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vom 01.09.2017, aktuelle Version,

Straßenbahnunglück von Wien-Döbling

Das Straßenbahnunglück von Wien-Döbling vom 2. August 1960 war der schwerste Unfall in der Geschichte der Wiener Straßenbahn. 19 Menschen[1] fanden den Tod, über hundert wurden teilweise schwer verletzt.

Hergang

Straßenbahnen auf der Kreuzung Billrothstraße – Döblinger Hauptstraße – Glatzgasse, auf der sich der Unfall ereignete (1980)
Ein Straßenbahnzug in der gleichen Zusammenstellung wie die beiden verunglückten Züge

Um 16:53 Uhr geriet ein stadteinwärts fahrender Zwei-Wagen-Zug der Linie 39 auf der abschüssigen Billrothstraße im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling außer Kontrolle, entgleiste in der anschließenden Rechtskurve auf der Kreuzung Billrothstraße – Döblinger Hauptstraße – Glatzgasse und stieß mit hoher Geschwindigkeit gegen den Triebwagen eines Zuges, der in der Gegenrichtung gerade in die Billrothstraße einzubiegen begann.

Durch die Wucht des Anpralls wurde der hölzerne Wagenkasten des aus dem Jahr 1913 stammenden stadteinwärts fahrenden Triebwagens zur Gänze zertrümmert und das Dach vollständig abgerissen, der gleich alte Triebwagen des stadtauswärts fahrenden Zuges umgeworfen und ebenfalls teilweise zerstört.[2]

Nicht nur die im einen Fall vollständige, im anderen Fall zumindest teilweise Zerstörung der Wagenkästen, sondern auch die scharfkantigen Splitter der hölzernen Bauteile führten zu schwersten und tödlichen Verletzungen der Fahrgäste. Die Züge waren mit Fahrgästen auf dem Heimweg von der Arbeit stark besetzt.

Unglücksursache

Der erste Verdacht auf Bremsversagen erhärtete sich nicht. Die technische Untersuchung ergab, dass Fahrschalter, Handbremse und Schienenbremse in Ordnung waren. Durch Probefahrten mit einer gleichartigen Garnitur wurde festgestellt, dass es selbst aus überhöhter Geschwindigkeit möglich gewesen wäre, den Zug allein durch die Handbremse zum Stehen zu bringen.[3] Die Obduktion des Motorführers des bergab fahrenden Zuges, der ebenfalls ums Leben gekommen war, brachte ans Licht, dass er im Zeitpunkt des Unfalls hochgradig alkoholisiert (2,6 Promille Blutalkoholkonzentration) und dadurch nicht mehr in der Lage gewesen war, den Zug zu steuern; nach und nach wurde bekannt, dass er schon vor dem Unfall in den Haltestellen nicht mehr korrekt hatte anhalten können.[4]

Folgen

Nach dem Unglück entstand eine Kontroverse zwischen dem Wiener Verkehrsstadtrat Anton Schwaiger (ÖVP) und der Fa. Gräf & Stift AG über die Gründe für Verzögerungen in der Auslieferung moderner Fahrzeuge in Ganzstahlbauweise.[5] Obwohl die Wiener Stadtwerke-Verkehrsbetriebe in den folgenden Jahren sukzessive moderne Fahrzeuge in Dienst stellten, verschwanden die letzten Holzaufbauwagen erst Ende 1978 aus dem regulären Linienverkehr.[6]

Einzelnachweise

  1. Arbeiter-Zeitung 12. August 1960; in anderen Quellen - Tramwayforum – ist von 21 Todesopfern die Rede
  2. Arbeiter-Zeitung 3. August 1960
  3. Arbeiter-Zeitung 12. August 1960
  4. Arbeiter-Zeitung 5., 6. und 7. August 1960
  5. Arbeiter Zeitung 5., 6. und 7. August 1960
  6. Stadtverkehr Austria Wiki – Type M (Wien, 1927-1979), eingesehen am 16. März 2014