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vom 14.05.2018, aktuelle Version,

Schloss Zellhof

Stich des Georg Matthäus Vischers: Schloss Zellhof um das Jahr 1674.

Schloss Zellhof liegt außerhalb des Marktes Bad Zell in der Streusiedlung Zellhof (Katastralgemeinde Brawinkl). Der Name Zellhof kommt wahrscheinlich wie beim Markt Bad Zell von einer sog. Cella, die für durchreisende Geistliche errichtet wurde. Dieser Hof bei der Celle entwickelte sich somit zum Zellhof und später zum Adelssitz.

Geschichte

Das Schloss war jahrhundertelang mit der Burg Prandegg aufs Engste verbunden. Die Burg gehört wegen Grenzverschiebungen im Jahre 1784 heute nicht mehr zu Bad Zell, sondern zum Gemeindegebiet von Schönau im Mühlkreis.

Jörger von Prandegg-Zellhof

Zeichen des Verfalls und Abrisses von Gebäudeteilen: Schloss Zellhof im ausgehenden 19.  Jahrhundert

Zellhof wird im Jahre 1347 als Besitz der Zellhofer urkundlich erwähnt. Es folgten häufige Besitzerwechsel und Ausbauten zu einem Edelsitz. In den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts gelangten die Jörger von Tollet in den Besitz der benachbarten Herrschaft Prandegg. Hilleprant Jörger kaufte 1536 von Regensburg den Markt Zell (Bad Zell) ab. Damit war auch die hohe Gerichtsbarkeit und Vogtei über die Pfarre Zell eingeschlossen. Da der Jörger diesen Besitz abrunden wollte, erwarb er viele andere Höfe und Zehente in der Gegend von Zell und Gutau dazu. Hilleprant Jörger gelangte auf diese Weise zu einem ansehnlichen Besitz, den seine Erben und Nachkommen vergrößerten. Erworben wurden im Jahre 1596 der Freisitz Habichrigl (Gemeinde Bad Zell) samt den dazugehörenden Höfen, im Jahre 1607 auch das Schloss Zellhof und nach 1630 das Schloss Aich. Die Jörger wohnten meist auf Prandegg, nutzten aber das Schloss Zellhof als Zweitwohnsitz oder Wohnsitz für Besuche. Die beiden Herrschaften Prandegg und Zellhof wurden vereint, welches für die Vergrößerung des Einflussgebiets der Jörger sorgte. Unter Ferdinand Jörger wurde zwischen den Jahren 1618 und 1622 der große Trakt mit der großen Freitreppe, in dem sich die Prunkgemächer befanden, sowie die daran angrenzenden zweistöckigen Trakt neu erbaut.

Freiherr Hans Maximilian Jörger[1] führte mit seiner Familie ein standesgemäßes Leben wie im Folgenden veranschaulicht wird: Während er einen Kammerdiener und drei Lakaien besaß, nahm die gnädige Frau auf Prandegg eine Verwalterin und ein Zimmermädchen in Anspruch. Weiterhin leisteten der Familie verschiedene Angestellte den Dienst wie etwa Gärtner, Bäcker, Schneider, Jäger, Binder, Reitknechte, Vorreiter, Kutscher, Köche, ein Torwart und zwei Turmwächter; für die Wirtschaft sorgten zudem ein Meier, ein Knecht und eine Dirn. Das Personal wurde auch für das Schloss Zellhof eingesetzt, sobald die herrschaftliche Familie dort vorübergehend residierte. Auf der Tafel der Herren von Prandegg und Zellhof wurde neben gewöhnlicher Kost auch Wild, Hasen und Fisch serviert, daneben in Zell, Linz oder Wien erworbene Gewürze und Heringe sowie mediterrane Zitronen und Tomaten. Die Kleidung war ebenfalls standesgemäß, denn der Freiherr trug neben einfachen Kleidern auch seidene goldbestickte Westen, Pariser Strümpfe und Schuhe aus Wien. Die Dienerschaft, vom Lakaien bis zum Vorreiter, trug Livree. Häufig reisten sowohl der Freiherr als auch die gnädige Frau und besuchten besonders gerne größere Märkte wie jenen in Linz, wo neben dem Hausbedarf auch Luxuswaren wie etwa Majolika-Geschirr oder Spielwaren eingekauft wurden.

