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vom 13.05.2017, aktuelle Version,

Schloss Parz

Schloss Parz

Das Schloss Parz in der Ortschaft Parz der oberösterreichischen Stadt Grieskirchen ist ein Landschloss, das um 1515 erbaut wurde. Es ist eines der größten Schlösser des Bundeslandes, befindet sich unmittelbar beim wesentlich kleineren Wasserschloss Parz und war das Zentrum der Oberösterreichischen Landesausstellung 2010.[1]

Geschichte

Schloss Parz nach einem Stich von Georg Matthäus Vischer von 1674

Nachdem die Pollheimer bereits 1398 die Burg und Herrschaft Tegernbach sowie den Markt Grieskirchen erworben hatten,[2] kaufte 1514 Sigmund Ludwig von Pollheim von Han(n)s Pürchinger die Herrschaft Parz und inkorporierte sie mit der etwa zwei Kilometer nordöstlich gelegenen Herrschaft Tegernbach (davon kommt der Name der Katastralgemeinde Pfleg von Schlüßlberg; die sehr alte Burg dort ist verfallen).[3] Anschließend ließ Sigmund Ludwig von Pollheim mit Genehmigung vom Kaiser Maximilian I. die alte Burg in Tegernbach abtragen und errichtete, teilweise mit deren Abbruchmaterial, neben dem kleinen Wasserschloss Parz ein dreigeschossiges Renaissanceschloss mit weitläufigen Wirtschaftsgebäuden, das man anfangs daher auch als Neu-Tegernbach bezeichnete[4] und das erst später nach der Ortschaft Parz benannt wurde. Sigmund Ludwig von Pollheims gleichnamiger Sohn (1531–1598) baute das Schloss zu seiner heutigen Form aus und errichtete ein geistiges Zentrum des Protestantismus in Oberösterreich.[5]

Nach dem Tod Gundackers von Polheim (1575–1644), des Stadtgründers von Grieskirchen (1613) und kaiserlichen Kämmerers und Reichshofrates, wurde das Schloss Parz veräußert. In der Folgezeit kam es zu kurzen Besitzungen durch die Familien Pálffy, Harrach und Verdenberg . 1651 wurde das Schloss und die Herrschaft von David Graf Ungnad von Weissenwolff (1604–1672), einem Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, gekauft. Nach dem Aussterben dieser Adelsfamilie im Jahr 1961 kam die Schlossanlage über Antoinette Altgräfin von Salm-Reifferscheidt (1908–1962) und Karl Friedrich Maria Johann Mensdorff-Pouilly (1894–1981) im Jahr 1985 in den Besitz von Georg Spiegelfeld-Schneeburg, der sie restaurierte und revitalisierte.[5] Derzeit (2010) ist das Schloss im Besitz der Willy Messerschmitt-Stiftung.[2]

Beschreibung

Südseite des Haupttraktes mit den ältesten, freigelegten Fresken

Das Schloss besteht aus einem dreigeschossigen Haupttrakt mit Turm und zwei Seitenflügeln. 1987 entdeckte man an der etwa 100 m langen Südfassade großflächige Renaissancefresken. Sie wurden im Auftrag des Protestanten Sigmund von Pollheim angefertigt und haben die Überlegenheit des Protestantismus gegenüber dem Katholizismus zum Thema.[5] Sie wurden mit Unterstützung der Messerschmitt Stiftung freigelegt.

Literatur

  • Gerhard Stenzel: Von Schloss zu Schloss in Österreich. Kremayr & Scheriau, Wien 1976, ISBN 3-218-00288-5, S. 175.
  • Norbert Grabherr: Burgen und Schlösser in Oberösterreich. Ein Leitfaden für Burgenwanderer und Heimatfreunde. 3. Auflage. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1976, ISBN 3-85214-157-5.
  Commons: Schloss Parz  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Reform und Renaissance, Folder Oberösterreichische Landesausstellung 2010 28. 04. bis 07. 11. 2010, Schloss Parz / Grieskirchen; Information zur Pressekonferenz mit Dr. Josef Pühringer, …, am 21. April 2010 zum Thema Präsentation der Oö. Landesausstellung 2010 „Renaissance und Reformation“, Landeskorrespondenz (beide pdf, land-oberoesterreich.gv.at).
  2. 1 2 Gemeinde Grieskirchen: Schloss Parz; abgerufen am 17. Okt. 2010
  3. Benedikt Pillwein (Hrsg.): Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Mit einem Register, welches zugleich das topographische und genealogische Lexikon ist und der Kreiskarte versehen. Geographisch-historisch-statistisches Detail nach Distrikts-Kommissariaten. 1. Auflage. Dritter Theil: Der Hausruckkreis. Joh. Christ. Quandt, Linz 1830, Distrikts-Kommissariat Parz: Parz und Tegenbach, S. 324 f (Google eBook). 2. Auflage 1843 (Google Book)
  4. Historisch-topographische Matrikel oder geschichtliches Ortsverzeichnis des Landes ob der Enns; Wien 1863, S. 40 (Google eBook, vollständige Ansicht).
  5. 1 2 3 Eintrag über Parz - Land- und Wasserschloss auf Burgen-Austria; abgerufen am 9. Okt. 2010