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vom 05.05.2018, aktuelle Version,

Sterngarten

Sterngarten, Ansicht von Westen. Von der Plattform-Mitte aus zeigt der Südmast (rechts) den jahreszeitlichen Höchststand der Sonne, und der Nordmast den Polarstern. Er dient auch als Schattenzeiger einer Sonnenuhr.
Begehbare Sonnenuhr. Der Schrägmast ist parallel zur Erdachse. Im Vordergrund die Datumslinien des Nordmast-Schattens.

Das Freiluftplanetarium Sterngarten am Georgenberg in Wien-Mauer ist eine unentgeltlich benützbare Anlage zur freisichtigen Beobachtung des Himmelsgeschehens bei Tag und Nacht. Der Sterngarten besteht seit 1997 und wird vom Astronomischen Büro betreut. Er soll den Besuchern die "obere Hälfte der Welt" bewusst und erlebbar machen, besonders den jahreszeitlichen Verlauf der Sonnenbahn.

Der Sterngarten liegt im Südwesten Wiens am Rand eines Naturschutzgebiets der "Erholungsräume Niederösterreich - Wien". Durch drei weithin sichtbare, 17 Meter hohe Masten zieht die Anlage daher auch Wanderer sowie Besucher der nahen Wotruba-Kirche an, einer architektonischen Besonderheit aus den Jahren 1974–76.

Beschreibung

Die fast 1 Hektar große Anlage stellt das erste Projekt der sogenannten Horizontastronomie in Europa dar, bei der auch die scheinbare Drehung des Sternhimmel und der Jahresverlauf der Sonnenbahn demonstriert werden kann. Sie wurde vom früheren Wiener Planetariumsleiter Hermann Mucke nach Ideen von Univ.Prof. Oswald Thomas (1882–1963) geplant und besteht aus

  • einer Stufenpyramide mit Edelstahlbrüstung und Behindertenrampe,
  • einem Südmast (südlicher Messpfeiler),
  • sechs Sonnensäulen mit Querarmen für die Sonnenauf- und Untergänge,
  • einem Nordmast mit Lochscheibe für den Himmelspol und als Mittags-Schattenzeiger
  • einer als „Ungeziffer“ (Hermann Mucke) bezeichneten Zeitentabelle,
  • einem Nordweg mit Schrägmast parallel zur Erdachse
  • und an dessen Fuß ein Analemma und eine Sonnenuhr.

Zum Gebrauch bei Tage

Von der Wotruba-Kirche kommend betritt man den Sterngarten von Norden her und erreicht zunächst den Stützpfeiler des Schrägmastes am Ende des Nordweges. Man erkennt, dass Stützpfeiler, Schrägmast, Nordmast und Südmast genau fluchten und damit eine Ebene bilden (Bild rechts). In dieser Ebene liegen der örtliche Meridian und die Erdachse. Der Schrägpfeiler ist eine Parallele zur Erdachse, entsprechend der geografischen Breite um 48° geneigt.

Am Fuß des Schrägpfeilers ist im Nordweg das Zifferblatt einer Horizontalsonnenuhr eingelassen, die den Schrägmast als Schattenwerfer nutzt.

Die eineinhalb Meter über die Pyramidenplattform ragende Oberkante der Edelstahlbrüstung, die Sockeloberkanten des Nord- und des Südmastes sowie die Oberkanten der Querarme der Sonnensäulen bilden eine Ebene, die „Mathematischer Horizont“ genannt wird. In der Mitte der Pyramidenplattform ist eine Scheibe eingelassen, die die Position des Beobachters markiert. Über diesem Punkt kann der Beobachter durch Bücken oder Strecken sein Auge exakt in die sogenannte Himmelsmitte bringen.

Das Azimut eines Objektes am Himmel kann an der Brüstung und die Höhe an Nord- oder Südmast oder an den Sonnensäulen geschätzt werden. Nord- und Südmast verfügen über Edelstahlringe im Höhenabstand von 10°.

Die sechs Sonnensäulen stehen etwas entfernt rund um die Stufenpyramide. Drei davon markieren im Osten den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende, zu den Tagundnachtgleichen und zur Wintersonnenwende. Die anderen drei markieren im Westen entsprechend den Ort des Sonnenunterganges zur Wintersonnenwende, den Tagundnachtgleichen und zur Sommersonnenwende.

Während die Säulen den geometrischen Aufgangsort des Sonnenkörpers markieren, geben Kerben in den Querarmen der Sonnensäulen den Aufgangsort der wahrnehmbaren Sonnenscheibe an. Dieser liegt wegen der Strahlenbrechung in der Atmosphäre stets etwas weiter nördlich.

Sternführungen und Zielsetzung

Die Anlage am äußersten südwestlichen Stadtrand hat durch ihre Lage am Georgenberg (Naturschutzgebiet Maurer Wald) gute Sichtbedingungen und dient dem österreichischen Astronomischen Verein für regelmäßige, unentgeltliche Sternführungen. Damit steht sie in der Tradition des Sommerhaidenwegs, wo der Vereinsgründer Prof. Oswald Thomas ab etwa 1920 seine monatlichen Sternführungen abhielt. Für diese Sternwanderungen entlang der Weinberge mit oft 100 Teilnehmern wurde sogar die Stadtbeleuchtung abgeschaltet.

Der Sterngarten versteht sich als Ergänzung zum Wiener Planetarium und als Ort, wo Sternfreunde eigene Aktivitäten entwickeln können. Der Initiator Prof. Hermann Mucke gründete eine Gruppe von Fachleuten, die 1- bis 2-mal monatlich öffentliche Sternführungen veranstalten und zusätzlich Beobachtungen etwa bei Mondfinsternissen oder hellen Kometen organisieren. Es gibt auch Sonderführungen für Schulklassen.

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