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vom 24.05.2020, aktuelle Version,

Schloss Weitra

Schloss Weitra
Südansicht

Südansicht

Erhaltungszustand: renoviert
Ort: Weitra, Osterreich  Österreich
Geographische Lage 48° 42′ 0″ N, 14° 53′ 39″ O
Höhe: 601 m ü. A.
Schloss Weitra (Niederösterreich)
Schloss Weitra

Das Schloss Weitra ist ein Renaissanceschloss im Waldviertel, das im späten 16. Jahrhundert durch den Umbau einer mittelalterlichen Burg entstand. Es befindet sich in erhöhter Lage südlich der Weitraer Altstadt im niederösterreichischen Bezirk Gmünd.

Der Renaissancehof.

Geschichte

Ursprüngliche Burganlage

Die Burg wurde wie die Stadt Weitra zwischen 1201 und 1208 durch Hadmar II. von Kuenring gegründet. Heinrich IV. von Kuenring-Weitra, seit 1274 Marschall von Österreich, der sich gegen Rudolf I. erhob, floh nach Weitra.

Nach der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen wurde Weitra durch Stephan von Maissau belagert, wobei die Kuenringer die Herrschaft Weitra verloren. Sie wurde von Rudolf I. eingezogen, dessen Söhne sie kurz wieder an Leuthold von Kuenring verliehen.

Die Burg wurde häufig in Kriegen belagert wie durch die Hussiten 1426 und 1431 oder die Ungarn 1486. Im Jahr 1508 wurde die Herrschaft an Laslav von Prag, Freiherr zu Windhag verpfändet. 1582 schenkte Rudolf II. Burg und Stadt Weitra seinem Kämmerer Wolf Rumpf Freiherr von Wullroß. Wolf Rumpfs Witwe Maria, geborene Gräfin Arco, heiratete den Grafen Friedrich von Fürstenberg-Heiligenberg († 1617), dem sie die inzwischen zum Renaissanceschloss umgebaute frühere Burg und die Stadt Weitra vererbte.

Heutiges Schloss

Seit dem Jahr 1606 befand sich Weitra somit im Besitz der Prinzen und Landgrafen zu Fürstenberg. Der Bau des heute erhaltenen Renaissanceschlosses erfolgte direkt über der ursprünglichen Burganlage gegen Ende des 16. Jahrhunderts nach Plänen aus dem Jahr 1588 von Pietro Ferrabosco. Durch schwedische Truppen wurde die Burg 1645 erfolglos belagert. Nach mehreren Bränden wurden barocke und Rokokoelemente hinzugefügt.

Als die Linie Fürstenberg-Heiligenberg 1716 ausstarb, fiel Schloss Weitra schließlich 1744 an Landgraf Ludwig, den jüngeren Bruder des Fürsten Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg-Stühlingen. Landgraf Ludwig († 1759) begründete die Linie der Landgrafen von Fürstenberg-Weitra, welche nach seinem Tod in die beiden Linien Weitra und Taikowitz zerfiel. Aus der Linie in Weitra ging der Kardinal Friedrich Egon von Fürstenberg († 1892) hervor.

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs hatte das Schlossensemble unter Zerstörungen durch devastierende sowjetische Besatzungstruppen schwer zu leiden. Angesichts der nahen Lage am Eisernen Vorhang und der Strukturschwäche des Umlands verfiel es. Anlässlich der Niederösterreichischen Landesausstellung 1994 wurde das Schloss von Johannes Prinz zu Fürstenberg renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Nutzung

Aufgespannte Schirme im Schlosshof

Seit 2006 findet im überdachten und geheizten Innenhof des Schlosses das von Felix Dvorak gegründete Schloss-Weitra-Festival statt. Um den Hof auch bei ungünstiger Witterung nützen zu können, wurden große Schirme eingebaut, womit der Schlosshof abgedeckt werden kann. Außerdem wird diese Spielstätte für vielfältige Veranstaltungen genutzt. Seit den 1980er-Jahren wird auch der traditionelle Garnisonsball abgehalten. Daneben beherbergt das Schloss ein Brauereimuseum und eine Dauerausstellung über den Eisernen Vorhang.