Spielberger, Starhemberger, Salburger ab 1631

Südflügel mit ehem. Schlosskapelle (ganz rechts)

Im Jahre 1631 mussten die Jörger als bekennende Protestanten ihren gesamten Besitz (Prandegg, den Markt Zell, Schloss Zellhof, Pranthof/Gemeinde Gutau, Schloss Habichrigl, Schloss Aich und alle anderen Höfe und Zehente) verkaufen. Neuer Besitzer wurde Gotthard von Scherffenberg, Herr auf Spielberg. Dieser verstarb bald darauf und seine Witwe heiratete im Jahre 1636 den edlen Hans Reichard von Starhemberg.

Sowohl die Scherffenberger als auch die Starhemberger residierten häufiger auf Schloss Zellhof statt in Prandegg, sodass der Amtssitz des Pflegers nach Zellhof verlegt wurde. Die Bezeichnung Herrschaft Prandegg wurde mit der Zeit zur Herrschaft Zellhof verändert. Lediglich das Landgericht Prandegg behielt seinen Namen bei, auch wenn dessen Sitz auf Zellhof war. Es hieß zuletzt Landgericht Prandegg-Zellhof. Hans Reichard von Starhemberg war laut eigener Aussage die Gegend zu rau und verkaufte bereits 1642 den gesamten Besitz an die Salburger, welche die größte Ausdehnung der Herrschaft erreichten. Die Burg Prandegg verfiel indes immer mehr. Lediglich die Brauerei und die Hoftaverne wurden durch die Salburger weitergeführt, aber dann auch aufgelassen.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss Zellhof gänzlich umgebaut. Die alte Schlosskapelle St. Jakob wurde abgerissen und eine neue errichtet. Diese wurde durch eine lange Galerie mit Dachreiter mit dem Hauptstock des Schlosses verbunden. An weiteren Gebäudeteilen wurden ebenfalls Veränderungen vorgenommen. Das Schloss zeigte sich im 19. Jahrhundert als reizvolle, aber unregelmäßige, vierseitige Anlage um einen weiten Innenhof. Der Südflügel fungierte als Wirtschaftstrakt im Form eines zweigeschossigen Baus mit Walmdach, an den im Osten die Kapelle anschließt. Er ist bis heute erhalten.

Verfall nach 1806 und heutige Nutzung

Schloss Zellhof 2006

1806 starb die Zellhofer Linie der Salburger aus. Der Besitz ging an die Grafen Dietrichstein über, die wiederum Zellhof und Prandegg im Jahre 1823 an die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha auf Greinburg weiterverkauften.

Nach der Aufhebung der Grundherrschaften im Jahre 1848 verfiel das Schlosses mit der Zeit und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Teile der Gebäude wie z. B. der Palas und der Turm abgerissen. Die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha übergaben das Schloss schließlich in den Besitz der Gemeinde Bad Zell und ihrer Gemeindebewohner.

Heute sind nur mehr Teile der einst so schönen Anlage erhalten: Die ehemalige barocke Jakobskapelle ist äußerlich durch ihren oktogonalen Grundriss noch als Kapelle identifizierbar, aber im Inneren eine unansehnliche, ruinöse Rumpelkammer mit demolierten Gewölbe und verschwundener Einrichtung. Lediglich einzelne Malereien deuten auf die einstige Verwendung als Schlosskapelle hin. Dagegen wird die ehemalige Schlosstaverne unweit des Schlosses heute nach wie vor als Gaststätte genutzt.

Literatur

  • Bundesdenkmalamt Österreich (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Oberösterreich Mühlviertel. Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 978-3-85028-362-5.
  • Lambert Stelzmüller, Alois Schmid: Heimatbuch der Marktgemeinde Bad Zell. Linz 1985.
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Einzelnachweise

  1. Einblicke in das Leben einer adeligen Familie des 17. Jahrhunderts. Quelle: Zellhofer Archiv.