentlicht.[1]

Per „Allerhöchster EntschließungKaiser Franz Josephs vom 13. April 1916 wurde Stefan Weingraber, Oberstleutnant im k.u.k. Infanterie-Regiment Nr. 102, aufgrund eines Offiziersprivilegs sowie in Anerkennung seiner militärischen Leistungen bei den Kämpfen um die Stadt als „Edler von Grodek“ in den erblichen Adelsstand erhoben.[2]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Lexikon des Expressionismus, ISBN 2-85056-128-2
  2. Arno Kerschbaumer, Nobilitierungen unter der Regentschaft Kaiser Franz Joseph I. / I. Ferenc József király (1914–1916). Graz 2017, ISBN 978-3-9504153-2-2, S. 70.