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vom 30.04.2020, aktuelle Version,

Sinich

Sinich
Italienische Bezeichnung: Sinigo
Sinich liegt etwa in der Bildmitte links der Etsch.
Staat Italien
Region Trentino-Südtirol
Provinz Südtirol (BZ)
Gemeinde Meran
Koordinaten 46° 39′ N, 11° 11′ O
Einwohner 2.792 (2010)
Demonym Sinicher
Patron Justus
Telefonvorwahl 0473 CAP 39012/39010

Sinich (italienisch Sinigo) ist ein Stadtviertel der Gemeinde Meran und liegt etwa 4 km südlich des Stadtzentrums.

Lage

Sinich liegt im Etschtal im Süden des Meraner Talkessels und somit im Süden des Meraner Stadtgebiets. Der Ortsteil entstand nahe der Mündung des Sinichbachs in einem ehemaligen Sumpfgebiet auf der orographisch linken, östlichen Seite der Etsch. Sinich ist im Osten durch den Tschögglberg begrenzt. Im Süden grenzt der Ortsteil an die Gemeinde Burgstall.

Geschichte

Sinich ist bereits im späten 13. Jahrhundert urkundlich als „ze Ursinie“ sowie 1350 als „von der Sini“ genannt.[1] Der Sprachforscher Egon Kühebacher führt den Namen auf die Verkleinerung des lateinischen Personennamens *Ursus zu *Ursinus zurück, der in der deutschen Aussprache ab dem 14. Jahrhundert über *Ursinie zu *Sinig wurde.[2] Kirchlich gehörte Sinich ursprünglich zur Pfarre Mais, wie eine Meraner Notariatsaufzeichnung von 1407 („in plebe Mais auf dem Sinigen“) bezeugt.[3]

Die Örtlichkeit ist im Zuge der italienischen Siedlungspolitik zu der Zeit des Faschismus in den 1920er Jahren auf seine heutige Größe herangewachsen. Die teils sumpfigen Gebiete unweit Merans wurden von der „Opera Nazionale Combattenti“, welche während des Ersten Weltkrieges gegründet worden war, trockengelegt. Im Folgenden baute die Firma Montecatini Wohnsiedlungen für die aus dem Rest Italiens kommenden Arbeiterfamilien. Im Zuge dieser Ansiedlung wurde von derselben Firma, neben Wohnungen, Kindergärten, Schulen und einer Kirche, auch eine Düngemittelfabrik, in der die italienischen Arbeiter arbeiteten, errichtet.[4] Anfangs trug das neu entstandene Dorf noch den Namen Borgo Vittoria. Erst später wurde wieder der ursprüngliche Name Sinich verwendet.[5] Die Kirche zum heiligen Justus wurde 1928 errichtet. Nachdem in den 1990ern durch die Errichtung von zahlreichen neuen Mehrfamilienhäusern im Süden des historischen Ortszentrums von Sinich die Bevölkerung deutlich gewachsen war, wurde die alte Kirche den Ansprüchen nicht mehr gerecht. Daher wurde in den 2000ern die neue Pfarrkirche neben der alten Kirche errichtet.[6]

Industrie

In Sinich befindet sich eine Fabrik der MEMC, die zum amerikanischen Großkonzern SunEdison gehört. Diese produziert dort seit Jahrzehnten sogenannte Silizium-Wafer. Zudem stellte die MEMC lange Jahre auch ein Vorprodukt der Wafer her: polykristallines Silizium. Für diesen Arbeitsschritt musste Trichlorsilan in aufwändig gesicherten Gefahrenguttransporten nach Meran gebracht werden. 2010/2011 errichtete der bedeutendste Zulieferer Evonik nach Abschluss eines langfristigen Liefervertrags neben dem Gelände der MEMC in Sinich für rund 200 Millionen Euro eine Trichlorsilan-Produktion, um den teuren Transportweg auf ein Minimum zu reduzieren. Da der globale Solarmodulmarkt allerdings in diesen Jahren zusammenbrach, fasste die MEMC den Entschluss, die Produktion von polykristallinem Silizium aufzugeben, wodurch nun die gerade errichtete Trichlorsilan-Anlage überflüssig wurde. Um aus dem langfristigen Liefervertrag aussteigen zu können, kaufte die MEMC der Evonik die Anlage der Trichlorsilan-Produktion für rund 70 Millionen Euro ab.[7] In der Folge wurde die Produktion von Trichlorsilan und polykristallinem Silizium eingestellt. 2014 veräußerte die MEMC ihren Betriebszweig zur Herstellung Trichlorsilans und polykristallinen Siliziums an das Unternehmen Solland Silicon.[8] Während die MEMC/SunEdison die Produktion der Silizium-Wafer fortführt (die benötigten Vorprodukte werden aus Kostengründen nun nicht mehr selbst hergestellt, sondern angeliefert), nahm der von Solland Silicon übernommene Zweig niemals wieder die Produktion auf. 2016 wurde die Solland Silicon für insolvent erklärt.[9] Ihre Produktionsstätte wurde 2019, nachdem zuvor sieben Versteigerungen leer ausgegangen waren, für 1,75 Millionen Euro an lokale Unternehmer verkauft, die sie nach einer abgeschlossenen Bonifizierung anderweitig weiterverwenden möchten.

Literatur

  • Andrea Rossi: Borgo Vittoria: die Entstehung eines italienischen Dorfes bei Meran. Drava, Klagenfurt 2014, ISBN 978-3-85435-745-2.
  • Paolo Valente: Sinigo: con i piedi nell’acqua. Storia di un insediamento italiano nell’Alto Adige degli anni Venti. Alpha Beta, Meran 2010, ISBN 978-88-722-3133-3.

Einzelnachweise

  1. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Band 1. Bozen: Athesia 1991. ISBN 88-7014-634-0, S. 117.
  2. Kühebacher, Sinich
  3. Daniela Mantoan: Il registro di imbreviature del notaio meranese Christanus q. Ulrici n. de Eppiano (1406–07). Tesi di Laurea, Universität Trento, Trient 2000, S. 175.
  4. http://www.suedtirolerland.it/de/suedtirol/meran-umgebung/meran/sinich/
  5. http://www.burggrafenamt.com/de/land-leute/meraner-land/meran/sinich.html
  6. http://www.stadtpfarre-meran.it/kirchen-von-meran
  7. Archivierte Kopie (Memento vom 3. Juni 2016 im Internet Archive)
  8. http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=477914
  9. Norbert Dall’Ò: Von der Memc zur Solland. In: ff – Südtiroler Wochenmagazin, 43/2019, S. 32–33.