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vom 25.05.2017, aktuelle Version,

Sylvester Stadler

Sylvester Stadler (1943)
Von links: Sylvester Stadler, Hans Weiß, Christian Tychsen, Otto Kumm, Vinzenz Kaiser und Karl-Heinz Worthmann in der Sowjetunion (April 1943); Aufnahme einer SS- Propagandakompanie

Sylvester Stadler (* 30. Dezember 1910 in Fohnsdorf, Österreich-Ungarn; † 23. August 1995 in Königsbrunn) war Kommandeur der 9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“ der Waffen-SS sowie Befehlshaber jenes SS-Regiments, welches für das Massaker von Oradour-sur-Glane verantwortlich ist. Zu Kriegsende nur 34 Jahre alt, trug er den Rang eines SS-Brigadeführers und Generalmajors der Waffen-SS.

Leben

Der Sohn eines steirischen Bergmanns erlernte nach Volks- und Landesbürgerschule in Judenburg den Beruf eines Elektrotechnikers.

Im Mai 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und SS. Da er im SS-Lager Lechfeld eine militärische Ausbildung absolvierte wurde er im Zuge einer Anklage wegen Hochverrats ausgebürgert. Am 31. Juli 1933 setzte er sich nach Deutschland ab, wo er sich einige Monate später als Freiwilliger zur SS-Verfügungstruppe meldete. Nach Abschluss der Junkerschule in Bad Tölz (von April 1935 bis März 1936) wurde er zum SS-Untersturmführer befördert.[1]

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges führte er eine Nachrichtenkompanie der SS-Verfügungstruppe. Anschließend kämpfte er 1940 mit der SS-Verfügungsdivision in Frankreich, wo er bei Arras verwundet wurde. Er nahm 1941 auch am Balkanfeldzug teil. Nach einer weiteren Verwundung in der Schlacht um Moskau im Jahre 1941, wurde er für kurze Zeit als Taktiklehrer an der SS-Junkerschule in Braunschweig eingesetzt. Ab 1. März 1942 kommandierte er das II. Bataillon des zur 2. SS-Panzer-Division Das Reich gehörenden Panzergrenadier-Regiments „Der Führer“. Im Mai 1943 wurde er zum Kommandeur des gesamten Regiments „Der Führer“ ernannt, mit dem er in Russland kämpfte. Für die Zurückschlagung eines Einbruchs der Roten Armee bei Charkow wurde ihm am 6. April 1943 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.[2]

Zur Auffrischung wurde das in Russland stark dezimierte Regiment „Der Führer“ Anfang 1944 – ebenso wie die übrige 2. SS-Panzer-Division Das Reich – nach Frankreich in den Raum Toulouse verlegt. Zur Bekämpfung der alliierten Landungstruppen in der Normandie wurde die Division nach Norden beordert. Am 10. Juni 1944 brannten Angehörige des Regiments „Der Führer“ den Ort Oradour-sur-Glane nieder und ermordeten 642 Männer, Frauen, Greise, Kinder und Babys. Verantwortlich waren Soldaten der 3. Kompanie des 1. Bataillons unter dem Bataillonskommandanten SS-Sturmbannführer Adolf Diekmann. Stadler legte dagegen „Protest“ ein und strebte kriegsgerichtliche Ermittlungen gegen Diekmann an. Dieser fiel jedoch kurz nach dem Massaker in den Kämpfen nach der alliierten Landung in der Normandie. Stadler bereitete sich damals auf die Übernahme eines neuen Kommandos vor, sodass er am 14. Juni 1944 das Kommando über das Regiment „Der Führer“ an Otto Weidinger abgab[3]. Ab dem 10. Juli 1944 war Stadler dann Kommandeur der 9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“. Mit dieser Einheit nahm er an den Kämpfen in der Normandie teil (siehe Schlacht um Caen). Später wurde er erneut verwundet. Anfang Mai 1945 ergab er sich in Steyr (Österreich) mit den Resten seiner Division den Amerikanern und verblieb bis 1948 in amerikanischer Internierung.

Zur Rechtfertigung der Handlungsweise seines ehemaligen Regiments erklärte Stadler nach dem Krieg bei seiner Vernehmung vor einem Staatsanwalt bezüglich des Massakers von Oradour, er habe am Morgen des 10. Juni 1944 über Informationen verfügt, wonach sich in Oradour ein Partisanenstab befand und für den Nachmittag die öffentliche Verbrennung des entführten Sturmbannführers Helmut Kämpfe geplant gewesen sei.

Weiter behauptete Stadler, am Morgen des 9. Juni seinen Ordonnanzoffizier Gerlach beauftragt zu haben, für Teile des Regiments in Nieul ein Quartier zu suchen. Dieser sei dann aber während der Fahrt dorthin von Partisanen überfallen worden und in den Ort Oradour-sur-Glane verbracht worden, wo er eine rege Partisanentätigkeit wahrgenommen hätte und sogar bewaffnete Frauen gesehen haben will. Gerlachs Fahrer sei übrigens von den Partisanen getötet worden, weshalb Gerlach dann selbst die Flucht gelungen sei und Stadler davon Bericht erstatten konnte.

Die späteren Zeugenaussagen der Überlebenden des Massakers von Oradour und insbesondere der Angeklagten selbst bei den Prozessen in Bordeaux 1953 und in Berlin widerlegten Stadlers Aussagen bald eindeutig.

Literatur

  • Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen. Mohorjeva, Klagenfurt u. a. 2012, ISBN 978-3-7086-0578-4, S. 418–426.
  • Bernd Wegner: Hitlers Politische Soldaten. Die Waffen-SS 1933–1945. Leitbild, Struktur und Funktion einer nationalsozialistischen Elite. 6. Auflage. Schöningh, Paderborn u. a. 1999, ISBN 3-506-77502-2 (Zugleich: Hamburg, Universität, Dissertation, 1980: Das Führerkorps der bewaffneten SS 1933–1945).
  • Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS. Elite unter dem Totenkopf. 30 Lebensläufe. Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-78562-1.
  • Peter Przybylski, Horst Busse: Mörder von Oradour. Militärverlag Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1984.
  Commons: Sylvester Stadler  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2012, S. 418f.
  2. Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2012, S. 420f.
  3. http://www.oradour.info/appendix/dasorder.htm Aufstellung der Einheiten der SS-Division Das Reich im Juni 1944