2014 übernahm Peter Hofbauer die Intendanz des Festivals auf Schloss Weitra.[1] Die für 2020 geplante Aufführung von Wiener Blut wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie auf 2021 verschoben.[2]

Literatur

  • ARGE Burgen, Stifte und Schlösser des Waldviertels (Hrsg.): Burgen, Stifte und Schlösser des Waldviertels. Geschichte, Kultur, Wanderziele, Gastronomie. St. Pölten–Wien, NÖ Pressehaus 1994, ISBN 3-85326-999-0, Band II, S. 100 ff.
  • Wilfried Bahnmüller: Burgen und Schlösser in Niederösterreich. Die 103 schönsten Ausflugsziele. Berndorf, Kral-Verlag 2015, ISBN 978-3-99024-001-4, S. 92.
  • Evelyn Benesch, Bernd Euler-Rolle, Claudia Haas, Renate Holzschuh-Hofer, Wolfgang Huber, Katharina Packpfeifer, Eva Maria Vancsa-Tironiek, Wolfgang Vogg: Niederösterreich nördlich der Donau (= Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs). Anton Schroll & Co, Wien u. a. 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 1275 f.
  • Georg Binder: Die Niederösterreichischen Burgen und Schlösser (2 Bde.). Verlag Hartleben, Wien–Leipzig 1925 II, S. 80 f.
  • Burgen, Stifte und Schlösser. Regionen Waldviertel, Donauraum, Südböhmen, Vysočina, Südmähren. Destination Waldviertel, Zwettl 2007, ISBN 978-3-9502262-2-5, S. 119 ff.
  • Falko Daim, Karin Kühtreiber, Thomas Kühtreiber: Burgen – Waldviertel, Wachau, Mährisches Thayatal. 2. Auflage, Verlag Freytag & Berndt, Wien 2009, ISBN 978-3-7079-1273-9, S. 577 ff.
  • Erwein H. Eltz, Wolfgang Katzenschlager, Arno Strohmeyer (Hrsg.): Schloß Weitra. Artstetten 1996.
  • Franz Eppel: Das Waldviertel. Verlag St. Peter, Salzburg 1978, 232 ff.
  • Friedrich-Wilhelm Krahe: Burgen des deutschen Mittelalters, Grundrisslexikon. Würzburg 1994, S. 653.
  • Martina Lorenz, Karl Portele: Burgen Schlösser Österreich. Verlag Portele, Wien 1997, ISBN 3-901818-03-0, S. 70.
  • Laurin Luchner: Schlösser in Österreich I. München Beck 1978, ISBN 3-406-04507-3, S. 216 f.
  • Georg Clam-Martinic: Österreichisches Burgenlexikon, Linz 1992, ISBN 978-3-902397-50-8, S. 207 f.[3]
  • Walter Pongratz, Gerhard Seebach: Burgen und Schlösser Litschau – Zwettl – Ottenschlag – Weitra. Niederösterreichs Burgen und Schlösser III/1 (Birken-Reihe). Wien 1971, ISBN 3-85030-007-2, S. 49 ff.
  • Gerhard Reichhalter, Karin und Thomas Kühtreiber: Burgen Waldviertel Wachau. Verlag Schubert & Franzke, St. Pölten 2001, ISBN 3-7056-0530-5, S. 420 ff.
  • Georg Matthäus Vischer: Topographia Archiducatus Austriae Inferioris Modernae 1672. Reprint Graz 1976 V.O.M.B., Nr. 135.
Commons: Schloss Weitra  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Schloss Weitra Festival: Peter Hofbauer. Abgerufen am 3. Juli 2018.
  2. Erst ’21: „Starnacht“ und vier Sommertheater. In: ORF.at. 22. Mai 2020, abgerufen am 22. Mai 2020.
  3. Online bei Austria-Forum