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vom 22.12.2017, aktuelle Version,

Sophie Freud

Miriam Sophie Freud[1] (* 6. August 1924) ist eine österreichisch-US-amerikanische Psychologin, Sozialpädagogin und Sozialwissenschaftlerin sowie Autorin. Sie ist eine Enkelin Sigmund Freuds.

Leben

Sophie Freud ist Tochter des Rechtsanwalts Jean-Martin Freud, des ältesten Sohns von Sigmund Freud. Zusammen mit ihrer Mutter Ernestine („Esti“) Freud konnte sie nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im November 1942 über Frankreich in die USA emigrieren, wo sie das College besuchte. 1946 ging sie nach Boston und absolvierte dort eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin, die sie 1948 abschloss. Danach war sie als Sozialarbeiterin und Dozentin tätig.[2]

1967 begann Freud ein Studium an der privaten Brandeis University in Waltham, welches sie 1970 mit Promotion beendete. Anschließend war sie zunächst als Dozentin am Bostoner Simmons College tätig, dann von 1978 bis zu ihrer Emeritierung 1992 als Professorin an der dortigen School of Social Work.[2] Nach ihrer Emeritierung lehrte und forschte sie weiter und übernimmt bis heute Lehraufträge, hält öffentliche Vorträge und beteiligt sich an wissenschaftlichen Konferenzen.

Freud übte öfter Kritik an psychoanalytischen Theorien. Mitte der 1970er-Jahre schrieb sie als eine der ersten über eine neue Sicht weiblicher Sexualität. In ihren wissenschaftlichen Arbeiten unterstrich sie die Wichtigkeit, die die Umwelt auf die menschliche Entwicklung ausübt, und begab sich damit in einen Gegensatz zur Betonung der Innenwelt. Sie befasste sich unter anderem mit den Themen „Lesbische Frauen“, „Feminismus“ und „Ethische Dilemmata in der Sozialarbeit“ sowie mit postmodernen Ansätzen zur Ausbildung von Sozialarbeitern. Ende des 20. Jahrhunderts beschäftigte sie sich mit der „Sozialen Konstruktion von Normalität“ und mit „Neuen Identitäten für das neue Jahrhundert“.[3]

Sie veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Artikel in meist englischsprachigen Fachzeitschriften und Anthologien, unternahm Vortragsreisen und verfasste etwa achtzig Rezensionen psychologischer Bücher. Ihre 1988 bei NYU Press erschienene Autobiografie My three mothers and other passions wurde in mehrere Sprachen übersetzt; die deutschsprachige Ausgabe von 1989 liegt inzwischen in mehreren Auflagen und Ausgaben vor. Ihr zuletzt veröffentlichtes Werk Im Schatten der Familie Freud enthält Aufzeichnungen ihrer Mutter und beschreibt ihre eigene kritische Auseinandersetzung mit ihrem Großvater Sigmund Freud, den sie für weit überschätzt hält und als einen der „falschen Propheten des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet.[4][5][6]

Freud kehrte erstmals 1960 nach Wien zurück und besucht seit Ende der 1980er-Jahre regelmäßig Österreich; 1978 erhielt sie die österreichische Staatsbürgerschaft zurück. Sie war seit 1945 mit dem Emigranten Paul Löwenstein (auch Loewenstein) verheiratet, von dem sie sich in den 1980er-Jahren wieder scheiden ließ. Das Paar hat zwei Töchter und einen Sohn, George Loewenstein, Professor für Wirtschaftswissenschaften und Psychologie an der Carnegie Mellon University. Sophie Freud lebt seit 1946 in Boston.[2] Nach der Scheidung nahm sie ihren Mädchennamen wieder an.[7]

Publikationen, Vorträge, Interviews (Auswahl)

Bücher

  • Im Schatten der Familie Freud. Meine Mutter erlebt das 20. Jahrhundert. Claassen-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-546-00398-5. (Biografie; Übersetzung: Erica Fischer u. Sophie Freud;Buchbesprechung beim ORF.at)
  • My three mothers and other passions. New York University Press, New York 1988, ISBN 0-8147-2588-0. (englisch; Autobiografie)
    • Meine drei Mütter und andere Leidenschaften. Übersetzung Brigitte Stein. Düsseldorf : Claassen, 1989 ISBN 3-546-42957-5

Vorträge

Interviews

Literatur

  • Christoph Mentschl: Das Portrait: Sophie Freud. In: Neuer Nachrichtenbrief der Gesellschaft für Exilforschung e. V., Nr. 28, Dezember 2006, ISSN 0946-1957, S. 19–20. (exilforschung.de, PDF)
  • Doris Ingrisch: Freud, Sophie. In: Brigitta Keintzel, Ilse Erika Korotin, Ilse Korotin (Hrsg.): Wissenschaftlerinnen in und aus Österreich. Leben – Werk – Wirken. Böhlau Verlag, Wien 2002, ISBN 3-205-99467-1, S. 198–201. (Online-Auszug bei Google Bücher)

Radio-Feature

Einzelnachweise

  1. Sophie Freud, Ernestine Drucker-Freud: Living in the Shadow of the Freud Family. 1. Auflage. Greenwood Publishing Group, 2007, ISBN 978-0-275-99415-0, S. 446 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. 1 2 3 Christoph Mentschl: Portrait: Sophie Freud. In: Neuer Nachrichtenbrief der Gesellschaft für Exilforschung e. V. Gesellschaft für Exilforschung e. V., 28. Dezember 2006, S. 19–20, abgerufen am 25. August 2010 (PDF; 267 kB).
  3. Doris Ingrisch: Freud, Sophie. In: Brigitta Keintzel, Ilse Erika Korotin, Ilse Korotin (Hrsg.): Wissenschaftlerinnen in und aus Österreich. Leben – Werk – Wirken. Böhlau Verlag, Wien 2002, ISBN 3-205-99467-1, S. 198–201.
  4. Britta Weddeling: Die Vergötterung ist völlig unangemessen. In: Die Zeit, Nr. 24/2006
  5. Sophie Freud. In: Der Spiegel. Nr. 48, 2003, S. 228 (online).
  6. (JAR): Freud zu Freud. Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e. V. (GEP), 19. Juli 2002, abgerufen am 27. August 2010 (übersetzung, aus, dem, spanischen, von, k. Dieckhöfer): „Ausführungen von Freuds Enkelin Dr. Sophie Freud beim 3. Welt-Kongreß für Psychotherapie im Juli 2002 in Wien“
  7. André Hellers Menschenkinder: Sophie Freud. In: tv.orf.at. 21. Dezember 2017, abgerufen am 22. Dezember 2017.