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vom 13.09.2016, aktuelle Version,

Stift Pernegg

Stift Pernegg

Das Stift Pernegg ist ein ehemaliges Kloster der Prämonstratenserinnen (bzw. der Prämonstratenser) (OPraem) in Pernegg in Niederösterreich.

Der Klosterkomplex ist von Umfassungsmauern aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert umgeben. Diese Mauern sind teilweise durch Rundtürme mit Zinnenbekrönung verstärkt.

Geschichte

Das Kloster wurde um 1153 durch Ekbert und Ulrich II. von Pernegg als Chorfrauenstift (zum Stift Geras gehörend) gegründet und mit Nonnen aus den zu Seelau gehörigen Stift Launiowitz besiedelt. Es teilte, was die Zeitläufte angeht, weitgehend das Schicksal des Stiftes Geras.

Im Jahre 1188 wurden die Stiftungen von Pernegg an den Bischof von Passau übergeben, die Pröpste wurden von Geras bestellt. 1276 wurde eine Meisterin – später Priorin – genannt.

Als unter Propst Coloman Radt alle Chorfrauen bis auf eine einzige sterben, ging das Recht zur Wahl des Propstes auf das Kapitel von Geras über. Im Jahr 1584 wurde das Frauenkloster aufgehoben, und nach dem Tod der letzten Chorfrau Rosina Eichinger im Alter von über 80 Jahren, im Jahre 1586 mit Chorherren aus Geras neu besetzt.

Im Jahre 1608 wurden dem Stift die Pontifikalien verliehen und ab 1644 wurde es als selbständiges Chorherrenkloster geführt. Im 17. Jahrhundert folgte ein Aufschwung und der Ausbau der Stiftsanlagen. Unter Franz von Schöllinger erhielt das Stift, zusätzlich zur Pfarrei Pernegg, die Pfarrei Niklasberg von Geras. Vom Landesherrn erhielt Pernegg die Abteien von Lelesz und Jasov, später dazu St. Stephan in Oradea und die (Titular-)Propstei Horpacs, dann die Kanonien in Csorna und Türje. Diese wurden dann allerdings bald teilweise zur Schuldentilgung an wohlhabendere Klöster des Ordens verkauft.

Im Jahre 1700 wurde das Stift zur Abtei erhoben, aber schon im Jahr 1783 im Zuge seiner Religionspolitik durch Kaiser Joseph II. aufgehoben und die Ausstattung versteigert. 1854 übertrug Kaiser Franz Joseph die Stiftsgebäude in Pernegg wieder in den Besitz des Chorherrenstiftes Geras.

Geras und Pernegg wurden im Jahre 1940 beschlagnahmt und Pernegg diente bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Lager des Reichsarbeitsdienstes.

Von 1951 bis 1992 war im Klostergebäude ein von der Pfarre geführtes Jugendhaus untergebracht, ehe die gesamten Klosteranlage von 1992 bis 1997 saniert und ausgebaut wurde. In der Stiftskirche, die über eine gute Akustik verfügt, werden neben den Gottesdiensten regelmäßig Konzerte gegeben.[1] Das Kloster Pernegg wurde 2003 in Pacht an private Betreiber (Friends Touristik GmbH) vergeben, die auf den Slogan „Die Entdeckung der Stille“ und Fasten setzen. Das Kloster ist heute ein bekanntes Fastenzentrum in Österreich.

Die bekannten Vorsteher des Stiftes Pernegg:[2]

Pröpste:

Engelbert (Gründungspropst von Pernegg)
Conrad (später Abt von Geras)
Ulrich
Conrad
Johann
Wilhelm (später Abt von Geras)
Thilmann
Hermann
Johann de Russia
Wilhelm (später Abt von Geras)
Gerhard
Oswald (später Abt von Geras)
Nikolaus
Laurenz
Christoph
Christian Zarnwolf
Johann Kolb
Thomas Scheerschneider
Gregor
Coloman Radt (zu seiner Zeit endet die Wahl durch die Chorfrauen)
Johann Wenzel Ruepl (später Wenzel II. Abt von Geras)
Urban Leser (später Abt von Geras)
Christoph Weber
Mathias Leser
Georg Sumperer (zu seiner Zeit starb die letzte Chorfrau Rosina Eichinger, Errichtung des Kapitels)
Germann Renzl
Johann von Beyrer (später Abt von Geras)
Sebastian Fuchs (vorher Abt von Klosterbruck, Verleihung der Pontifikalien)
Valentin Springel
Norbert Bratiz (später Abt von St. Vinzenz Breslau)
Laurenz Weigl
Nikolaus Meister

Äbte:

1. Franz Edler von Schöllinger (erster Abt von Pernegg)
2. Ambros Edler von Schöllinger
    Nikolaus Zandt (Vaterabt und Administrator)
3. Peter Gröbner
4. Leopold Silipp (Aufhebung des Stiftes Pernegg) (Tilgung aller Schulden)

Titularprobst:

Ämilian Greisel (Abt, 50. Prälat von Geras)

Stiftsgebäude

Die ehemaligen Stiftsgebäude, die südlich und westlich der sie überragenden Stiftskirche stehen, wurden im 17. Jahrhundert unter Verwendung mittelalterlicher Bausubstanz neu erbaut.

Innenraum der Klosterkirche

Die spätgotische, ehemalige Stiftskirche, der Karner und Teile der barocken Klostergebäude, sowie einige wenige Reste der ehemaligen Burgkapelle sind erhalten. Kirche und Klostergebäude wurden in den 1990er Jahren umfassend renoviert und durch neue Teile ergänzt. Die Kirche erhielt dabei einen neuen Volksaltar von Thomas Munz.

Siehe auch

Literatur

  • Johann Thomas Ambrózy, Ambros Josef Pfiffig, Gerhard Trumler: Stift Geras und seine Kunstschätze. St. Pölten 1989.
  • Sebastian Brunner (Hrsg.): Ein Chorherrenbuch. Würzburg 1883.
  • Isfried Robert Franz: Geschichte der Waldviertler Klosterstiftung Geras-Pernegg. Geras 1976, Neudruck.
  • Iris Winkelbauer: Studien zum ehemaligen Prämonstratenser(-innen)kloster Pernegg im Waldviertel (Niederösterreich). Diplomarbeit. Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 2013 (PDF-Datei; 48 MB).
  Commons: Stift Pernegg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Klostergeschichte auf der Website von Kloster Pernegg. Abgerufen am 6. Februar 2016.
  2. Sebastian Brunner (Hrsg.): Ein Chorherrenbuch. Würzburg 1883.