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vom 06.03.2018, aktuelle Version,

Schlittenlift Bödele

Postkarte von 1907/1908 mit dem Schlitten am Lank.
Die Antriebsstation des Schlittenlifts am Bödele nach einer Skizze von Hugo Rhomberg.

Der Schlittenlift am Bödele (auch: Motoraufzug oder Aufzugsschlitten) in Schwarzenberg, Vorarlberg, war ein historisches Transportmittel für Wintersportler, das einige Jahre bestand. Diese Aufstiegshilfe zählt zu den ältesten mechanischen Aufstiegshilfen in den Alpen für Wintersportzwecke und kann als erster Vorläufer moderner Skilift-Anlagen angesehen werden.[1] Ähnliche Anlagen waren in der Schweiz ab den 1930er Jahren in Betrieb (siehe: Schlittenseilbahn).

Technik

Es handelte sich dabei um einen nicht lenkbaren Schlitten mit einer kufennähnlichen Führung am Boden des Schlittens, der auf einer Schlepplift-ähnlichen Trasse am Boden auf Schnee hinauf und hinunterfuhr. Der Antrieb des Schleppseiles erfolgte durch einen Verbrennungsmotor. Der Schlitten war mit keinen Brems- und Sicherheitsvorrichtungen ausgestattet. Der Schlitten bot etwa sechs Passagieren Platz.

Diese erste motorisch betriebene Aufstiegshilfe mit Schlitten für Skifahrer wurde 1907 konstruiert und hinter dem damaligen Alpenhotel Bödele[2] bei einem Übungshügel probeweise in Betrieb genommen. Konstruiert wurde die Anlage von den Dornbirner Ingenieuren Hugo Rhomberg und Alfred Rüsch.[3]

Der Schlittenlift wurde an einem 70 m langen Hanfseil befestigt, dass von einem 4,5 PS Fahrzeugmotor gezogen wurde. Die Skispringer konnten auf zwei Bänken sitzend mitfahren. Förderleistung ca. 40 Springer pro Stunde.[4]

Diese Aufstiegshilfe wurde ein Jahr später auch am Lank als Transportmittel für die seit mehreren Jahren bereits bestehende Natur-Skisprungschanze verwendet und neben der Sprungbahn geführt.

Literatur

  • Jakob Gabathuler: Entwicklung und Ökonomik der Schlittenseilbahnen, Skilifts und Sesselbahnen. Stämpfli, Bern 1947.
  • Alpenhotel Bödele (Hrsg.): Das Bödele bei Dornbirn. Dornbirn o. J. (vermutlich 1908) online.
  • Wolfgang Allgeuer, Seilbahnen und Schlepplifte in Vorarlberg; ihre Geschichte in Entwicklungsschritten, Bregenz 1998, Neugebauer, Vorarlberger Landesbibliothek:Schriften der Vorarlberger Landesbibliothek, ISBN 3-85376-059-7

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Allgeuer, Seilbahnen und Schlepplifte in Vorarlberg; ihre Geschichte in Entwicklungsschritten, S. 25, führt aus, dass die erste mechanische Aufstiegshilfe in Pillnitz bei Dresden (Sachsen) ein geschäftstüchtiger Gastwirt 1900 errichten ließ. Dieser Seilaufzug wurde mit einem Pferd betrieben und die Skiläufer den Hang hinaufgezogen. 1904 (nach anderen Angaben erst im Februar 1908) habe in Schollach im Schwarzwald (beim Kurhaus "Schneckenhof" in etwa 990 m.ü.M., Wirt: Robert Winterhalder) eine mit Wasserkraft betriebene Anlage bestanden, die Rodler und Skifahrer mit 2,1 m/s bergwärts beförderte und eine Förderkapazität von 55 Personen/Stunde aufwies. Die Anlage war etwa 250 m lang (nach anderen Angaben 280 m).
  2. 16 Fremdenzimmer bzw. 30 Betten, 1938 abgebrannt.
  3. Rudolf Hämmerle, 30 Jahre Lanklift am Bödele, Dornbirn 1981.
  4. Zitiert aus Vorarlberger Nachrichten vom 28. Jänner 1975, Seite 7.