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vom 09.04.2017, aktuelle Version,

Schloss Lednice

Schloss Lednice

Das Schloss Lednice (deutsch Eisgrub) liegt bei Lednice in Tschechien, im Okres Břeclav, nahe der österreichischen Grenze. Es wurde von den im 13. Jahrhundert kommenden Liechtensteinern errichtet und blieb bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Familie Liechtenstein. Das Schloss ist Teil der in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommenen Kulturlandschaft Lednice-Valtice.

Das Schloss gehört zu den meistbesuchten Baudenkmälern Tschechiens. So war es im Jahr 2010 das Ziel von 325.000 Besuchern vor der Burg und dem Schloss in Český Krumlov mit 292.000 verkauften Karten.[1]

Geschichte

Ansicht vom Schloss Eisgrub während des Barocks
Innenansicht des Palmenhauses von Schloss Eisgrub (Aquarell von Rudolf von Alt, 1842)

Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein (1611–1684) beauftragte 1632 seinen Baumeister Giovanni Giacomo Tencalla die Parkanlage mit Wasserkünsten auszugestalten. Der Hof-Steinmetzmeister Pietro Maino Maderno führte – laut Kontrakt – sechs Brunnen in Hrubschitzer Stein aus. Pietro hatte das Handwerk im Kaiserlichen Steinbruch bei Wien gelernt. Mit Maderno arbeitete der Bildhauer Peter Concorz, ab 1645 der als Steinmetzmeister bezeichnete Francesco Caratti.

Karl Eusebius’ Sohn Johann Adam Andreas (1662–1712) betraute Johann Bernhard Fischer von Erlach mit dem Bau der Reitstallungen von Eisgrub. (Baukontrakt von 1688). Auftrag an Hofsteinmetzmeister Ambrosius Ferrethi aus dem harten Kaisersteinbrucher Kaiserstein. Den Statuenschmuck aus Zogelsdorfer Stein, damals Eggenburger Stein genannt, gestaltete 1700 Giovanni Giuliani. Die Blöcke lieferte Meister Wolfgang Steinböck.

1766 bis 1772 fand ein Umbau des Schlosses im klassizistischen Stil statt. Das Schloss wurde aufgestockt und der Baukomplex mit einem neuen, nach Süden ausgerichteten Ehrenhof ausgestattet, dessen Bau mit dem Abtragen der gotischen Jakobskirche ermöglicht wurde. An der Westseite entstand ein neuer Küchen- und Gästezimmertrakt, des Weiteren wurde das Schloss mit den Reithallen baulich verbunden. 1815 gestaltete der Architekt Joseph Kornhäusel die Schlossgebäude im Empirestil um und baute neue Repräsentationsräumlichkeiten an die Ostseite.

Nach Plänen des Architekten Georg Wingelmüller wurde das Schloss im Stil der Neugotik in den Jahren 1846 bis 1858 zum heutigen Aussehen, das stark von der englischen Spätgotik beeinflusst ist, da Wingelmüller auf einer Englandreise mit den dortigen Bauformen konfrontiert wurde, umgebaut. Von den ursprünglichen Bauten blieb nur die Reithalle übrig. Der französische Garten und der ausgedehnte Landschaftspark mit romantischen Bauten ergänzen den Komplex. Im Erdgeschoss des Schlosses finden sich zahlreiche Schnitzereien, besonders in der Bibliothek mit einer schönen Wendeltreppe, die aus einem Eichenstamm geschnitzt wurde, und in der imposanten Eingangshalle.

Bedeutsam ist die Parkanlage, in der von den Liechtensteinern 1845 ein Palmenhaus mit einer Orangerie errichtet wurde. Der Park entstand, indem der Fluss Thaya umgeleitet wurde. Es wurde ein großer Teich mit vielen Inseln geschaffen. Die Pflanzen des Gartens wurden durch Fürst Alois I. teilweise aus Amerika importiert. Der Schlossteich und benachbarte Wasserflächen dienen vielen Wasservögeln als Brut- und Rastplätze und stehen seit 1953 als nationales Naturreservat Lednické rybníky unter Naturschutz.

Von dem 1797–1804 im Park errichteten Minarett soll man bei klaren Tagen in Wien den Stephansdom erkennen können, was durch einen Höhenschnitt mit der digitalen Höhenkarte eindeutig als Legende erkennbar ist. Das Minarett hat eine Höhe von 60 Metern und galt lange Zeit als das höchste Minarett in einem nichtislamischen Land sowie als das nördlichste Minarett Europas. Es gehörte jedoch niemals zu einer Moschee und wurde niemals von Muslimen genutzt, der Legende nach soll es einer Provokation des Bauherrn zu verdanken sein. Der österreichische Fürst Alois von Liechtenstein hatte für seine ursprünglich geplante Kirche offenbar keine Baugenehmigung der Gemeinde erhalten und daraufhin auf seinem eigenen Grundbesitz das Minarett angeblich als ein weithin sichtbares Trotzsymbol errichten lassen. An dominanten Punkten im Park ließ Fürst Johann I. Josef klassizistische Bauwerke errichten.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs lagerten hier Bestände der ehemaligen k.u.k. Marinebibliothek.

Seit der entschädigungslosen Enteignung des Fürstenhauses Liechtenstein im Jahr 1945 ist das Schloss im Besitz des zuerst tschechoslowakischen, später tschechischen Staates. Alle politischen und gerichtlichen Bemühungen des Fürsten Hans Adam II. – nach dem Ende der kommunistischen Diktatur 1990 – um eine Rückgabe des enteigneten Besitzes (neben den Schlössern Lednice und Valtice noch weitere 15 Schlösser, 1600 Quadratkilometer Land und diverse Industriebetriebe) scheiterten am Widerstand der tschechischen Regierung, die sogar dem Fürstentum Liechtenstein bis 2009 die diplomatische Anerkennung als Staat versagte.

Bedeutung

Zusammen mit den Schlössern Hluboká nad Vltavou, Žleby, Sychrov, Hradec u Opavy oder Bítov kennzeichnet das Schloss Lednice ein Gesamtbild und zugleich eine baugeschichtliche Endphase von Adelssitzen in den böhmischen Kronländern um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die romantische Neugotik noch einmal anspruchsvolle Kunstformen forderte.[2]

Bildergalerie

Einzelnachweise

  1. Über vier Millionen Menschen besuchten 2010 vom Staat verwaltete Baudenkmäler (Memento vom 8. April 2011 im Internet Archive) auf Radio Praha vom 29. März 2011 abgerufen am 2. April 2011
  2. Krajské středisko státni památkove péče a ochrany přírody v Brně (Hrsg.): Jiři Paukert: Státní Zámek Lednice. Státní tiskárna, n.p., Praha 1970, S. 8.

Literatur

  • Krajské středisko státni památkove péče a ochrany přírody v Brně (Hrsg.): Jiři Paukert: Lednice - Tschechoslowakei 1967.
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